Ausstellungseröffnung: Leben nach dem Überleben

180228Amcha02

Pnina Kazir am 28. Februar 2018 in Kassel

In Anwesenheit von zahlreichen Gästen haben wir am 28. Februar die Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ von Amcha Deutschland im Bundessozialgericht in Kassel feierlich eröffnet. „Die Nationalsozialisten brachten nicht nur zahllose Menschen um, sondern viele auch an den Rand ihres Lebens“, sagte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz, in ihrer Eröffnungsrede. Diese Menschen mussten, wie der Ausstellungstitel sagt, „Leben nach dem Überleben“. „Sie traten einen weiten Weg an zurück in ein Leben, das von grundauf erschüttert war“, sagte Katz. „Sie hatten zwar überlebt, aber sie mussten nun gegen die erlittenen Traumata kämpfen, gegen Alpträume, gegen die empfundene Schmach.“

Antisemitismus auch heute ein Problem

Katz kam auch auf die Aktualität von Antisemitismus zu sprechen. „Leider gibt es Indizien dafür, dass Antisemitismus wieder salonfähig wird“, sagte sie. Dafür sprächen „Meinungen, die man auf der Straße, am Arbeitsplatz und im Freundeskreis hört“. Es gebe Vorfälle in der Umgebung jüdischer Einrichtungen und in den Schulen sei „Jude“ eine gängige Beleidigung. Dass Antisemitismus auch heute noch ein Problem ist betonte neben Katz auch der Präsident des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel. Dies finde auch in Äußerungen über Israel Ausdruck.

Überlebende Pnina Kazir aus Israel angereist

Die Künstlerin Helena Schätzle, auf deren Arbeit die Ausstellung basiert, und die Überlebende Pnina Kazir ergriffen als Beteiligte ebenfalls das Wort. Kazir war für ihre Teilnahme eigens aus Israel angereist. Es gehe darum, sich jederzeit für das Gute zu entscheiden, sagte Schätzle. Pnina Kazir berichtete von ihren Erlebnissen im Ghetto und war nach dem Ende der Feier noch lange von Gästen umringt, die mir ihr ins Gespräch kamen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Leben nach dem Überleben – Überlebende des Holocaust und ihre Familien in Israel“ ist ab heute für die Öffentlichkeit im Bundessozialgericht in Kassel zugänglich (Mo-Do 9-16, Fr 9-14 Uhr). Der Eintritt ist frei. Wir danken den Hauptsponsoren Volkswagen und Kasseler Sparkasse sowie zahlreichen weiteren Sponsoren und Unterstützern.


 

Zum Weiterlesen

„Wenn heute viele sagen, die Verbrechen der Nationalsozialisten seien doch lange vorbei, dann antwortet diese Ausstellung: Mag sein, aber in den Überlebenden sind die Folgen dieser Verbrechen bis heute wirksam.“ zu hessenschau.de

„Wir möchten besonders junge Menschen erreichen und sind deshalb froh, dass bereits einige Schulklassen für einen Besuch angemeldet sind.“ zu lokalo24.de