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Tagesseminar

6111702Gefährliche Welterklärung – Personalisierender Antikapitalismus im gewerkschaftlichen Kontext und seine Nähe zum Antisemitismus

Montag, 6. November 2017
14 bis 20 Uhr (geöffnet ab 13.30 Uhr)
Ort: Sara Nussbaum Zentrum Kassel

Je länger die weltweite ökonomische Krise dauert, desto beliebter sind einfache Erklärungen – auch unter Gewerkschaftsmitgliedern. Die Empörung darüber, dass an Bildung, Gesundheit, Umwelt und Sozialem gespart wird, während gleichzeitig Billionen Euro in den Finanzmärkten zirkulieren, mischt sich oft mit der Vorstellung, »die Gierigen, die den Hals nicht voll genug kriegen« seien an der Krise Schuld. Die Nationalsozialisten setzten »die Gierigen« mit »den Juden« gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

Das Seminar beleuchtet oberflächlichen und personalisierenden Antikapitalismus anhand von Beispielen aus dem gewerkschaftlichen Kontext. Es wirft einen Blick auf den Antikapitalismus alter und neuer Nazis und untersucht dessen Anschlussfähigkeit an den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs. Grundlegende Unterschiede zu einer reflektierten Kritik, die die systemischen Zwänge und Widersprüche des Kapitalismus untersucht, werden behandelt.

Durchführung: Matthias Ammer (Politikwissenschaftler, Gewerkschaftssekretär) und Lothar Galow-Bergemann (Publizist, ehemaliger Personalrat in zwei Großkliniken, ver.di)

Einladungsflyer (PDF)
Veranstaltung bei Facebook

Die Teilnahme ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Bitte melden Sie sich bis verbindlich per E-Mail an bei: ms@sara-nussbaum-zentrum.de.

Buchlesung mit Andrea v. Treuenfeld „Erben des Holocaust, Leben zwischen Schweigen und Erinnerung“

Am Mittwoch 11. Oktober 2017 um 18.30 Uhr liest
Andrea v. Treuenfeld  aus ihrem im Februar erschienen Buch „Erben des Holocaust, Leben zwischen Schweigen und Erinnerung“. Ausgehend von den individuellen Geschichten geht von Treuenfeld in dem Buch den Fragen nach: Welche Erfahrungen machten die Kinder jener Menschen, die die Schoa überlebten? Andrea von Treuenfeld hat 18 Frauen und Männer gebeten, in jeweils einem Beitrag über ihr »Leben zwischen Schweigen und Erinnerung« zu berichten.

Bericht der Jüdischen Allgemeinen über die Buchpräsentation in Berlin

 

Eine Geschichte von Vernichtung und Überleben

Neue Ausstellung: „Eine Geschichte von Vernichtung und Überleben – der Holocaust im galizischen Erdölrevier“

Die Vernissage findet am Sonntag, 1. Oktober, um 17 Uhr statt. Musikalische Umrahmung:  Lilia Gilmanova (Klavier), Yanhui Liu (Klarinette). Galizien ist eine Kulturlandschaft im Osten Mitteleuropas, die heute zwischen Polen und der Ukraine geteilt ist. Juden bildeten seit dem Mittelalter einen wichtigen Teil der multiethnischen Gesellschaft. Die Orte Drohobycz und Boryslaw waren das Zentrum des galizischen Ölreviers und damit für die deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg kriegswichtig. Die jüdische Bevölkerung wurde in Ghettos zusammengepfercht, zur Zwangsarbeit herangezogen und schließlich vernichtet.

Die Ausstellung zeichnet den Holocaust im galizischen Erdölrevier nach. Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Opfern, den Tätern, den Tatbeteiligten, den Überlebenden und ihren Rettern. Sie folgt dem Schicksal der Familie des Holocaust-Überlebenden Prof. Dr. Józef Lipman. Sie würdigt die Taten und den Mut der Retter, besonders des jungen deutschen Managers Berthold Beitz und seiner Frau Else. Den Flyer mit dem Rahmenprogramm können Sie hier herunterladen.

Performance der documenta 14 relativiert die Shoah

DocmentaDie Weltkunstausstellung documenta 14 lädt vom 24. bis 26. August täglich zu einer Performance unter dem Titel „Auschwitz on the beach“ in das Museum Fridericianum in Kassel ein. Im Ankündigungstext wird die europäische Migrationspolitik mit Vokabeln belegt, die aus dem Kontext des nationalsozialistischen Massenmords an den europäischen Juden stammen. So heißt es, „die Europäer“ errichteten „Konzentrationslager und bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat“ (1). Als beteiligte Urheber werden Franco Berardi, Stefano Berardi und Dim Sampaio genannt. Der Ankündigungstext stammt in weiten Teilen aus einem Text von Franco Berardi, der in einer im Internet nach wie vor verfügbaren Version (2) auch den Staat Israel in die Reihe der als „Gauleiter“ bezeichneten Staaten stellt.

„Die Ankündigung der Performance ist eine politisch-moralische Bankrotterklärung“

„Die documenta 14 lädt damit zu einer Performance ein, die bereits mit ihrer Ankündigung die nationalsozialistische Judenvernichtung relativiert“, sagte der Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch. Der Text der documenta behaupte eine moralische Äquivalenz zwischen den Verbrechen der Nationalsozialisten und der europäischen Migrationspolitik und ignoriere damit sowohl historische Tatsachen als auch den Stand der Forschung zur NS-Ideologie. Den Tod von Geflüchteten mit der systematischen Ermordung fast aller europäischer Jüdinnen und Juden durch die wahnhaft antisemitischen Nationalsozialisten und ihre Helfer gleichzusetzen werde weder der Shoah noch den Ursachen der Fluchtkrise gerecht. „Die Ankündigung der Performance ist eine politisch-moralische Bankrotterklärung der Verantwortlichen und ein Zeichen von Hybris“, sagte Sehmisch. Eine Debatte derart zu entgrenzen sei auch angesichts der Ausbreitung von demokratieskeptischen, antisemitischen, verschwörungstheoretischen und fremdenfeindlichen Bewegungen unverantwortlich.

Siehe auch:

HNA online: „Heftige Kritik an Auschwitz-Aktion“ (17. August 2017)
„Auschwitz auf dem Strand“ ist der Titel einer documenta-Kunstaktion, die für Empörung sorgt. zum Artikel

Hessenschau.de: „Performance ‚Auschwitz am Strand‘ sorgt für Kritik“ (17. August 2017)
Ein Vergleich der europäischen Flüchtlingspolitik mit der systematischen, industriell betriebenen Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden – Martin Sehmisch, Leiter der „Informationsstelle Antisemitismus Kassel“ ist entsetzt: „Die documenta 14 lädt zu einer Performance ein, die bereits mit ihrer Ankündigung die nationalsozialistische Judenvernichtung relativiert.“ zum Artikel

Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Kassel e. V. (23. August 2017)
„(…) In dem offiziellen Ankündigungstext dieser künstlerischen Aktion jedoch wird der Vergleich zum Holocaust gezogen, ist von Konzentrationslagern, die auf europäischem Territorium gebaut werden, und vom Salzwasser des Mittelmeeres, das das Zyklon B ersetzt die Rede. Dieser Vergleich ist nicht nur geschmacklos und verletzend, er stimmt weder historisch noch entspricht er den Tatsachen. Verletzend ist er für die, die das Inferno überlebt haben und für die, die ermordet wurden und deren Nachkommen, die heute noch unter den Folgen leiden. Was die Fakten betrifft, der Holocaust war ein industriell geplanter Völkermord an einer bestimmten Bevölkerung ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Überzeugung wegen. Er war eine geplante Vernichtungsaktion. (…)“

Zum Nachhören: Finissage „Kein Sommermärchen“

Nach den israelfeindlichen und antisemitischen Demonstrationen im Sommer 2014 klärte im Sara Nussbaum Zentrum die Ausstellung »Kein Sommermärchen« über aktuellen Antisemitismus auf. Auch die Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA) erstellte eine Ausstellung, »Exodus – Europa ohne Juden?«. Am 14. Mai wurde »Kein Sommermärchen – Israelbezogener Antisemitismus im Sommer 2014« nach zwei Jahren dauerhaft geschlossen. Dazu gab es ein Werkstattgespräch mit Valeriya Golodyayevska (EJKA), Ilana Katz (Jüdische Gemeinde Kassel) und Elena Padva (Sara Nussbaum Zentrum) unter der Moderation von Martin Sehmisch (Informationsstelle Antisemitismus Kassel).

Aufnahme der Veranstaltung zum Nachhören

Unser Programm April bis Juni 2017

Programmvorschau
Das Sara Nussbaum Zentrum und die Informationsstelle Antisemitismus Kassel haben ein gemeinsames Programmheft für das 2. Quartal (April bis Juni 2017) herausgebracht. Sie können die Veranstaltungsübersicht hier als PDF-Datei herunterladen. Alternativ klicken Sie bitte auf das Vorschaubild links.

„Leben nach dem Überleben“: Machen Sie mit!

Zwi und Regina Steinitz in Tel Aviv. Zitat von Zwi. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie ein Vater sein Kind liebkosen und gleichzeitig jüdische Kinder ermorden, die eigene Frau umarmen, küssen und gleichzeitig ihm unbekannte, völlig unschuldige Frauen in die Gaskammer schicken oder an einer Grube niederschießen konnte.

Zwi und Regina Steinitz in Tel Aviv. Zitat von Zwi: „Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie ein Vater sein Kind liebkosen und gleichzeitig jüdische Kinder ermorden, die eigene Frau umarmen, küssen und gleichzeitig ihm unbekannte, völlig unschuldige Frauen in die Gaskammer schicken oder an einer Grube niederschießen konnte.“ (Foto: Helena Schätzle für AMCHA Deutschland)

Heute, am 27. Januar, ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Wir erinnern an die Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordeten wurden. Die Trauer angesichts der zahllosen Leben, die brutal beendet wurden, ist schwer in Worte zu fassen. Zugleich werden die Gegner der Erinnerungskultur lauter. Aber es ist doch völlig klar: Wir brauchen auch künftig eine Erziehung für die Achtung der Menschenrechte. Wir brauchen auch künftig eine wirksame Bildungsarbeit über die Shoah.

Dass viele Nutzer sozialer Medien in diesen Tagen unter dem Hashtag #weremember ihren Willen zeigen, die Erinnerung wach zu halten, macht Mut. Wir laden deshalb dazu ein, mitzuwirken an unserer Bemühung, die Ausstellung „Leben nach dem Überleben. Überlebende des Holocaust und ihre Familien in Israel“ nach Kassel zu holen (http://amcha.de/ausstellung/). Sie zeigt Überlebende des Holocaust und ihre Familien in Israel. Diese Menschen haben die Shoah überlebt und ringen jeden Tag mit Erinnerungen und Traumata. Anhand dieser konkreten Menschen erfahren die Besucher der Ausstellung, was die Shoah auch heute noch für die Überlebenden bedeutet.

auswartiges_amt_05Wir glauben, dass die Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur zeitgemäßen Vermittlung leisten kann und möchten sie deshalb im Frühjahr 2018 in Kassel zeigen. Sie können an dem Projekt mitwirken, indem Sie
– sich an den Kosten beteiligen (www.betterplace.org/p51938),
– uns ehrenamtlich bei Organisation und Durchführung der Ausstellung und des Begleitprogramms unterstützen (schreiben Sie uns: ms@sara-nussbaum-zentrum.de) oder
– Ihre Ideen beisteuern und Ihre Community, Studiengruppe oder Schulklasse mit diesem Projekt verbinden.

Das Foto oben zeigt Zwi Steinitz und Regina Steinitz (geb. Anders). Beide überlebten die Shoah, Zwi in verschiedenen Ghettos und Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen, Regina im Versteck in Berlin. Sie leben in Tel Aviv und nehmen die Hilfe von AMCHA wahr.

Wegen antisemitischer Hetze verurteilt

Wegen eines Facebook-Postings muss der Organisator der Kasseler Pegida-Gruppe „Kagida“ 4.500 Euro Strafe zahlen. Das hat das Amtsgericht Kassel laut verschiedener Medienberichte heute entschieden. Der Angeklagte hatte den Begriff „Judenpack“ verwendet und geschrieben: „Wer stoppt Juden bei ihrem Massenmord, wir Deutschen werden die Juden wieder hassen.“ Laut Bericht von hessenschau.de hatte die Anklage festgestellt, der auf den Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern bezogene Kommentar des Rechtsextremisten bediene das auch von den Nationalsozialisten verwendete Klischee von „kindermordenden Juden“. Der Angeklagte wurde wegen Volksverhetzung verurteilt.

Informationsstelle Antisemitismus: Urteil ermutigt Betroffene und Zeugen

„Die Verurteilung zeigt, dass israelbezogener Antisemitismus sehr wohl strafbar sein kann“, sagt der Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch. Das Urteil sei eine Ermutigung für Betroffene und Zeugen, sich in vergleichbaren Fällen auch mit Strafanzeigen gegen Online-Hetze zu wehren. Gleichwohl kämen zu wenig Fälle tatsächlich zur Anklage. Die Informationsstelle Antisemitismus Kassel nimmt Hinweise auf antisemitische Vorfälle entgegen und unterstützt Betroffene und Zeugen. Zum Meldeformular

„Mit dem Herzen sehen“ jetzt im Augustinum

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Anja Eckhard (Kulturreferentin Augustinum), Elena Padva (Leiterin Sara Nussbaum Zentrum) und Victor Zvarun (Fotograf) zeigen eine der zahlreichen Fotoleinwände, die seit heute im Augustinum zu sehen sind. (Foto: Martin Sehmisch Fotografie)

Seit Mitte Juni ist unsere Foto-Ausstellung „Mit dem Herzen sehen – Menschen in der Pflege“ für einige Wochen in der Seniorenresidenz Augustinum (Im Druseltal 12, Kassel) zu sehen. Sie zeigt fotografische Porträts von Menschen, die zu Hause gepflegt werden. Entstanden sind die Bilder im Rahmen der sogenannten „Biographiearbeit“ des Pflegedienstes PSH in Kassel. Dabei wurden die Pflege-Klienten nach ihren Lebensgeschichten und ihren Selbstbildern gefragt. Die Porträtierten wurden so fotografiert, wie sie es selbst wünschten.

Zu der Ausstellung ist das Buch „Mit dem Herzen sehen – Menschen in der Pflege“ erhältlich. Es kann im Augustinum und während der Öffnungszeiten im Sara Nussbaum Zentrum erworben sowie beim Euroregio Verlag online bestellt werden (80 Seiten, ISBN/EAN 9783933617613, Format 230 x 215 mm, Sprache: Deutsch, Russisch, 12,90 Euro).

www.augustinum.de

Aufzeichnung: Eva Schulz-Jander im Gespräch

Unsere Veranstaltung „Eva Schulz-Jander im Gespräch mit Thomas Ewald“ vom 21. Januar 2016 können Sie jetzt nachhören.

Dr. Eva-Maria Schulz-Jander, amerikanische Staatsbürgerin, war viele Jahre Geschäftsführerin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Kassel. Auf Bundesebene ist sie die katholische Vorsitzende des Koordinierungsrates. Frau Schulz-Jander ist eine feste Größe im Kasseler Kulturgeschehen. Als Vortragende, Autorin, Moderatorin und Initiatorin vieler Veranstaltungen und als vhs-Dozentin ist sie in der Stadtöffentlichkeit präsent. Oberbürgermeister Bertram Hilgen hat sie im Jahr 2005 mit der Goldenen Ehrennadel und 2014 mit dem Wappenring der Stadt Kassel ausgezeichnet.

Während der sehr gut besuchten Veranstaltung hat Thomas Ewald sie nicht nur über ihr Leben und Wirken in Kassel befragen, sondern auch über ihre Herkunft aus Breslau als Tochter einer Katholikin und eines deutschen Juden. Das Überleben im Nationalsozialismus, die Emigration 1950 und der Neuanfang in Houston, Texas, sind zur Sprache kommen.

Audio: Eva Schulz-Jander im Gespräch mit Thomas Ewald