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Schoah: Alles schon vorbei? (Gespräch am 14. März 2018)

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Die Schoah betrifft auch die Nachgeborenen. (Foto: Helena Schätzle)

Mittwoch, 14. März 2018, 18 Uhr
Bundessozialgericht, Kassel

Die Verbrechen des Holocaust sind vorbei, aber die Folgen sind bis in die dritte Generation der Nachfahren von Überlebenden zu spüren. Im Rahmen der Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ im Bundessozialgericht in Kassel organisieren wir einen Gesprächsabend über die Folgen der Shoah für die nachfolgenden Generationen mit

Ilana Katz (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel)
Gabriela Katz (Schülerin)
Sharon Ryba-Kahn (Regisseurin)

Einführung und Moderation: Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von Amcha Deutschland

Ausstellungseröffnung: Leben nach dem Überleben

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Pnina Kazir am 28. Februar 2018 in Kassel

In Anwesenheit von zahlreichen Gästen haben wir am 28. Februar die Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ von Amcha Deutschland im Bundessozialgericht in Kassel feierlich eröffnet. „Die Nationalsozialisten brachten nicht nur zahllose Menschen um, sondern viele auch an den Rand ihres Lebens“, sagte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz, in ihrer Eröffnungsrede. Diese Menschen mussten, wie der Ausstellungstitel sagt, „Leben nach dem Überleben“. „Sie traten einen weiten Weg an zurück in ein Leben, das von grundauf erschüttert war“, sagte Katz. „Sie hatten zwar überlebt, aber sie mussten nun gegen die erlittenen Traumata kämpfen, gegen Alpträume, gegen die empfundene Schmach.“

Antisemitismus auch heute ein Problem

Katz kam auch auf die Aktualität von Antisemitismus zu sprechen. „Leider gibt es Indizien dafür, dass Antisemitismus wieder salonfähig wird“, sagte sie. Dafür sprächen „Meinungen, die man auf der Straße, am Arbeitsplatz und im Freundeskreis hört“. Es gebe Vorfälle in der Umgebung jüdischer Einrichtungen und in den Schulen sei „Jude“ eine gängige Beleidigung. Dass Antisemitismus auch heute noch ein Problem ist betonte neben Katz auch der Präsident des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel. Dies finde auch in Äußerungen über Israel Ausdruck.

Überlebende Pnina Kazir aus Israel angereist

Die Künstlerin Helena Schätzle, auf deren Arbeit die Ausstellung basiert, und die Überlebende Pnina Kazir ergriffen als Beteiligte ebenfalls das Wort. Kazir war für ihre Teilnahme eigens aus Israel angereist. Es gehe darum, sich jederzeit für das Gute zu entscheiden, sagte Schätzle. Pnina Kazir berichtete von ihren Erlebnissen im Ghetto und war nach dem Ende der Feier noch lange von Gästen umringt, die mir ihr ins Gespräch kamen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Leben nach dem Überleben – Überlebende des Holocaust und ihre Familien in Israel“ ist ab heute für die Öffentlichkeit im Bundessozialgericht in Kassel zugänglich (Mo-Do 9-16, Fr 9-14 Uhr). Der Eintritt ist frei. Wir danken den Hauptsponsoren Volkswagen und Kasseler Sparkasse sowie zahlreichen weiteren Sponsoren und Unterstützern.


 

Zum Weiterlesen

„Wenn heute viele sagen, die Verbrechen der Nationalsozialisten seien doch lange vorbei, dann antwortet diese Ausstellung: Mag sein, aber in den Überlebenden sind die Folgen dieser Verbrechen bis heute wirksam.“ zu hessenschau.de

„Wir möchten besonders junge Menschen erreichen und sind deshalb froh, dass bereits einige Schulklassen für einen Besuch angemeldet sind.“ zu lokalo24.de

„Leben nach dem Überleben“ im Bundessozialgericht

Das Sara Nussbaum Zentrum zeigt ab dem 1. März 2018 die Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ im Bundessozialgericht in Kassel. Die Rauminstallation besteht aus Fotografien von Holocaust-Überlebenden und ihren Familien in Israel sowie Videosequenzen und Texttafeln. Aufgegriffen werden die Themenbereiche Holocaust, Trauma sowie das Leben nach dem Überleben der nationalsozialistischen Verbrechen. Zur Eröffnung am 28. Februar erwartet das Sara Nussbaum Zentrum neben dem Präsidenten des Bundessozialgerichts, Dr. Rainer Schlegel, auch die Überlebende Pnina Katsir aus Israel.

Im Fokus: Die Folgen der Schoah – auch für nachfolgende Generationen

Im Mittelpunkt der Schau stehen die Berichte, Gefühle und Gedanken von Überlebenden des Holocaust, die heute in Israel leben. Sie wurden vor mehr als siebzig Jahren zwar befreit, ihr Leben ist aber bis heute von schweren Traumata geprägt. „Die Verbrechen sind vorbei, aber die Folgen sind bis in die dritte Generation der Nachfahren von Überlebenden zu spüren“, sagte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz, am Dienstag bei der Vorstellung des Projekts in Kassel. Zum Verständnis sowohl der Schoah als auch der heutigen Situation der jüdischen Gemeinschaft sei es wichtig, diesen in der deutschen Öffentlichkeit selten vertieft thematisierten Aspekt zu kennen und zu verstehen, so Katz. Die Ausstellung fragt deshalb, was das Leben nach dem Überleben mit sich bringt für die Überlebenden und ihre Familien. Wie wirken die Schrecken der Verfolgung heute nach? Welchen Einfluss hat der Umgang der Gesellschaft mit der Vergangenheit auf die individuelle Aufarbeitung?

Ilana Katz: Es geht um die Zukunft der Erinnerung

„Es ist von unschätzbarem Wert, dass die Überlebenden der Schoah in der Ausstellung selbst zu Wort kommen und jüngere Generationen so die Möglichkeit der persönlichen Annäherung bekommen“, sagte Katz, die auch Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel ist. Für die Zukunft der Erinnerungskultur in Deutschland sei zudem die Frage wichtig, welche Formen man künftig für die Vermittlung der Schoah finden werde. „Die Ausstellung von Amcha und Helena Schätzle gibt hier eine zeitgemäße Antwort“, sagte die Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, Elena Padva. „Wir möchten besonders junge Menschen erreichen und sind deshalb froh, dass bereits einige Schulklassen für einen Besuch angemeldet sind“, sagte Padva.

Für die engagierte Unterstützung der beteiligten Sponsoren (Liste siehe unten) sei man besonders dankbar, so Padva. Das von dem jüdischen Zentrum in enger Zusammenarbeit mit Bildungs- und Kultureinrichtungen – etwa dem Staatstheater Kassel und verschiedenen Schulen – organisierte Rahmenprogramm soll zudem eine vertiefte thematische Auseinandersetzung ermöglichen.

Eindrucksvolle Fotos sind Grundlage der Installation

Die Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ entstand im Kontext einer intensiven Beschäftigung mit Überlebenden der Schoah und ihren Familien in Israel. Im Auftrag von Amcha Deutschland, einer Hilfsorganisation für die psychologische und psychotherapeutische Unterstützung von Holocaust-Überlebenden, hat die in Kassel ausgebildete und ausgezeichnete Künstlerin Helena Schätzle viele Monate zumeist betagte Überlebende in Israel begleitet und im Kreis ihrer Angehörigen porträtiert. Entstanden sind zusätzlich zu den Fotografien eindrucksvolle Miniaturen, in denen die emotionalen Spuren einer immer noch präsenten Vergangenheit sichtbar werden. Schätzle zeichnet die Protagonisten dabei nicht eindimensional und als Projektionsfläche für die Veranschaulichung der nationalsozialistischen Verbrechen, sondern vielschichtig und nahbar. So werden neben Angst und Trauer auch Freude und Vitalität sichtbar. en porträtiert. Entstanden sind zusätzlich zu den Fotografien eindrucksvolle Miniaturen, in denen die emotionalen Spuren einer immer noch präsenten Vergangenheit sichtbar werden. Schätzle zeichnet die Protagonisten dabei nicht eindimensional und als Projektionsfläche für die Veranschaulichung der nationalsozialistischen Verbrechen, sondern vielschichtig und nahbar. So werden neben Angst und Trauer auch Freude und Vitalität sichtbar.

„Warum Krieg?“: Lesung mit Diskussion am 26. Januar um 19.30 Uhr

Am 30 Juli 1932 fragt Albert Einstein in einem Brief an Sigmund Freud: “Gibt es einen Weg, die Menschen vom Verhängnis des Krieges zu befreien?“ Er führt seine Gedanken aus und erhält von Freud eine Stellungnahme in Form eines langen Briefes. Was haben Freud und Einstein zu diesem Thema gedacht? Was sagen Vertreter der aktuellen Psychoanalyse dazu?einsteinfreud

Milena Fischer und Henning Hartmann, zwei Künstler aus Hannover, werden aus dem genannten Briefwechsel und aktuellen psychoanalytischen Texten lesen, sowie Gedichte zum Thema Krieg vortragen.
Eine Veranstaltungsreihe des Alexander-Mitscherlich-Instituts und des Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V.
Eintritt frei, Spenden willkommen.

Tagesseminar „Wer ist „wir“? Gesellschaftliche Heterogenität und Homogenitätsvorstellungen in Geschichte und Gegenwart“

Dienstag, 6. Februar 2018, 10 bis 17 Uhr
Ort: Sara Nussbaum Zentrum Kassel, Ludwig-Mond-Straße 127
Anmeldung & Rückfragen: manuel.glittenberg@degede.de
Die Teilnahme ist kostenlos.

Der Workshop ist als ganztätige Fortbildung konzipiert und kombiniert Elemente der historischen Bildung mit demokratiepädagogischen und menschenrechtsbasierten Methoden. Er richtet sich an Menschen, die haupt- oder ehrenamtlich mit Geflüchteten zu tun haben (z.B. Sozialarbeiter_innen, Verwaltungsangestellte, Unterstützer_innen in Flüchtlingsinitiativen, Pädagog_innen, Lehrer_innen).
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus befanden sich Millionen von Displaced Persons auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches: Überlebende der Konzentrationslager, nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter sowie jüdische Menschen, die dem Holocaust entkommen waren. Ein großer Teil von ihnen kehrte später in die jeweiligen Herkunftsländer zurück. Diejenigen, für die eine Rückkehr wegen der politischen Situation in Osteuropa oder der Angst vor antisemitischen Übergriffen nicht in Frage kam, emigrierten in ein Drittland. Einige verblieben als sogenannte „Heimatlose Ausländer“ in der Bundesrepublik. Die Geschichte der Displaced Persons verweist nicht nur auf den von den Deutschen verübten Völkermord, sondern auch auf die Heterogenität der deutschen Gesellschaft und den Umgang der Alliierten mit „Displacement“ nach 1945.
Die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte kann dazu beitragen, unser Bild von der deutschen Gesellschaft und ihrer (fort)bestehenden heterogenen Verfasstheit zu schärfen und Homogenitätsvorstellungen in Geschichte und Gegenwart kritisch zu betrachten. Für die Auseinandersetzung mit den gegenwärtig geführten Diskussionen zum Thema Flucht und Menschenrechte können so wichtige Impulse gegeben und Erkenntnisse im Hinblick auf die Wahrung der Würde des Menschen und des Rechts auf Selbstbestimmung deutlich gemacht werden.
Mit Hilfe interaktiver Methoden wird den Teilnehmenden im Workshop neben historischen Einblicken Handlungssicherheit im Umgang mit Heterogenität sowie eine Stärkung in der Auseinandersetzung mit Rassismus und Anfeindungen vermittelt. Die Teilnehmenden werden dabei ermutigt, eigene Vorstellungen zum Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft zu entwickeln und einzubringen.
Ein gemeinsames Workshop-Angebot des International Tracing Service (ITS) und des DeGeDe-Projekts „Zusammenleben neu gestalten“. Zum Flyer

Lesung und Vorstellung einer Broschüre am 17. Dezember

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17. Dezember 2017, um 17 Uhr

ins Sara Nussbaum Zentrum ein.

Zur Vorstellung unserer neuen Broschüre „Dokumentation der Ausstellung »Kein Sommermärchen«“, die die Sicht der jüdischen Community auf aktuellen Antisemitismus darstellt.

Außerdem zur Lesung von Selma Sipur »Tango in Tel Aviv«. Die junge jüdische Schwedin Liora kehrt von ihrem Auslandspraktikum nach Hause zurück und steht vor den Trümmern ihrer zerbrochenen Beziehung. Doch nicht ihre privaten Probleme, sondern eine politische Entwicklung kristallisiert sich zum Hauptproblem heraus: der anwachsende Antisemitismus in Südschweden. Selma Sipur ist eine promovierte Politikwissenschaftlerin und Alumna des Austauschprogramms der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem American Jewish Committee

zur Einladung als PDF
zur Veranstaltung auf Facebook

Daniel Kempin (Gesang, Gitarre): „ojfn weg – Exil und Emigration in jüdischen Liedern“

Sonntag, 10. Dezember 2017, 17 Uhr

Hamburg, Photo Simon

Die jüdische Geschichte beginnt vor 4.000 Jahren mit dem Aufruf an Abraham, seine Heimat zu verlassen. Exil und Emigration prägen fortan die jüdische Existenz. Mit der Konzentration auf das aschkenasische („deutsche“) Judentum berichtet das Liederprogramm von der Flucht der Juden aus West- nach Osteuropa, von den Lebensbedingungen im zaristischen Russland, von der Herausbildung verschiedener innerjüdischer Gruppierungen, der Flucht und dem Aufbau einer neuen Existenz in den USA.  Die umfassende und zugleich „kurz-weilige“ Zeitreise schließt Lieder aus der Zeit der Vernichtung („Schoah“), der Staatsgründung von Israel und aus der heutigen Zeit mit ein.  (Foto: Simon)

Eintritt: 8 Euro

Kooperationspartner: DIG, VHS, Evangelisches Forum, Gesellschaft für Christlich – Jüdische Zusammenarbeit, Stadtmuseum Hofgeismar.

„Chaim heißt Leben“: Lesung von Julia Drinnenberg

Sonntag, 26. November 2017, 17 Uhr

Chaim heißt Leben

Chaim Segal (1929 – 2016) wurde in der galizischen Stadt Borysław geboren und war einer der 250 Holocaustüberlebenden von den ursprünglich 14.000 Jüdinnen und Juden, die in Borysław zu Hause waren. Im Buch „Chaim heißt Leben“ schildert er seine wohlbehütete Kindheit im Stetl und seinen Kampf als 12-jähriger Junge ums Überleben während der deutschen Besatzung – im Ghetto, in Lagern, versteckt in Bunkern und in den Wäldern rund um Borysław.
Julia Drinnenberg, Leiterin der museumspädagogischen Arbeit in der Judaica-Abteilung des Stadtmuseums Hofgeismar, half Chaim Segal dabei, seine Erinnerungen aufzuzeichnen und somit die letzte Bitte seiner Mutter zu erfüllen, der Welt zu erzählen, was damals geschehen ist. Zwei Jahre lang arbeiteten Chaim Segal und Julia Drinnenberg gemeinsam an dem Buch. Aufgrund der großen Distanz zwischen Hofgeismar und Toronto, wo Segal lebte, wurden ihre Gespräche vor allem am Telefon geführt.
Eintritt frei, Spenden erwünscht

„Jüdische Kultur in Galizien und der Bukowina“: Vortrag von Dr. Eva Schulz-Jander, musikalische Umrahmung durch Stefan Hülsermann (Klarinette)

Sonntag, 5. November 2017, 17 Uhr
Kultur Kollage 2Weder Galizien noch die Bukowina findet man heute auf einer Landkarte. Sie sind Orte der Sehnsucht und waren eine Gegend, in der „Menschen und Bücher lebten“, wie Paul Celan es ausdrückte. Hier wirkten die Wunderrabbis, das Stetl mit Luftmenschen und Geschichten, die für uns voller Wunder sind und mit Staunen gelesen werden. Aber nicht nur der Chassidismus prägte diese Gegend. Es sind die Künstler, Schriftsteller, Maler und Musiker, die diese Gegend zusätzlich zu einem magischen Ort machen.
Stefan Hülsermann spielt  Solo-Werke für Klarinette von Jean-Luc Darbellay, Violeta Dinescu, Carlheinz Heß u.a.
Eintritt frei, Spenden erbetten.

Vortrag: Facetten des Antisemitismus

Facetten des Antisemitismus: Wie bedroht ist jüdisches Leben in Deutschland?

Mittwoch, 8. November 2017, Christian-Albrechts-Universität Kiel
Martin Sehmisch, Soziologe und Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel

Der Nationalsozialismus ist vorbei – aber der Antisemitismus ist nicht von der Bildfläche verschwunden. Der planmäßige und zugleich wahnhaft begründete Massenmord an den europäischen Juden ist Geschichte – aber auch im Jahr 2017 gilt es in manchen Vierteln als gefährlich, mit sichtbaren jüdischen Symbolen auf die Straße zu gehen. Wie bedrohlich ist Antisemitismus heute für Jüdinnen und Juden? Welche Ausdrucksformen nimmt Judenfeindschaft in der Gegenwart an? Mit welchen Ideologien ist Antisemitismus heute verknüpft? Was ist nötig, um den Hass zu stoppen?

Der Soziologe und Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch, nimmt am 8. November 2017 in Kiel eine Bestandsaufnahme vor. Am Ende des Vortrags stehen Thesen zu der Frage, was jetzt zu tun ist.