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Buchlesung mit Andrea v. Treuenfeld „Erben des Holocaust, Leben zwischen Schweigen und Erinnerung“

Am Mittwoch 11. Oktober 2017 um 18.30 Uhr liest
Andrea v. Treuenfeld  aus ihrem im Februar erschienen Buch „Erben des Holocaust, Leben zwischen Schweigen und Erinnerung“. Ausgehend von den individuellen Geschichten geht von Treuenfeld in dem Buch den Fragen nach: Welche Erfahrungen machten die Kinder jener Menschen, die die Schoa überlebten? Andrea von Treuenfeld hat 18 Frauen und Männer gebeten, in jeweils einem Beitrag über ihr »Leben zwischen Schweigen und Erinnerung« zu berichten.

Bericht der Jüdischen Allgemeinen über die Buchpräsentation in Berlin

 

Eine Geschichte von Vernichtung und Überleben

Neue Ausstellung: „Eine Geschichte von Vernichtung und Überleben – der Holocaust im galizischen Erdölrevier“

Die Vernissage findet am Sonntag, 1. Oktober, um 17 Uhr statt. Musikalische Umrahmung:  Lilia Gilmanova (Klavier), Yanhui Liu (Klarinette). Galizien ist eine Kulturlandschaft im Osten Mitteleuropas, die heute zwischen Polen und der Ukraine geteilt ist. Juden bildeten seit dem Mittelalter einen wichtigen Teil der multiethnischen Gesellschaft. Die Orte Drohobycz und Boryslaw waren das Zentrum des galizischen Ölreviers und damit für die deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg kriegswichtig. Die jüdische Bevölkerung wurde in Ghettos zusammengepfercht, zur Zwangsarbeit herangezogen und schließlich vernichtet.

Die Ausstellung zeichnet den Holocaust im galizischen Erdölrevier nach. Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Opfern, den Tätern, den Tatbeteiligten, den Überlebenden und ihren Rettern. Sie folgt dem Schicksal der Familie des Holocaust-Überlebenden Prof. Dr. Józef Lipman. Sie würdigt die Taten und den Mut der Retter, besonders des jungen deutschen Managers Berthold Beitz und seiner Frau Else. Den Flyer mit dem Rahmenprogramm können Sie hier herunterladen.

Performance der documenta 14 relativiert die Shoah

DocmentaDie Weltkunstausstellung documenta 14 lädt vom 24. bis 26. August täglich zu einer Performance unter dem Titel „Auschwitz on the beach“ in das Museum Fridericianum in Kassel ein. Im Ankündigungstext wird die europäische Migrationspolitik mit Vokabeln belegt, die aus dem Kontext des nationalsozialistischen Massenmords an den europäischen Juden stammen. So heißt es, „die Europäer“ errichteten „Konzentrationslager und bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat“ (1). Als beteiligte Urheber werden Franco Berardi, Stefano Berardi und Dim Sampaio genannt. Der Ankündigungstext stammt in weiten Teilen aus einem Text von Franco Berardi, der in einer im Internet nach wie vor verfügbaren Version (2) auch den Staat Israel in die Reihe der als „Gauleiter“ bezeichneten Staaten stellt.

„Die Ankündigung der Performance ist eine politisch-moralische Bankrotterklärung“

„Die documenta 14 lädt damit zu einer Performance ein, die bereits mit ihrer Ankündigung die nationalsozialistische Judenvernichtung relativiert“, sagte der Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch. Der Text der documenta behaupte eine moralische Äquivalenz zwischen den Verbrechen der Nationalsozialisten und der europäischen Migrationspolitik und ignoriere damit sowohl historische Tatsachen als auch den Stand der Forschung zur NS-Ideologie. Den Tod von Geflüchteten mit der systematischen Ermordung fast aller europäischer Jüdinnen und Juden durch die wahnhaft antisemitischen Nationalsozialisten und ihre Helfer gleichzusetzen werde weder der Shoah noch den Ursachen der Fluchtkrise gerecht. „Die Ankündigung der Performance ist eine politisch-moralische Bankrotterklärung der Verantwortlichen und ein Zeichen von Hybris“, sagte Sehmisch. Eine Debatte derart zu entgrenzen sei auch angesichts der Ausbreitung von demokratieskeptischen, antisemitischen, verschwörungstheoretischen und fremdenfeindlichen Bewegungen unverantwortlich.

Siehe auch:

HNA online: „Heftige Kritik an Auschwitz-Aktion“ (17. August 2017)
„Auschwitz auf dem Strand“ ist der Titel einer documenta-Kunstaktion, die für Empörung sorgt. zum Artikel

Hessenschau.de: „Performance ‚Auschwitz am Strand‘ sorgt für Kritik“ (17. August 2017)
Ein Vergleich der europäischen Flüchtlingspolitik mit der systematischen, industriell betriebenen Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden – Martin Sehmisch, Leiter der „Informationsstelle Antisemitismus Kassel“ ist entsetzt: „Die documenta 14 lädt zu einer Performance ein, die bereits mit ihrer Ankündigung die nationalsozialistische Judenvernichtung relativiert.“ zum Artikel

Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Kassel e. V. (23. August 2017)
„(…) In dem offiziellen Ankündigungstext dieser künstlerischen Aktion jedoch wird der Vergleich zum Holocaust gezogen, ist von Konzentrationslagern, die auf europäischem Territorium gebaut werden, und vom Salzwasser des Mittelmeeres, das das Zyklon B ersetzt die Rede. Dieser Vergleich ist nicht nur geschmacklos und verletzend, er stimmt weder historisch noch entspricht er den Tatsachen. Verletzend ist er für die, die das Inferno überlebt haben und für die, die ermordet wurden und deren Nachkommen, die heute noch unter den Folgen leiden. Was die Fakten betrifft, der Holocaust war ein industriell geplanter Völkermord an einer bestimmten Bevölkerung ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Überzeugung wegen. Er war eine geplante Vernichtungsaktion. (…)“

Zum Nachhören: Finissage „Kein Sommermärchen“

Nach den israelfeindlichen und antisemitischen Demonstrationen im Sommer 2014 klärte im Sara Nussbaum Zentrum die Ausstellung »Kein Sommermärchen« über aktuellen Antisemitismus auf. Auch die Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA) erstellte eine Ausstellung, »Exodus – Europa ohne Juden?«. Am 14. Mai wurde »Kein Sommermärchen – Israelbezogener Antisemitismus im Sommer 2014« nach zwei Jahren dauerhaft geschlossen. Dazu gab es ein Werkstattgespräch mit Valeriya Golodyayevska (EJKA), Ilana Katz (Jüdische Gemeinde Kassel) und Elena Padva (Sara Nussbaum Zentrum) unter der Moderation von Martin Sehmisch (Informationsstelle Antisemitismus Kassel).

Aufnahme der Veranstaltung zum Nachhören

Unser Programm April bis Juni 2017

Programmvorschau
Das Sara Nussbaum Zentrum und die Informationsstelle Antisemitismus Kassel haben ein gemeinsames Programmheft für das 2. Quartal (April bis Juni 2017) herausgebracht. Sie können die Veranstaltungsübersicht hier als PDF-Datei herunterladen. Alternativ klicken Sie bitte auf das Vorschaubild links.

Wegen antisemitischer Hetze verurteilt

Wegen eines Facebook-Postings muss der Organisator der Kasseler Pegida-Gruppe „Kagida“ 4.500 Euro Strafe zahlen. Das hat das Amtsgericht Kassel laut verschiedener Medienberichte heute entschieden. Der Angeklagte hatte den Begriff „Judenpack“ verwendet und geschrieben: „Wer stoppt Juden bei ihrem Massenmord, wir Deutschen werden die Juden wieder hassen.“ Laut Bericht von hessenschau.de hatte die Anklage festgestellt, der auf den Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern bezogene Kommentar des Rechtsextremisten bediene das auch von den Nationalsozialisten verwendete Klischee von „kindermordenden Juden“. Der Angeklagte wurde wegen Volksverhetzung verurteilt.

Informationsstelle Antisemitismus: Urteil ermutigt Betroffene und Zeugen

„Die Verurteilung zeigt, dass israelbezogener Antisemitismus sehr wohl strafbar sein kann“, sagt der Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch. Das Urteil sei eine Ermutigung für Betroffene und Zeugen, sich in vergleichbaren Fällen auch mit Strafanzeigen gegen Online-Hetze zu wehren. Gleichwohl kämen zu wenig Fälle tatsächlich zur Anklage. Die Informationsstelle Antisemitismus Kassel nimmt Hinweise auf antisemitische Vorfälle entgegen und unterstützt Betroffene und Zeugen. Zum Meldeformular

„Mit dem Herzen sehen“ jetzt im Augustinum

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Anja Eckhard (Kulturreferentin Augustinum), Elena Padva (Leiterin Sara Nussbaum Zentrum) und Victor Zvarun (Fotograf) zeigen eine der zahlreichen Fotoleinwände, die seit heute im Augustinum zu sehen sind. (Foto: Martin Sehmisch Fotografie)

Seit Mitte Juni ist unsere Foto-Ausstellung „Mit dem Herzen sehen – Menschen in der Pflege“ für einige Wochen in der Seniorenresidenz Augustinum (Im Druseltal 12, Kassel) zu sehen. Sie zeigt fotografische Porträts von Menschen, die zu Hause gepflegt werden. Entstanden sind die Bilder im Rahmen der sogenannten „Biographiearbeit“ des Pflegedienstes PSH in Kassel. Dabei wurden die Pflege-Klienten nach ihren Lebensgeschichten und ihren Selbstbildern gefragt. Die Porträtierten wurden so fotografiert, wie sie es selbst wünschten.

Zu der Ausstellung ist das Buch „Mit dem Herzen sehen – Menschen in der Pflege“ erhältlich. Es kann im Augustinum und während der Öffnungszeiten im Sara Nussbaum Zentrum erworben sowie beim Euroregio Verlag online bestellt werden (80 Seiten, ISBN/EAN 9783933617613, Format 230 x 215 mm, Sprache: Deutsch, Russisch, 12,90 Euro).

www.augustinum.de

Aufzeichnung: Eva Schulz-Jander im Gespräch

Unsere Veranstaltung „Eva Schulz-Jander im Gespräch mit Thomas Ewald“ vom 21. Januar 2016 können Sie jetzt nachhören.

Dr. Eva-Maria Schulz-Jander, amerikanische Staatsbürgerin, war viele Jahre Geschäftsführerin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Kassel. Auf Bundesebene ist sie die katholische Vorsitzende des Koordinierungsrates. Frau Schulz-Jander ist eine feste Größe im Kasseler Kulturgeschehen. Als Vortragende, Autorin, Moderatorin und Initiatorin vieler Veranstaltungen und als vhs-Dozentin ist sie in der Stadtöffentlichkeit präsent. Oberbürgermeister Bertram Hilgen hat sie im Jahr 2005 mit der Goldenen Ehrennadel und 2014 mit dem Wappenring der Stadt Kassel ausgezeichnet.

Während der sehr gut besuchten Veranstaltung hat Thomas Ewald sie nicht nur über ihr Leben und Wirken in Kassel befragen, sondern auch über ihre Herkunft aus Breslau als Tochter einer Katholikin und eines deutschen Juden. Das Überleben im Nationalsozialismus, die Emigration 1950 und der Neuanfang in Houston, Texas, sind zur Sprache kommen.

Audio: Eva Schulz-Jander im Gespräch mit Thomas Ewald

Sprachkurs „Hebräisch für Anfänger“ startet am 2. Februar

1601KursAm Dienstag, 2. Februar, startet der Sprachkurs „Hebräisch für Anfänger“. Auf dem Plan stehen: Erlernen der Schreib- und Druckschrift einschließlich der Vokalzeichen, leichte Schreib- und Leseübungen, Hören und Sprechen kurzer Sätze im Dialog sowie leichte Hörverständnisübungen. Die Einheiten beginnen dienstags um 18 Uhr und dauern rund 90 Minuten. Gebühr: 25 Euro/Monat.

„Informationsstelle Antisemitismus Kassel“ nimmt Arbeit auf

Das Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben dokumentiert ab sofort antisemitische Übergriffe, Straftaten und Vorfälle im Raum Kassel. „Wir haben uns dafür entschieden, nachdem es im Herbst 2015 innerhalb eines Monats zwei eindeutig antisemitische Übergriffe in Kassel gegeben hat“, sagte die Gründerin des Sara informationsstelleFBNussbaum Zentrums, Ilana Katz. „Nach unserer Erfahrung werden diese Angriffe auf Juden und Unterstützer Israels häufig nicht bei der Polizei angezeigt“, sagte Katz, die auch Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel ist. „Umso wichtiger ist es, dass wir als jüdische Einrichtung und Teil der Zivilgesellschaft diese Informationen zusammentragen und öffentlich zugänglich machen.“ Die neue Anlaufstelle wird unter dem Namen Informationsstelle Antisemitismus Kassel arbeiten. Die Jüdische Gemeinde Kassel und die Liberale Jüdische Gemeinde Nordhessen sind als Kooperationspartner an dem Projekt beteiligt. Die Informationsstelle wird zudem durch den DGB Nordhessen und den Pflegedienstleister PSH unterstützt. Sie ist durch eine Kooperationsvereinbarung mit der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) bundesweit vernetzt. Die Leitung der Informationsstelle übernimmt der Soziologe und Journalist Martin Sehmisch (37).

Problem wird beschrieben, „die Lösung muss von vielen kommen“

Man beteilige sich mit der Schaffung der Informationsstelle in Kassel an der Beschreibung der Problemlage, sagte Sehmisch. „Die Lösung kann nur von vielen gesellschaftlichen Akteuren gemeinsam geleistet werden“, sagte er. Hier seien neben Polizei und Justiz auch zivilgesellschaftliche Akteure, Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber, Gewerkschaften und jeder einzelne Mensch gefordert. „Gemeinsam sollten wir daran arbeiten, den Antisemiten die roten Karte zu zeigen und die freie Gesellschaft zu verteidigen“, sagte er.

Übergriffe gelangen bislang nur selten an die Öffentlichkeit

Bei der Veröffentlichung unterscheidet die Informationsstelle Antisemitismus zwischen Meldungen, die direkt von Betroffenen eingereicht wurden, und solchen, die aus öffentlich verfügbaren Quellen stammen. Ob ein Vorfall als antisemitisch einzustufen ist werde man anhand nachvollziehbarer und wissenschaftlich fundierter Kriterien entscheiden. Klar sei, dass die Chronik nie vollständig sein werde. „Bisher gelangen die Übergriffe nach unserem Eindruck aber nur sehr selten an die allgemeine Öffentlichkeit – das wollen wir ändern“, sagte Sehmisch.

Betroffene können in mehreren Sprachen Kontakt aufnehmen

Betroffene und Zeugen könnten sich per E-Mail (informationsstelle@sara-nussbaum-zentrum.de) in mehreren Sprachen an das Zentrum wenden und ihre Erlebnisse schildern. Nach Vereinbarung sind auch persönliche Gespräche möglich. Derzeit wird die Bearbeitung deutscher, englischer und russischer Einsendungen gewährleistet. Als goldene Regel gilt dabei für die Informationsstelle Antisemitismus: „Wir veröffentlichen Information nur, wenn die Übermittler sie freigeben.“ Eine weitergehende Beratung von Betroffenen kann derzeit noch nicht geleistet werden. So kann etwa keine psychologische und keine Rechtsberatung angeboten werden. „Diese für die Betroffenen sicherlich wichtigen Aspekte können wir im Moment leider nicht abdecken“, sagte Martin Sehmisch. Die dafür notwendigen Strukturen fehlten ebenso wie die Finanzierung. „Die von uns vorgesehene Erfassung von Vorfällen ist dabei durchaus auch als Bedarfserhebung für den Aufbau solcher Strukturen in unserer Region zu sehen“, sagte er. Trotz dieser Einschränkung werde aber auch die reine Erhebung und Veröffentlichung der Fälle den Betroffenen den Rücken stärken. „Das ist ein wichtiger erster Schritt“, sagte Sehmisch.

Betroffen sind auch Nichtjuden und Unterstützer Israels

Der Leiter der Informationsstelle betonte, dass Opfer von antisemitischen Übergriffen nicht zwangsläufig Juden seien. „Es genügt häufig, in irgendeiner Weise positiv auf Israel Bezug zu nehmen“, sagte er. Zudem würden die Adressaten der Übergriffe teilweise auch irrtümlich für Juden gehalten. Hinweise für Betroffene, etwa zu benötigten Angaben, gibt es in den oben genannten Sprachen auf dieser Internetseite. Auf Facebook ist die Informationsstelle ebenfalls vertreten: facebook.com/informationsstelleantisemitismus