Europawahlkampf: Plakat gegen Antisemitismus vorgestellt

Das Sara Nussbaum Zentrum hat am Dienstag in Kassel ein Plakat gegen Antisemitismus vorgestellt, das in der heißen Phase des Europawahlkampfs zum Einsatz kommen soll. Auf ihm zu sehen sind der Slogan „Gegen jeden Antisemitismus“ und das hebräische Schriftzeichen „Chai“ für „Leben“. Die Betrachter werden zudem aufgefordert, aktiv zu werden für eine freie, pluralistische Gesellschaft und einen QR-Code einzulesen, der zu einer Internetpräsenz mit weiteren Informationen führt. Die Startauflage beträgt 650 Stück.

Reaktion auf rechtsextremen Slogan „Israel ist unser Unglück“

Das Plakat wird vom Sara Nussbaum Zentrum in den kommenden Tagen kostenlos an Bürgerinnen und Bürger ausgegeben, die das rechtsextreme Wahlplakat mit der Aufschrift „Israel ist unser Unglück“ auf demokratische und legale Weise kontern wollen. „Dieser Slogan einer rechtsextremen Kleinpartei erinnert deutlich an eine bekannte NS-Parole“, sagte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel, Ilana Katz, am Dienstag in Kassel. „Als wir das erste Exemplar dieses Plakats in Nordhessen gesehen haben, war für uns klar, dass wir das nicht einfach hinnehmen werden“, sagte Katz.

„Es braucht eine sichtbare Reaktion der Demokraten“

Die jüdische Community sei erschrocken über den offenen Antisemitismus, der aus dem Slogan spreche, sagte Katz. „Es ist jetzt wirklich an der Zeit, dass Demokratinnen und Demokraten nicht nur innerlich empört sind, sondern wahrnehmbar ihren Widerstand zeigen“, sagte sie. Wo immer die unsägliche antisemitische Parole auftauche, brauche es eine sichtbare Reaktion. Die Wahlplakate der rechtsextremen Partei kämen in einer Zeit, in der die jüdische Gemeinschaft ohnehin mit wachsendem Antisemitismus zu kämpfen habe, sagte die Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, Elena Padva. „Wir spüren das im Alltag immer deutlicher“, sagte sie. „Jüdinnen und Juden werden immer zurückhaltender beim Zeigen ihrer Identität und die Angst nimmt zu vor feindseligen Sprüchen und auch vor Übergriffen“, sagte sie. „Jedes Plakat mit dem Chai-Zeichen in unseren Straßen ist da eine Unterstützung.“

Bei der Erstellung des Plakats wurde das Sara Nussbaum Zentrum innerhalb kürzester Zeit von sechs Partnern unterstützt. Angeschlossen haben sich die Jüdische Gemeinde Kassel, die Liberale Jüdische Gemeinde Region Kassel, die Amadeu Antonio Stiftung, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Kassel, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Kassel und das Mobile Beratungsteam Hessen (MBT). Das Plakat kann nach vorheriger Absprache kostenlos im Sara Nussbaum Zentrum abgeholt werden. Es wird zudem gegen Übernahme der Versandkosten auch verschickt.

Interessierte könnten sich per E-Mail (assistenz@sara-nussbaum-zentrum.de) oder Telefon (0561 93728281) an das Team des Sara Nussbaum Zentrums wenden. (alle Versandinfos)

www.sara-nussbaum-zentrum.de/plakat

Unser Foto zeigt v.l.n.r.: Markus Hartmann (DIG), Elena Padva (Sara Nussbaum Zentrum), Ilana Katz (Sara Nussbaum Zentrum, Jüdische Gemeinde Kassel), Stefan Wunsch (MBT Hessen). Foto: Martin Sehmisch