Förderung abgelehnt: ISAK muss Arbeit einstellen

Betroffene von antisemitischen Vorfällen vor Ort unterstützen – das ist das wichtigste Ziel der beim Sara Nussbaum Zentrum angesiedelten Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK). Nun muss ISAK die Arbeit zum Jahresende einstellen und nimmt ab sofort keine Meldungen und neuen Unterstützungsfälle mehr entgegen. Grund dafür ist die Ablehnung einer Förderung für das Jahr 2020 durch das Land Hessen, die dem Sara Nussbaum Zentrum in der zweiten Novemberhälfte mitgeteilt wurde. Das Zentrum hatte sich für den Bereich Nord- und Osthessen beworben.

Die Ablehnung erfolgte,

  • obwohl das Land Hesseneine Meldestelle ausgeschrieben hatte,
  • obwohl ISAK seit rund vier Jahren arbeitet und sich bereits Vertrauen in der Community erarbeitet hat
  • und obwohl eine im Jahr 2017 durchgeführte, bislang unveröffentlichte qualitative Befragung jüdischer Menschen aus Hessen die Einrichtung einer Meldestelle in Hessen empfiehlt.

Die community-nahe Anlaufstelle ISAK unterstützt Betroffene seit Januar 2016 als Angebot des Sara Nussbaum Zentrums für den Bereich Nordhessen. Die Jüdischen Gemeinden waren in die Arbeit eingebunden.

Die Arbeit der Meldestelle war in den ersten drei Jahren teilfinanziert durch Spenden und erfolgte 2019 ehrenamtlich. Die anfallenden Arbeiten können auf dieser Basis nach Einschätzung der Projektbeteiligten aber nicht zuverlässig erledigt werden. So ist insbesondere die konkrete Unterstützungstätigkeit für Betroffene zeitintensiv und muss zudem häufig während üblicher Arbeits- und Öffnungszeiten erfolgen.

„Wir sind stolz darauf, mit ISAK Menschen konkret geholfen zu haben und es ist wirklich sehr schade, dass wir künftig von Antisemitismus betroffenen Menschen nicht mehr im Rahmen dieses Projekts zur Seite stehen können“, sagte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz. Die Entscheidung sei allen Beteiligten sehr schwer gefallen. „Wir wissen, dass Jüdinnen und Juden in Kassel und Nordhessen die Arbeit von ISAK sehr schätzen – und wir bedanken uns für das langjährige Vertrauen“, sagte Katz.

ISAK nimmt aufgrund der Entscheidung des Landes Hessen ab sofort keine neuen Fälle und Meldungen mehr an. In der Zeit bis zum Jahresende werden bisher gemeldete Vorfälle und laufende Unterstützungen von Betroffenen noch geleistet. Da eine Korrektur der Entscheidung nicht zu erwarten ist, wird die Tätigkeit zum 31. Dezember 2019 vollständig entfallen.

Statements zur Ablehnung der Förderung

„Seit vier Jahren gehört ISAK als Meldestelle für antisemitische Vorfälle und Unterstützungsangebot für Betroffene zum Portfolio des Sara Nussbaum Zentrums und war ein fester Bestandteil unserer aufeinander abgestimmten Angebote. Mit der Schließung der Meldestelle verliert das Zentrum nicht nur eines seiner Standbeine, sondern ist im Kern seiner Tätigkeit, nämlich dem Widerspiegeln des moderne jüdischen Lebens in Kassel und Nordhessen, gefährdet.“
Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums

„Wir stehen in der Verantwortung für die Betroffenen, die sich bei uns melden, und können kein Angebot aufrechterhalten, wenn es nicht mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet ist. Es ist bedauerlich und angesichts der Dringlichkeit des Themas verstörend, dass das Land Hessen so entschieden hat. Es schmerzt uns, dass wir die konkrete Tätigkeit für Betroffene von antisemitischen Vorfällen nun einstellen müssen – wenige Wochen nach dem Terroranschlag in Halle und im Angesicht der Tatsache, dass der mutmaßliche Mörder von Regierungspräsident Walter Lübcke laut LKA auch Daten über die Jüdische Gemeinde gesammelt hat.“
Martin Sehmisch, ISAK-Leiter von Januar 2016 bis Dezember 2019