Wir haben Fragen: Veranstaltungsreihe zu Antisemitismus

Freiheit und Demokratie sind derzeit einem erheblichen Belastungstest ausgesetzt. Mit einer Veranstaltungsreihe beleuchtet das Sara Nussbaum Zentrum deshalb nun Fragen zur politischen und gesellschaftlichen Situation. „Wir möchten einige der Fragen, die sich angesichts der aktuellen Entwicklungen stellen, informativ und multiperspektivisch behandeln“, so Projektleiter Martin Sehmisch. Die Veranstaltungsreihe soll Menschen einbeziehen, ihre Fragen hörbar machen und sie mit Expert*innen ins Gespräch bringen.

Eine Broschüre zur Reihe finden Sie hier.



Mittwoch, 20. November 2019, 18 bis 20 Uhr
Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus heute
Freies Radio Kassel

Aufzeichnung hier als Audio anhörbar

Gepackte Koffer – dieses Sprachbild wird häufig verwendet, wenn über die Gefühlslage jüdischer Menschen gesprochen wird. Flucht und Migration als Antwort auf zunehmenden Antisemitismus sind keine neue Erfahrung für Jüdinnen und Juden. Das kollektive Angstgedächtnis kennt diese Option nur zu genau.

Welche Gedanken und Gefühle haben jüdische Menschen nach dem Anschlag von Halle/Saale und dem versuchten Messerangriff von Berlin? Welche Wünsche und Forderungen bestehen an gesellschaftliche Akteur*innen, aber auch Nachbar*innen und Mitmenschen? Welche Chancen bestehen für eine echte Verständigung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen?

Diese und andere Fragen diskutieren die Gesprächsteilnehmerinnen im Rahmen einer einstündigen Live-Sendung vor Publikum. Anschließend gibt es ein Gespräch zwischen Publikum und Experten, bei dem Fragen gestellt werden können und Kommunikation möglich ist.

Gesprächsteilnehmerinnen:
Barbara Zuntz Bahr
Ilana Katz
Elena Padva Katz

Moderation:
Martin Sehmisch (Sara Nussbaum Zentrum)




Mittwoch, 27. November 2019, 18 bis 20 Uhr
Antisemitismus und das Vertrauen in die Polizei

Aufzeichnung hier als Audio anhörbar

Synagogen und jüdische Einrichtungen werden vielerorts von der Polizei besonders geschützt. Der Anschlag auf die Teilnehmer*innen des Jom Kippur-G“ttesdienstes in Halle/Saale hat schmerzhaft vor Augen geführt, wie notwendig dieser Schutz ist, der in Halle fehlte. Jüdische Menschen werden aber nicht nur kollektiv an den Orten ihrer Versammlung attackiert, bedrängt und bedroht. Sie werden auch als Individuen adressiert, zum Teil unterhalb der Strafbarkeitsgrenze. Seit einigen Jahren erheben Meldestellen wie RIAS und ISAK antisemitische Vorfälle, um Ansprechpartner für Betroffene zu sein und das Problembewusstsein zu erhöhen. Zugleich sehen immer mehr Menschen angesichts rechtsextremer Vorfälle innerhalb der Polizei das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden in Frage gestellt.

Wie nehmen jüdische Menschen Polizeiarbeit wahr? Welche Vorgehensweise der Polizei wäre bei antisemitischen Vorfällen wünschenswert? Wie gefährlich sind rechtsextrem eingestellte Polizeibeamte? Was kann man zur Stärkung der demokratischen Orientierung der Polizei tun? Diese und andere Fragen diskutieren die Experten im Rahmen einer einstündigen Live-Sendung vor Publikum. Anschließend gibt es ein Gespräch zwischen Publikum und Experten.

Experten:
Prof. Rafael Behr, Akademie der Polizei Hamburg
Frank Schweitzer, Hessisches Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE)
Benjamin Steinitz, RIAS Berlin – Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin

Moderation:
Martin Sehmisch, Sara Nussbaum Zentrum




Neues Projekt: „Wir haben Fragen“

Die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz, und Projektleiter Martin Sehmisch. (Fotos: fw/js)

Der Mord an Dr. Walter Lübcke, die Wahlerfolge der AfD, rechtsextreme Vorfälle bei der Polizei, sich ausbreitende Unsicherheit und Abstiegsangst – Freiheit und Demokratie sind derzeit einem erheblichen Stresstest ausgesetzt. Das Sara Nussbaum Zentrum hat mit Unterstützung des Landes Hessen die Möglichkeit, eine Ad hoc-Veranstaltungsreihe mit ca. 3-4 Veranstaltungen zu diesem Themenbereich durchzuführen.

Wir möchten einige der Fragen, die sich angesichts der oben nur angerissenen Entwicklungen stellen, möglichst fundiert stellen sowie informativ und multiperspektivisch behandeln, etwa:

  • Welche (lokalen) Bündnisse und Allianzen können wir gegen Rechtsextremismus und -terrorismus eingehen?
  • Können wir der Polizei noch vertrauen? Wie funktioniert Polizeiarbeit gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus?
  • Welche Handlungsoptionen haben Staat und Zivilgesellschaft jetzt, um Freiheit und Demokratie zu stärken?

Die Veranstaltungsreihe soll beteiligungsorientiert ablaufen, also Menschen einbeziehen, ihre Fragen hörbar machen und sie mit Expert*innen und Vertreter*innen staatlicher Einrichtungen ins Gespräch bringen.

Bei einem Auftakt mit Akteuer*innen der Zivilgesellschaft haben wir Anfang Oktober erste Fragen gesammelt (siehe Fotos). Jetzt geht es an die Organisation der Veranstaltungen, die im November stattfinden sollen.

Haben Sie ebenfalls Fragen? Möchten Sie mitwirken? Rufen Sie uns an (Telefon 0561-93728281) oder schreiben Sie uns eine E-Mail (info@sara-nussbaum-zentrum.de)!