Nach dem Anschlag in Halle: Was nun?

Jüdische Stimmen zu der Frage, was jetzt wichtig ist

Mirna Funk (zum Artikel): „Beschäftigt euch mit jenen, um die ihr so sehr trauert. Folgt jüdischen Medien und Accounts. Lest jüdische Literatur. Erarbeitet euch Wissen zur jüdischen Kultur und Geschichte. Hinterfragt, ob ihr antisemitische Vorurteile in euch tragt. Warum? Damit ihr beim nächsten Essen oder Meeting antisemitische Ressentiments dechiffrieren und ansprechen könnt. Damit ihr aktiv in den Kindergärten und Schulen eurer Kinder die Erarbeitung von Wissen und Empathie einfordert. Werdet zu starken BürgerInnen, anstatt die Verantwortung auf die Politik abzuwälzen. Wir brauchen keine Beileidsbekundungen, Trauer oder Bestürzung. Wir brauchen echtes Interesse, das zum Auflösen von Vorurteilen beiträgt, und Zivilcourage in jeder Lebenslage.“ zum Artikel

Richard C. Schneider (zum Artikel): „Das große Problem in Deutschland ist, dass ‚Auschwitz‘ zur Messlatte für Judenhass gemacht wurde. Alles, was ‚weniger schlimm‘ als Auschwitz ist, konnte jahrzehntelang sozusagen unten durchspazieren. Das ‚Wehret den Anfängen‘, das ‚Nie wieder!‘ ist längst zur Phrase geworden bei all den Gedenkveranstaltungen, die nur noch starres Staatsritual sind und nichts, aber auch gar nichts mit der gesellschaftlichen Realität zu tun haben. Die Gemeinplätze, die in solchen Reden von Politikern jeder Couleur abgelassen werden, stammen alle aus demselben Sprachbausteinkasten. Leeres Geschwätz. Denn es sind längst keine ‚Alarmzeichen‘ mehr, wie die Vorsitzende der CDU selbst noch nach dem Attentat von Halle meinte. Wir sind bereits ‚mittendrin‘.“ zum Artikel

Leo Schapiro (zum Artikel): „Um es klar zu sagen: ich kann diese leeren Floskeln nicht mehr hören! Deutschland 2019, das ist nicht nur der entsetzliche Angriff eines Neonazis auf eine Synagoge in Halle […] Dieses Land muss den Worten endlich Taten folgen lassen! Jeder Bürger dieses Landes hat daher die Pflicht, in der Familie, im Beruf oder im Sportsverein seine Stimme gegen antisemitische Äußerungen zu erheben. Wer schweigt, macht sich mitschuldig, dass alltäglicher Fremdenhass das Klima in der Gesellschaft vergiftet.“ zum Artikel