Tagesseminar „Wer ist „wir“? Gesellschaftliche Heterogenität und Homogenitätsvorstellungen in Geschichte und Gegenwart“

Dienstag, 6. Februar 2018, 10 bis 17 Uhr
Ort: Sara Nussbaum Zentrum Kassel, Ludwig-Mond-Straße 127
Anmeldung & Rückfragen: manuel.glittenberg@degede.de
Die Teilnahme ist kostenlos.

Der Workshop ist als ganztätige Fortbildung konzipiert und kombiniert Elemente der historischen Bildung mit demokratiepädagogischen und menschenrechtsbasierten Methoden. Er richtet sich an Menschen, die haupt- oder ehrenamtlich mit Geflüchteten zu tun haben (z.B. Sozialarbeiter_innen, Verwaltungsangestellte, Unterstützer_innen in Flüchtlingsinitiativen, Pädagog_innen, Lehrer_innen).
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus befanden sich Millionen von Displaced Persons auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches: Überlebende der Konzentrationslager, nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter sowie jüdische Menschen, die dem Holocaust entkommen waren. Ein großer Teil von ihnen kehrte später in die jeweiligen Herkunftsländer zurück. Diejenigen, für die eine Rückkehr wegen der politischen Situation in Osteuropa oder der Angst vor antisemitischen Übergriffen nicht in Frage kam, emigrierten in ein Drittland. Einige verblieben als sogenannte „Heimatlose Ausländer“ in der Bundesrepublik. Die Geschichte der Displaced Persons verweist nicht nur auf den von den Deutschen verübten Völkermord, sondern auch auf die Heterogenität der deutschen Gesellschaft und den Umgang der Alliierten mit „Displacement“ nach 1945.
Die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte kann dazu beitragen, unser Bild von der deutschen Gesellschaft und ihrer (fort)bestehenden heterogenen Verfasstheit zu schärfen und Homogenitätsvorstellungen in Geschichte und Gegenwart kritisch zu betrachten. Für die Auseinandersetzung mit den gegenwärtig geführten Diskussionen zum Thema Flucht und Menschenrechte können so wichtige Impulse gegeben und Erkenntnisse im Hinblick auf die Wahrung der Würde des Menschen und des Rechts auf Selbstbestimmung deutlich gemacht werden.
Mit Hilfe interaktiver Methoden wird den Teilnehmenden im Workshop neben historischen Einblicken Handlungssicherheit im Umgang mit Heterogenität sowie eine Stärkung in der Auseinandersetzung mit Rassismus und Anfeindungen vermittelt. Die Teilnehmenden werden dabei ermutigt, eigene Vorstellungen zum Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft zu entwickeln und einzubringen.
Ein gemeinsames Workshop-Angebot des International Tracing Service (ITS) und des DeGeDe-Projekts „Zusammenleben neu gestalten“. Zum Flyer