Vermehrt rechtsextremer Vandalismus im Stadtgebiet

Einer der beschädigten Bäume im Aschrottpark

Die Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK) hat in den vergangenen Wochen vermehrt Fälle von rechtsextremem Vandalismus verzeichnet. „Allein im Aschrottpark stehen derzeit mindestens vier Bäume, die mit Hakenkreuzen und anderen rechtsextremen Symbolen besprüht wurden“, sagte ISAK-Leiter Martin Sehmisch am Donnerstag in Kassel. Die Symbole seien mittlerweile durch aufgetragene Farbflächen unkenntlich gemacht worden. Auch neben dem Rathaus sei vor wenigen Tagen ein gut sichtbares Hakenkreuz gesehen worden. Zudem hätten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde die verbotenen Symbole auch in Gebäuden entdeckt.

Anfang September hatte ISAK gemeldet, dass die Schriftzüge „NSDAP Deutschland“ und „SA“ von Unbekannten an das Geländer einer Aussichtsplattform am Rand des Aueparks angebracht wurden. Ende März waren Hitler-Bilder aufgetaucht, Anfang April große SS-Runen. Weitere Fälle waren von der Polizei vermeldet worden. Hinzu kämen immer wieder Aufkleber mit rechtsextremen Inhalten, die in unregelmäßigen Abständen dutzendfach im Stadtgebiet auftauchten. Zudem habe im Frühjahr ein Zeuge ISAK von nächtlichen „Sieg Heil“-Rufen in der Königsstraße berichtet.

Appell: Rechtsextremen Vandalismus melden

„Wir appellieren an Zeuginnen und Zeugen, derartige Straftaten der Polizei und uns als zivilgesellschaftlicher Meldestelle mitzuteilen“, sagte ISAK-Leiter Martin Sehmisch. Anschließend könne man sich auch an die Stadt Kassel wenden und um eine Entfernung der verbotenen Symbole bitten. Die Meldung eines antisemitischen Vorfalls bei der Informationsstelle Antisemitismus ersetzt zwar keine Strafanzeige, betonte Sehmisch. „Wir geben aber bei Bedarf gerne eine erste Einschätzung, ob ein Vorgang strafbar sein könnte und unterstützen Betroffene und Zeug*innen in ihrem Vorgehen.“

Ilana Katz: Propaganda-Delikte ernst nehmen

„Für die Betroffenen ist es wichtig, dass diese Straftaten ernst genommen werden“, betonte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz. „Die Delikte sind sichtbare Zeichen dafür, dass es leider auch heute Menschen gibt, die sich aktiv nationalsozialistisch betätigen“, sagte sie. „Für die jüdische Community sind diese sichtbaren Zeichen sehr unangenehm – aber wir lassen uns davon nicht einschüchtern und vertreiben“, sagte Katz. Gerade vor dem Hintergrund des mutmaßlich von Neonazis verübten Mordes an Walter Lübcke sei es aber wichtig, dass die Aufmerksamkeit gegenüber sichtbarem Rechtsextremismus von vielen Menschen im Alltag gelebt werde. „Wir sind alle Teil dieser Stadt und Teil dieser Gesellschaft und es sollte uns interessieren, welches Gesicht diese Stadt und diese Gesellschaft in der Öffentlichkeit zeigt“, sagte Katz.

Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK)
Die Informationsstelle Antisemitismus Kassel nimmt seit Januar 2016 Schilderungen von antisemitischen Vorfällen entgegen, veröffentlicht verifizierte und freigegebene Vorfallsmeldungen, bietet Betroffenen eine Erst- und Verweisberatung an und leistet eine advokatorische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist die zweite Meldestelle für antisemitische Vorfälle, die in Deutschland eingerichtet wurde und ist beim Sara Nussbaum Zentrum angesiedelt. Kooperationspartner sind die Jüdische Gemeinde Kassel und die Jüdische Liberale Gemeinde Region Kassel.

isak@sara-nussbaum-zentrum.de, Telefon 0561-93728281