Informationsstelle Antisemitismus Kassel

Die Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK) war bis Ende 2019 eine Einrichtung zur Dokumentation antisemitischer Übergriffe, Straftaten und Vorfälle im Raum Kassel. Nach unserer Erfahrung werden diese Angriffe auf Juden und Unterstützer Israels häufig nicht bei der Polizei angezeigt – umso wichtiger war es, dass wir als jüdische Einrichtung und Teil der Zivilgesellschaft diese Informationen zusammentragen und öffentlich zugänglich machten.

Die Jüdische Gemeinde Kassel und die Liberale Jüdische Gemeinde Nordhessen waren als Kooperationspartner an dem Projekt beteiligt. Die Amadeu Antonio Stiftung förderte die Arbeit der Informationsstelle von 2016 bis 2018. 2019 erfolgte die Tätigkeit ehrenamtlich. Seit März 2017 war die Informationsstelle Antisemitismus Kassel zudem Mitglied im Beratungsnetzwerk Hessen. Es bestand zwischenzeitlich eine Kooperationsvereinbarung mit der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Berlin (RIAS).

Das Sara Nussbaum Zentrum beteiligte sich mit der Schaffung der Informationsstelle in Kassel an der Beschreibung der Problemlage – die Lösung kann nur von vielen gesellschaftlichen Akteuren gemeinsam geleistet werden. Hier sind neben Polizei und Justiz auch zivilgesellschaftliche Akteure, Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber, Gewerkschaften und jeder einzelne Mensch gefordert.

Bei der Veröffentlichung unterschied die Informationsstelle Antisemitismus zwischen Meldungen, die direkt von Betroffenen eingereicht wurden, und solchen, die aus öffentlich verfügbaren Quellen stammen. Ob ein Vorfall als antisemitisch einzustufen war, wurde anhand nachvollziehbarer und wissenschaftlich fundierter Kriterien entschieden.

Klar war, dass die Chronik nie vollständig sein konnte. Zuvor gelangten die Übergriffe aber nur sehr selten an die allgemeine Öffentlichkeit – das wollte die Informationsstelle ändern.

Betroffene und Zeugen konnten sich per E-Mail in mehreren Sprachen an das Zentrum wenden und ihre Erlebnisse schildern. Es wurde die Bearbeitung deutscher, englischer und russischer Einsendungen gewährleistet. Als goldene Regel galt dabei für die Informationsstelle Antisemitismus: Sie veröffentlichte Information nur, wenn die Übermittler sie freigaben.