„Chaim heißt Leben“: Lesung und Buchpräsentation von Julia Drinnenberg

Sonntag, 26. November 2017, 17 Uhr

Chaim heißt Leben

Chaim Segal (1929 – 2016) wurde in der galizischen Stadt Borysław geboren und war einer der 250 Holocaustüberlebenden von den ursprünglich 14.000 Jüdinnen und Juden, die in Borysław zu Hause waren. Im Buch „Chaim heißt Leben“ schildert er seine wohlbehütete Kindheit im Stetl und seinen Kampf als 12-jähriger Junge ums Überleben während der deutschen Besatzung – im Ghetto, in Lagern, versteckt in Bunkern und in den Wäldern rund um Borysław.
Julia Drinnenberg, Leiterin der museumspädagogischen Arbeit in der Judaica-Abteilung des Stadtmuseums Hofgeismar, half Chaim Segal dabei, seine Erinnerungen aufzuzeichnen und somit die letzte Bitte seiner Mutter zu erfüllen, der Welt zu erzählen, was damals geschehen ist. Zwei Jahre lang arbeiteten Chaim Segal und Julia Drinnenberg gemeinsam an dem Buch. Aufgrund der großen Distanz zwischen Hofgeismar und Toronto, wo Segal lebte, wurden ihre Gespräche vor allem am Telefon geführt.
Eintritt frei, Spenden erwünscht

„Jüdische Kultur in Galizien und der Bukowina“: Vortrag von Dr. Eva Schulz-Jander, musikalische Umrahmung durch Stefan Hülsermann (Klarinette)

Sonntag, 5. November 2017, 17 Uhr
Kultur Kollage 2Weder Galizien noch die Bukowina findet man heute auf einer Landkarte. Sie sind Orte der Sehnsucht und waren eine Gegend, in der „Menschen und Bücher lebten“, wie Paul Celan es ausdrückte. Hier wirkten die Wunderrabbis, das Stetl mit Luftmenschen und Geschichten, die für uns voller Wunder sind und mit Staunen gelesen werden. Aber nicht nur der Chassidismus prägte diese Gegend. Es sind die Künstler, Schriftsteller, Maler und Musiker, die diese Gegend zusätzlich zu einem magischen Ort machen.
Stefan Hülsermann spielt  Solo-Werke für Klarinette von Jean-Luc Darbellay, Violeta Dinescu, Carlheinz Heß u.a.
Eintritt frei, Spenden erbetten.

Vortrag: Facetten des Antisemitismus

Facetten des Antisemitismus: Wie bedroht ist jüdisches Leben in Deutschland?

Mittwoch, 8. November 2017, Christian-Albrechts-Universität Kiel
Martin Sehmisch, Soziologe und Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel

Der Nationalsozialismus ist vorbei – aber der Antisemitismus ist nicht von der Bildfläche verschwunden. Der planmäßige und zugleich wahnhaft begründete Massenmord an den europäischen Juden ist Geschichte – aber auch im Jahr 2017 gilt es in manchen Vierteln als gefährlich, mit sichtbaren jüdischen Symbolen auf die Straße zu gehen. Wie bedrohlich ist Antisemitismus heute für Jüdinnen und Juden? Welche Ausdrucksformen nimmt Judenfeindschaft in der Gegenwart an? Mit welchen Ideologien ist Antisemitismus heute verknüpft? Was ist nötig, um den Hass zu stoppen?

Der Soziologe und Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch, nimmt am 8. November 2017 in Kiel eine Bestandsaufnahme vor. Am Ende des Vortrags stehen Thesen zu der Frage, was jetzt zu tun ist.

Tagesseminar (ausgebucht)

6111702Gefährliche Welterklärung – Personalisierender Antikapitalismus im gewerkschaftlichen Kontext und seine Nähe zum Antisemitismus

Montag, 6. November 2017
14 bis 20 Uhr (geöffnet ab 13.30 Uhr)
Ort: Sara Nussbaum Zentrum Kassel

Je länger die weltweite ökonomische Krise dauert, desto beliebter sind einfache Erklärungen – auch unter Gewerkschaftsmitgliedern. Die Empörung darüber, dass an Bildung, Gesundheit, Umwelt und Sozialem gespart wird, während gleichzeitig Billionen Euro in den Finanzmärkten zirkulieren, mischt sich oft mit der Vorstellung, »die Gierigen, die den Hals nicht voll genug kriegen« seien an der Krise Schuld. Die Nationalsozialisten setzten »die Gierigen« mit »den Juden« gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

Das Seminar beleuchtet oberflächlichen und personalisierenden Antikapitalismus anhand von Beispielen aus dem gewerkschaftlichen Kontext. Es wirft einen Blick auf den Antikapitalismus alter und neuer Nazis und untersucht dessen Anschlussfähigkeit an den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs. Grundlegende Unterschiede zu einer reflektierten Kritik, die die systemischen Zwänge und Widersprüche des Kapitalismus untersucht, werden behandelt.

Durchführung: Matthias Ammer (Politikwissenschaftler, Gewerkschaftssekretär) und Lothar Galow-Bergemann (Publizist, ehemaliger Personalrat in zwei Großkliniken, ver.di)

Einladungsflyer (PDF)
Veranstaltung bei Facebook

Die Teilnahme ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Bitte melden Sie sich bis verbindlich per E-Mail an bei: ms@sara-nussbaum-zentrum.de.
DAS SEMINAR IST AUSGEBUCHT – BITTE SENDEN SIE KEINE ANMELDUNGEN MEHR!

Buchlesung mit Andrea v. Treuenfeld „Erben des Holocaust, Leben zwischen Schweigen und Erinnerung“

Am Mittwoch 11. Oktober 2017 um 18.30 Uhr liest
Andrea v. Treuenfeld  aus ihrem im Februar erschienen Buch „Erben des Holocaust, Leben zwischen Schweigen und Erinnerung“. Ausgehend von den individuellen Geschichten geht von Treuenfeld in dem Buch den Fragen nach: Welche Erfahrungen machten die Kinder jener Menschen, die die Schoa überlebten? Andrea von Treuenfeld hat 18 Frauen und Männer gebeten, in jeweils einem Beitrag über ihr »Leben zwischen Schweigen und Erinnerung« zu berichten.

Bericht der Jüdischen Allgemeinen über die Buchpräsentation in Berlin

 

Eine Geschichte von Vernichtung und Überleben

Neue Ausstellung: „Eine Geschichte von Vernichtung und Überleben – der Holocaust im galizischen Erdölrevier“

Die Vernissage findet am Sonntag, 1. Oktober, um 17 Uhr statt. Musikalische Umrahmung:  Lilia Gilmanova (Klavier), Yanhui Liu (Klarinette). Galizien ist eine Kulturlandschaft im Osten Mitteleuropas, die heute zwischen Polen und der Ukraine geteilt ist. Juden bildeten seit dem Mittelalter einen wichtigen Teil der multiethnischen Gesellschaft. Die Orte Drohobycz und Boryslaw waren das Zentrum des galizischen Ölreviers und damit für die deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg kriegswichtig. Die jüdische Bevölkerung wurde in Ghettos zusammengepfercht, zur Zwangsarbeit herangezogen und schließlich vernichtet.

Die Ausstellung zeichnet den Holocaust im galizischen Erdölrevier nach. Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Opfern, den Tätern, den Tatbeteiligten, den Überlebenden und ihren Rettern. Sie folgt dem Schicksal der Familie des Holocaust-Überlebenden Prof. Dr. Józef Lipman. Sie würdigt die Taten und den Mut der Retter, besonders des jungen deutschen Managers Berthold Beitz und seiner Frau Else. Den Flyer mit dem Rahmenprogramm können Sie hier herunterladen.

Performance der documenta 14 relativiert die Shoah

DocmentaDie Weltkunstausstellung documenta 14 lädt vom 24. bis 26. August täglich zu einer Performance unter dem Titel „Auschwitz on the beach“ in das Museum Fridericianum in Kassel ein. Im Ankündigungstext wird die europäische Migrationspolitik mit Vokabeln belegt, die aus dem Kontext des nationalsozialistischen Massenmords an den europäischen Juden stammen. So heißt es, „die Europäer“ errichteten „Konzentrationslager und bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat“ (1). Als beteiligte Urheber werden Franco Berardi, Stefano Berardi und Dim Sampaio genannt. Der Ankündigungstext stammt in weiten Teilen aus einem Text von Franco Berardi, der in einer im Internet nach wie vor verfügbaren Version (2) auch den Staat Israel in die Reihe der als „Gauleiter“ bezeichneten Staaten stellt.

„Die Ankündigung der Performance ist eine politisch-moralische Bankrotterklärung“

„Die documenta 14 lädt damit zu einer Performance ein, die bereits mit ihrer Ankündigung die nationalsozialistische Judenvernichtung relativiert“, sagte der Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch. Der Text der documenta behaupte eine moralische Äquivalenz zwischen den Verbrechen der Nationalsozialisten und der europäischen Migrationspolitik und ignoriere damit sowohl historische Tatsachen als auch den Stand der Forschung zur NS-Ideologie. Den Tod von Geflüchteten mit der systematischen Ermordung fast aller europäischer Jüdinnen und Juden durch die wahnhaft antisemitischen Nationalsozialisten und ihre Helfer gleichzusetzen werde weder der Shoah noch den Ursachen der Fluchtkrise gerecht. „Die Ankündigung der Performance ist eine politisch-moralische Bankrotterklärung der Verantwortlichen und ein Zeichen von Hybris“, sagte Sehmisch. Eine Debatte derart zu entgrenzen sei auch angesichts der Ausbreitung von demokratieskeptischen, antisemitischen, verschwörungstheoretischen und fremdenfeindlichen Bewegungen unverantwortlich.

Siehe auch:

HNA online: „Heftige Kritik an Auschwitz-Aktion“ (17. August 2017)
„Auschwitz auf dem Strand“ ist der Titel einer documenta-Kunstaktion, die für Empörung sorgt. zum Artikel

Hessenschau.de: „Performance ‚Auschwitz am Strand‘ sorgt für Kritik“ (17. August 2017)
Ein Vergleich der europäischen Flüchtlingspolitik mit der systematischen, industriell betriebenen Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden – Martin Sehmisch, Leiter der „Informationsstelle Antisemitismus Kassel“ ist entsetzt: „Die documenta 14 lädt zu einer Performance ein, die bereits mit ihrer Ankündigung die nationalsozialistische Judenvernichtung relativiert.“ zum Artikel

Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Kassel e. V. (23. August 2017)
„(…) In dem offiziellen Ankündigungstext dieser künstlerischen Aktion jedoch wird der Vergleich zum Holocaust gezogen, ist von Konzentrationslagern, die auf europäischem Territorium gebaut werden, und vom Salzwasser des Mittelmeeres, das das Zyklon B ersetzt die Rede. Dieser Vergleich ist nicht nur geschmacklos und verletzend, er stimmt weder historisch noch entspricht er den Tatsachen. Verletzend ist er für die, die das Inferno überlebt haben und für die, die ermordet wurden und deren Nachkommen, die heute noch unter den Folgen leiden. Was die Fakten betrifft, der Holocaust war ein industriell geplanter Völkermord an einer bestimmten Bevölkerung ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Überzeugung wegen. Er war eine geplante Vernichtungsaktion. (…)“

6.000.000 / Sergey Dubroff

6.000.000
Am 22. Juni 2017 um 18 Uhr findet im SNZ die Vernissage von Sergey Dubroff (Luzern) statt. Ausgestellt wird die Rauminstallation „6.000.000“.
Das 14 Meter breite, siebenteilige Bild enthält 6 Millionen Figuren, Punkte und Pinselstriche. Es ist den Opfern der Schoah gewidmet.

Der Künstler Sergey Dubroff folgte 7,5 Jahre lang seiner Vision: Die symbolisch gewordene Zahl von 6 Millionen Opfer des Holocaust einzeln darzustellen und auf einer Leinwand zu visualisieren. Künstlerisch sowie auch persönlich kreiert der Maler mit diesem Werk ein historisches Mahnmal für die gesamte Menschheit, damit so etwas nie wieder passiert.

Kinderoper „Brundibár“ und das Rahmenprogramm

Am 17. Juni 2017 um 19.30 Uhr ist Premiere des 13. Theater-Jugendorchester Projekts „BRUNDIBÁR“ – einer Kinderoper in zwei Akten von Hans Krása.
Hans Krása komponierte die Oper Brundibár 1938. Nach seiner Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt notierte Krása das Werk erneut, weil er die Partitur nicht mitnehmen konnte. 55 Mal wurde Brundibár in den folgenden Jahren dort gespielt. Sein Schöpfer wurde wie die meisten der Darsteller und Musiker in Auschwitz ermordet.

Sara Nussbaum Zentrum tritt bei diesem Projekt als ein Kooperationspartner auf. In vielen Workshops, die wir mit dem Kinderchor Cantamus, Theater-Jugendchorchester sowie an einigen Schulen durchgeführt haben, konnten wir mit Kindern und Jugendlichen über das Judentum und auf eine besonders sensible Weise über Shoa sprechen.

Vorstellungen und Tickets:
http://www.staatstheater-kassel.de/spielplan-sparte.php5?id=1955

Eine Website mit allen Informationen rund um das Projekt „Brundibár“ in Kassel:
https://www.brundibar-kassel.de

Alle Veranstaltungen zu BRUNDIBÁR im Überblick:
Ausstellung »Zeichne, was Du siehst« 
Helga Weissová, Zeichnungen eines Kindes aus Theresienstadt und »Nur Zeichnungen sind geblieben«. Mit dem CANTAMUS-Chor.
17. bis 30. Juni, Schauspielfoyer

Dokumentarfilm »Wiedersehen mit Brundibár«
in Anwesenheit von Filmemacher Douglas Wolfsperger und hoffentlich auch Greta Klingsberg
Filmmatinee: Sonntag,18. Juni, 12 Uhr,  Filmladen, Goethestraße

Kammermusikabend »Abendphantasie«
mit Werken der »Theresienstädter Komponisten« Hans Krása, Victor Ullmann und Pavel Haas. Mit: Razvan Hamza, Violine, Eugene Lifschitz, Cello
Ulrike Schneider,
Mezzosopran, Daniel Holzhauser, Bariton,  Giulia Glennon, Klavier
Montag, 26. Juni, 19.30 , Opernfoyer

„Kassel war ihre Heimat, bis…“ Ein Vortrag über Sara Nussbaum und Frida Sichel

Am Donnerstag, 8. Juni 2017, um 19.30 Uhr findet ein Frieda SichelVortrag über Sara Nusbaum und Frida Sichel statt. Diese zwei Frauen werden vorgestellt von Anne Belke-Herwig und Eva Schulz-Jander, für die musikalische Umrahmung sorgt Alexandra Aykaeva (Geige).

Beide Frauen – Sara Nussbaum und Frieda Sichel – wurden Ende des 19. Jahrhunderts geboren, ihre Herkunft und ihr Leben jedoch könnten nicht unterschiedlicher gewesen sein. Die eine kam aus Merzhausen, die andere aus dem vornehmen Vorderen Westen in Kassel; die eine aus einer Lehrerfamilie, die andere aus einer der angesehensten jüdischen Unternehmers Familien Kassels; die eine war eher praktisch veranlagt, die andere hochgebildet. Und     dennoch sind Sara Nussbaumsie sich ähnlich. Soziales Engagement und ein tiefes Verantwortungsgefühl für soziale Gerechtigkeit verbindet sie. Stark und klug, unbeugsam und mutig waren sie. Auch die widrigsten Umstände, Ausgrenzung und Verfolgung konnten ihren unbeugsamen Geist nicht brechen. Als besiegte Siegerinnen gingen sie daraus hervor.

Eintritt: frei