Wir haben Fragen: Veranstaltungsreihe zu Antisemitismus

Freiheit und Demokratie sind derzeit einem erheblichen Belastungstest ausgesetzt. Mit einer Veranstaltungsreihe beleuchtet das Sara Nussbaum Zentrum deshalb nun Fragen zur politischen und gesellschaftlichen Situation. „Wir möchten einige der Fragen, die sich angesichts der aktuellen Entwicklungen stellen, informativ und multiperspektivisch behandeln“, so Projektleiter Martin Sehmisch. Die Veranstaltungsreihe soll Menschen einbeziehen, ihre Fragen hörbar machen und sie mit Expert*innen ins Gespräch bringen.

Eine Broschüre zur Reihe finden Sie hier.

Kundgebung: Redebeiträge zum Nachhören

Gemeinsam mit dem Jungen Forum der DIG Kassel haben wir am 13. November anlässlich der Aktions- und Bildungswochen gegen Antisemitismus eine Projektion antisemitischer Vorfälle gezeigt und eine Kundgebung abgehalten. Rund xx Menschen informierten sich über Vorfälle in hessischen Städten, die wir im Rahmen der Tätigkeit der Informationsstelle Antisemitismus Kassel erhoben haben.

In Redebeiträgen legten Ilana Katz (Jüdische Gemeinde Kassel), Ann-Kathrin Mogge (Die Kopiloten), Martin Sehmisch (Sara Nussbaum Zentrum, ISAK) sowie Lia + Ruppert (Junges Forum der DIG) ihre Sichtweise auf die aktuelle Situation dar. Die Beiträge können hier nachgehört werden:

Martin Sehmisch (Sara Nussbaum Zentrum, Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel)

Lia + Rupert (Junges Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Kassel)

Ann-Kathrin Mogge (Die Kopiloten)

Ilana Katz (Jüdische Gemeinde Kassel)

Projektion und Kundgebung gegen jeden Antisemitismus

Mittwoch, 13. November 2019, 18 Uhr
Opernplatz (Ecke Opernstraße), Kassel

Das Sara Nussbaum Zentrum und das Junge Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft laden am Mittwoch, 13. November, zu einer öffentlichen Aktion gegen Antisemitismus ein. Bei der Veranstaltung, die um 18 Uhr auf dem Opernplatz (Ecke Opernstraße) beginnt, werden Informationen zu antisemitischen Vorfällen an eine Hauswand projiziert. Zudem gibt es Redebeiträge von Ilana Katz (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel), Ann-Kathrin Mogge, Martin Sehmisch (Sara Nussbaum Zentrum, Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel) sowie Lia und Rupert vom Jungen Forum der DIG.

„Wir leben in einer Zeit, in der sich jüdische Menschen immer stärker unter Druck gesetzt fühlen und um ihre Sicherheit besorgt sind – und wir gehen mit unserer Kritik an diesem Zustand ganz bewusst in die Mitte der Stadt““, sagte Sehmisch. Die Bevölkerung rufe er auf, sich während der Veranstaltung zu informieren und solidarisch zu positionieren. „Unsere Kundgebung ist eine Reaktion auf den antisemitischen Anschlag in Halle, der einen rechtsextremen und verschwörungsideologischen Hintergrund hat, aber auch auf den Antisemitismus von Islamisten, Linken und in der Mitte der Gesellschaft“, sagte Martin Sehmisch. „Klar ist: Jüdinnen und Juden werden gezielt angegriffen und sind als erste betroffen – am Ende geht es den Antisemiten aber um die Abschaffung von Freiheit und Demokratie. Beides dürfen und wollen wir alle zusammen nicht hinnehmen.“

Die Projektion wird im Rahmen der Aktions- und Bildungswochen gegen Antisemitismus unterstützt von der Amadeu Antonio Stiftung. Wir danken dem Freien Radio Kassel für die technische Unterstützung.

Neue Ausstellung: „Wir hoffen, dass wir bald bei dir sind…“

Besichtigungstermine: Do 14.11. / 12.12. 16 – 19 Uhr; So 24.11. / 8.12. 14-17 Uhr

Dorrith Sim, 4 Jahre

„Wir hoffen, dass wir bald bei dir sind…“ Es ist ein Satz aus dem Kinderbuch „In Meiner Tasche” von Dorrith Sim,geb. Oppenheim, aus Kassel. Sie war eins von 10.000 jüdischen Kindern, die im Rahmen einer beispiellosen Rettungsaktion vor 80 Jahren in England aufgenommen wurden.
Die Ausstellung dokumentiert auf 20 Ausstellungstafeln die Rettung dieser Kinder. Für dieses Ausstellungsprojekt hatten sich Schüler von zehn Grundschulklassen aus Kassel, Hofgeismar und Trendelburg unter der Anleitung der Museums-pädagogen intensiv mit den Themen Ausgrenzung, Verfolgung, Trennung und Fluchtbeschäftigt und zehn lustige Kindergeschichten der Autorin Dorrith Sim illustriert.

Musikalische Umrahmung: Jugendchor „Cantamus“ (Staatstheaters Kassel), Leitung von Maria Radzikhovskiy

Kuratorinnen: Julia Drinnenberg, Gabriele Hafermaas (Stadtmuseum Hofgeismar).

Nach dem Anschlag in Halle: Was nun?

Jüdische Stimmen zu der Frage, was jetzt wichtig ist

Mirna Funk (zum Artikel): „Beschäftigt euch mit jenen, um die ihr so sehr trauert. Folgt jüdischen Medien und Accounts. Lest jüdische Literatur. Erarbeitet euch Wissen zur jüdischen Kultur und Geschichte. Hinterfragt, ob ihr antisemitische Vorurteile in euch tragt. Warum? Damit ihr beim nächsten Essen oder Meeting antisemitische Ressentiments dechiffrieren und ansprechen könnt. Damit ihr aktiv in den Kindergärten und Schulen eurer Kinder die Erarbeitung von Wissen und Empathie einfordert. Werdet zu starken BürgerInnen, anstatt die Verantwortung auf die Politik abzuwälzen. Wir brauchen keine Beileidsbekundungen, Trauer oder Bestürzung. Wir brauchen echtes Interesse, das zum Auflösen von Vorurteilen beiträgt, und Zivilcourage in jeder Lebenslage.“ zum Artikel

Richard C. Schneider (zum Artikel): „Das große Problem in Deutschland ist, dass ‚Auschwitz‘ zur Messlatte für Judenhass gemacht wurde. Alles, was ‚weniger schlimm‘ als Auschwitz ist, konnte jahrzehntelang sozusagen unten durchspazieren. Das ‚Wehret den Anfängen‘, das ‚Nie wieder!‘ ist längst zur Phrase geworden bei all den Gedenkveranstaltungen, die nur noch starres Staatsritual sind und nichts, aber auch gar nichts mit der gesellschaftlichen Realität zu tun haben. Die Gemeinplätze, die in solchen Reden von Politikern jeder Couleur abgelassen werden, stammen alle aus demselben Sprachbausteinkasten. Leeres Geschwätz. Denn es sind längst keine ‚Alarmzeichen‘ mehr, wie die Vorsitzende der CDU selbst noch nach dem Attentat von Halle meinte. Wir sind bereits ‚mittendrin‘.“ zum Artikel

Leo Schapiro (zum Artikel): „Um es klar zu sagen: ich kann diese leeren Floskeln nicht mehr hören! Deutschland 2019, das ist nicht nur der entsetzliche Angriff eines Neonazis auf eine Synagoge in Halle […] Dieses Land muss den Worten endlich Taten folgen lassen! Jeder Bürger dieses Landes hat daher die Pflicht, in der Familie, im Beruf oder im Sportsverein seine Stimme gegen antisemitische Äußerungen zu erheben. Wer schweigt, macht sich mitschuldig, dass alltäglicher Fremdenhass das Klima in der Gesellschaft vergiftet.“ zum Artikel


Antisemitischer Terror: Zeit für tiefgreifende Veränderungen

von Martin Sehmisch, Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK)

Der Terroranschlag in Halle hat gezeigt, dass Antisemitismus für Jüdinnen und Juden nicht nur eine Belastung im Alltag ist, die mit zum Teil erheblichen Einschränkungen des Gefühls von persönlicher und kollektiver Freiheit und Sicherheit einhergeht. Der Anschlag hat gezeigt, dass Antisemitismus für sie auch eine potentiell tödliche Bedrohung ist.

Es ist festzustellen:

  • Symbolische Gesten können der Ausdruck aufrichtiger Betroffenheit sein. Wir brauchen jetzt aber vor allem eine echte Bereitschaft zu tiefgreifenden Veränderungen, die auch gegen Widerstände durchgesetzt werden. Dies betrifft viele Bereiche, etwa Sicherheitsbehörden, Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen sowie Medien und Politik.
  • Die Erfahrungen, die Jüdinnen und Juden mit Antisemitismus machen, sind konkret und werden von nichtjüdischen Menschen selten gekannt und geteilt. Es gibt bei manchen Betroffenen ein Gefühl der Isolation durch Nichtverständnis. Die Empfindungen und Realitäten jüdischer Menschen zu begreifen – etwa das tief in die jüdische Gemeinschaft eingeschriebene Angstgedächtnis – ist eine Herausforderung. Wir hoffen, dass mehr Menschen sie annehmen, mit ganzem Herzen und ganzem Verstand.
  • Es muss Schluss sein mit der Normalisierung von Hass und Abwertung. Menschen und ihre Rechte sind grundsätzlich zu achten. Wir brauchen klare Grenzen für menschenfeindliche Aktionen und Akteure in allen Räumen, on- und offline. Wir brauchen mutige, engagierte Menschen, die diese Grenzen besonnen und nachhaltig durchsetzen. Auch, aber nicht nur für ihre jüdischen Freunde, Nachbarn und Kollegen.
  • Es muss Schluss sein damit, Antisemitismus immer nur beim politischen Gegner erkennen zu wollen. Wir brauchen Menschen, die in ihrer eigenen Umgebung Veränderungen durchsetzen und Antisemitismus kritisieren und ächten. Gegen jeden Antisemitismus vorzugehen heißt, jede Ausformung von Antisemitismus als Bedrohung jüdischer Menschen ernst zu nehmen.
  • Es muss Schluss sein mit der Akzeptanz der vermeintlich gesellschaftsfähigen Version des Antisemitismus, des Hasses auf Israel, der vorgibt, den jüdischen Staat zu meinen, der aber faktisch Jüdinnen und Juden in Deutschland trifft, sie ausgrenzt und stigmatisiert.

Menschen, Bürgerinnen und Bürger, Akteure in allen gesellschaftlichen Bereichen haben es jetzt in der Hand, durch ihren nachhaltigen Einsatz gegen jeden Antisemitismus dafür zu sorgen, dass es für Jüdinnen und Juden eine Zukunft in Deutschland gibt. Nicht weniger steht auf dem Spiel.

Worte haben wir genug gehört. Wir brauchen jetzt echte Veränderungen.

Kassel, den 11. Oktober 2019

Neues Projekt: „Wir haben Fragen“

Die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz, und Projektleiter Martin Sehmisch. (Fotos: fw/js)

Der Mord an Dr. Walter Lübcke, die Wahlerfolge der AfD, rechtsextreme Vorfälle bei der Polizei, sich ausbreitende Unsicherheit und Abstiegsangst – Freiheit und Demokratie sind derzeit einem erheblichen Stresstest ausgesetzt. Das Sara Nussbaum Zentrum hat mit Unterstützung des Landes Hessen die Möglichkeit, eine Ad hoc-Veranstaltungsreihe mit ca. 3-4 Veranstaltungen zu diesem Themenbereich durchzuführen.

Wir möchten einige der Fragen, die sich angesichts der oben nur angerissenen Entwicklungen stellen, möglichst fundiert stellen sowie informativ und multiperspektivisch behandeln, etwa:

  • Welche (lokalen) Bündnisse und Allianzen können wir gegen Rechtsextremismus und -terrorismus eingehen?
  • Können wir der Polizei noch vertrauen? Wie funktioniert Polizeiarbeit gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus?
  • Welche Handlungsoptionen haben Staat und Zivilgesellschaft jetzt, um Freiheit und Demokratie zu stärken?

Die Veranstaltungsreihe soll beteiligungsorientiert ablaufen, also Menschen einbeziehen, ihre Fragen hörbar machen und sie mit Expert*innen und Vertreter*innen staatlicher Einrichtungen ins Gespräch bringen.

Bei einem Auftakt mit Akteuer*innen der Zivilgesellschaft haben wir Anfang Oktober erste Fragen gesammelt (siehe Fotos). Jetzt geht es an die Organisation der Veranstaltungen, die im November stattfinden sollen.

Haben Sie ebenfalls Fragen? Möchten Sie mitwirken? Rufen Sie uns an (Telefon 0561-93728281) oder schreiben Sie uns eine E-Mail (info@sara-nussbaum-zentrum.de)!

Vermehrt rechtsextremer Vandalismus im Stadtgebiet

Einer der beschädigten Bäume im Aschrottpark

Die Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK) hat in den vergangenen Wochen vermehrt Fälle von rechtsextremem Vandalismus verzeichnet. „Allein im Aschrottpark stehen derzeit mindestens vier Bäume, die mit Hakenkreuzen und anderen rechtsextremen Symbolen besprüht wurden“, sagte ISAK-Leiter Martin Sehmisch am Donnerstag in Kassel. Die Symbole seien mittlerweile durch aufgetragene Farbflächen unkenntlich gemacht worden. Auch neben dem Rathaus sei vor wenigen Tagen ein gut sichtbares Hakenkreuz gesehen worden. Zudem hätten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde die verbotenen Symbole auch in Gebäuden entdeckt.

Anfang September hatte ISAK gemeldet, dass die Schriftzüge „NSDAP Deutschland“ und „SA“ von Unbekannten an das Geländer einer Aussichtsplattform am Rand des Aueparks angebracht wurden. Ende März waren Hitler-Bilder aufgetaucht, Anfang April große SS-Runen. Weitere Fälle waren von der Polizei vermeldet worden. Hinzu kämen immer wieder Aufkleber mit rechtsextremen Inhalten, die in unregelmäßigen Abständen dutzendfach im Stadtgebiet auftauchten. Zudem habe im Frühjahr ein Zeuge ISAK von nächtlichen „Sieg Heil“-Rufen in der Königsstraße berichtet.

Appell: Rechtsextremen Vandalismus melden

„Wir appellieren an Zeuginnen und Zeugen, derartige Straftaten der Polizei und uns als zivilgesellschaftlicher Meldestelle mitzuteilen“, sagte ISAK-Leiter Martin Sehmisch. Anschließend könne man sich auch an die Stadt Kassel wenden und um eine Entfernung der verbotenen Symbole bitten. Die Meldung eines antisemitischen Vorfalls bei der Informationsstelle Antisemitismus ersetzt zwar keine Strafanzeige, betonte Sehmisch. „Wir geben aber bei Bedarf gerne eine erste Einschätzung, ob ein Vorgang strafbar sein könnte und unterstützen Betroffene und Zeug*innen in ihrem Vorgehen.“

Ilana Katz: Propaganda-Delikte ernst nehmen

„Für die Betroffenen ist es wichtig, dass diese Straftaten ernst genommen werden“, betonte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz. „Die Delikte sind sichtbare Zeichen dafür, dass es leider auch heute Menschen gibt, die sich aktiv nationalsozialistisch betätigen“, sagte sie. „Für die jüdische Community sind diese sichtbaren Zeichen sehr unangenehm – aber wir lassen uns davon nicht einschüchtern und vertreiben“, sagte Katz. Gerade vor dem Hintergrund des mutmaßlich von Neonazis verübten Mordes an Walter Lübcke sei es aber wichtig, dass die Aufmerksamkeit gegenüber sichtbarem Rechtsextremismus von vielen Menschen im Alltag gelebt werde. „Wir sind alle Teil dieser Stadt und Teil dieser Gesellschaft und es sollte uns interessieren, welches Gesicht diese Stadt und diese Gesellschaft in der Öffentlichkeit zeigt“, sagte Katz.

Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK)
Die Informationsstelle Antisemitismus Kassel nimmt seit Januar 2016 Schilderungen von antisemitischen Vorfällen entgegen, veröffentlicht verifizierte und freigegebene Vorfallsmeldungen, bietet Betroffenen eine Erst- und Verweisberatung an und leistet eine advokatorische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist die zweite Meldestelle für antisemitische Vorfälle, die in Deutschland eingerichtet wurde und ist beim Sara Nussbaum Zentrum angesiedelt. Kooperationspartner sind die Jüdische Gemeinde Kassel und die Jüdische Liberale Gemeinde Region Kassel.

isak@sara-nussbaum-zentrum.de, Telefon 0561-93728281

Kasseler Museumsnacht 7. September 2019

Im Rahmen der Kasseler Museumsnacht hat das Sara Nussbaum Zentrum auch dieses Jahr wieder viele interessierte Besucherinnen und Besucher empfangen dürfen. Aus diesem Anlass hat die Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, Elena Padva, jeweils drei Führungen durch die Dauerausstellung „700 Jahre Juden in Kassel“ angeboten. Zusätzlich gab es die Möglichkeit, sich die aktuelle Gemäldeausstellung „Begegnungen“, in Anwesenheit der Künstlerin Jutta Schlier, anzuschauen. Musikalisch umrahmt wurde das Programm durch traditionelle sowie neue jiddische und hebräische Lieder von Anna Vishnevska.

Für die allgemeine Öffentlichkeit ist die Ausstellung wieder am Sonntag, den 20. Oktober, von 14 bis 17 Uhr zugänglich. Um 15 Uhr führt die Künstlerin Jutta Schlier an diesem Tag durch die aktuelle Gemäldeausstellung des Hauses. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

#ks20juli Nachbereitung (5/5)

Wie kann man sich effektiv für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte einsetzen?

In unserer Serie „#ks20juli Nachbereitung“ haben wir erklärt, warum wir es falsch finden, dass das „Bündnis gegen Rechts“ israelfeindliche und antisemitische Akteure in seinen Reihen duldet. Der vorletzte Beitrag in unserer Reihe schloß mit dieser Feststellung ab: „Eine glaubwürdige Arbeit gegen Rechtsextremismus ist nur möglich, wenn man sich klar gegen jeden Antisemitismus positioniert.“

Und nun?

Das „Bündnis gegen Rechts“ kann nur selbst über seine Zukunft entscheiden. Wir wissen, auf wie viele unterschiedliche Weisen Antisemitismus in unsere Gesellschaft eingewebt ist. Es ist deshalb empfehlenswert, die für erforderlich gehaltene Positionierung nicht nur auf dem Papier zu vollziehen, sondern eine echte thematische Auseinandersetzung zu führen. Nachhaltig kann nur sein, was verstanden wurde. Das ist anstrengend. Wir wünschen denen, die im „Bündnis gegen Rechts“ für eine klare Abgrenzung gegen Antisemitismus und Israelhass arbeiten, viel Erfolg. Wir helfen bei Bedarf gerne mit unserer Expertise.

Wir selbst werden im Herbst den Blick etwas weiten. Dazu laden wir Sie zur Mitwirkung ein. Wir möchten im Rahmen einer Veranstaltungsreihe Fragen stellen zum Zustand der Gesellschaft, in der wir leben. Wie können wir auf die Bedrohung von Freiheit und Demokratie reagieren? Wie gefährlich sind Rechtsextremisten und -terroristen? Welche Bündnisse braucht es gegen jeglichen Extremismus? Wie können effektive Strategien gegen Antisemitismus aussehen? Wie stark ist das Vertrauen in die staatlichen Institutionen? Was braucht eine demokratische Zivilgesellschaft jetzt, und was kann sie leisten?

#wirhabenfragen
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