Lesung von Christoph Heubner

Rund 120 Menschen kamen am Mittwoch, den 5. Februar 2020 zu der Lesung von Christoph Heubner ins Sara Nussbaum Zentrum. Der geschäftsführende Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Kommitees (IAK) stellte sein neues Buch „Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen“ vor. Es ist erst kürzlich im Steidl Verlag erschienen und enthält Berichte und Erinnerungen von Auschwitz-Überlebenden. Zudem berichteten an diesem Abend zwei Auszubildende des Volkswagenwerks Kassel von ihrem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz und ihrem Engagement in Projekten des IAK.

Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von Jens Dembowski (Saxofon, Leiter Jugendakademie VW) und Elena Padva (Gesang und Gitarre, Leiterin Sara Nussbaum Zentrum). Das Grußwort sprach Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar.

Wir danken allen Beteiligten für eine gelungene und facettenreiche Veranstaltung bei uns im Sara Nussbaum Zentrum.

2. Ausgabe unseres Magazins haskala erschienen

Zum Jahreswechsel erscheint die zweite Ausgabe der haskala, unseres Magazins aus dem Sara Nussbaum Zentrum. Das aktuelle Heft trägt auf 24 Seiten jüdische Themen in die Öffentlichkeit, macht die Arbeit des Sara Nussbaum Zentrums sichtbar und lässt zivilgesellschaftliche Akteure zu Wort kommen. Enthalten sind etwa ein Berichte über die Veranstaltungsreihe „Wir haben Fragen“, die sich unter anderem mit Antisemitismus und dem Vertrauen in die Polizei beschäftigt und die Ergebnisse einer Befragung zum Thema Antisemitismus in Hessen.

Die haskala richtet sich an alle, die sich für gesellschaftliche Debatten rund um die Themen Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Pluralismus interessieren und auch mehr über das jüdische Leben in Kassel und der Region erfahren möchten.

Das Magazin wird derzeit in öffentlichen Displays (sogenannten City-Racks) in Kassel zur kostenlosen Mitnahme angeboten. Die einzelnen Standorte der City-Racks sind in alphabetischer Reihenfolge unter folgendem Link zu finden: http://www.lopo.media/cc/index.php?p=cityrack. Das Heft ist zudem als PDF online verfügbar.

Reaktionen auf die Ablehnung der Förderung von ISAK

Seit unserer Ankündigung, wegen der Ablehnung der Förderung im Jahr 2020 die Arbeit der Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK) einstellen zu müssen, haben uns zahlreiche Reaktionen erreicht. Wir danken herzlich für die Wertschätzung, die unserer Arbeit auf diesem Weg zuteil wird.

Eine Auswahl an Reaktionen veröffentlichen wir gerne an dieser Stelle:

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Günter Rudolph, wird in einer Pressemitteilung seiner Fraktion vom 18. Dezember wie folgt zitiert: „Die Entscheidung der schwarzgrünen Landesregierung, den Antrag auf Förderung der Informationsstelle für das kommende Jahr zu verweigern, ist grundfalsch und vor allem vor dem Hintergrund der schrecklichen Ereignisse dieses Jahres mit dem Mord an Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, dem rechtsterroristischen Anschlag in Halle und den vorhandenen rechtsextremistischen Strukturen in Nordhessen, nicht hinnehmbar.“ Die SPD-Abgeordneten kündigten an, dass ihre Fraktion in den anstehenden Haushaltsberatungen einen entsprechenden Änderungsantrag einbringen werde mit dem Ziel, dass die Finanzierung der Informationsstelle Antisemitismus auch im kommenden Jahr gesichert werde.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Kassel schreibt in einer Pressemitteilung vom 13. Dezember: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die regionale Meldestelle, trotz der Ausschreibung im Landesprogramm (…) nun leer ausgehen soll. Schließlich hat sie in den vier Jahren ihrer Existenz ein großes Vertrauen in der jüdischen Community aufgebaut – insbesondere, da der wachsende Antisemitismus in teilweise bedrohlichen Formen unübersehbar wird.“ Nach dem Mord an dem Regierungspräsidenten Walter Lübcke, dem Terror von Halle und angesichts gefestigter rechtsextremer Strukturen in Nordhessen sei die Entscheidung des Landes Hessen „ein Signal in die falsche Richtung“, teilte der Vorsitzende der DIG Kassel, Markus Hartmann, mit.
zur Pressemitteilung im Original (PDF)

Die Jüdische Liberale Gemeinde Region Kassel schreibt auf Facebook: „Das ist eine schlechte Nachricht für unsere Gemeinde und alle Juden in unserer Region.“

Das MBT Hessen teilt auf Facebook mit: „Während die Schwarz-Grüne Landesregierung den Etat für ihr Landesprogramm für Demokratie fast verdoppeln will, muss die Meldestelle für antisemitische Vorfälle ISAK in Kassel zum Jahresende schließen. Wir haben mit ISAK in den letzten Jahren immer wieder sehr gut zusammengearbeitet. (…) Warum ISAK die bewährte Arbeit nicht weiter machen soll und stattdessen ein anderer Träger gesucht wird ist völlig unverständlich!“
zum Posting auf Facebook

Die Amadeu Antonio Stiftung schreibt auf Facebook: „Die ISAK war in ihren rund vier Jahren intensiver und vor allem inklusiver Zusammenarbeit mit den jüdischen Gemeinden ein wegweisendes Projekt.“

Förderung abgelehnt: ISAK muss Arbeit einstellen

Betroffene von antisemitischen Vorfällen vor Ort unterstützen – das ist das wichtigste Ziel der beim Sara Nussbaum Zentrum angesiedelten Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK). Nun muss ISAK die Arbeit zum Jahresende einstellen und nimmt ab sofort keine Meldungen und neuen Unterstützungsfälle mehr entgegen. Grund dafür ist die Ablehnung einer Förderung für das Jahr 2020 durch das Land Hessen, die dem Sara Nussbaum Zentrum in der zweiten Novemberhälfte mitgeteilt wurde. Das Zentrum hatte sich für den Bereich Nord- und Osthessen beworben.

Die Ablehnung erfolgte,

  • obwohl das Land Hesseneine Meldestelle ausgeschrieben hatte,
  • obwohl ISAK seit rund vier Jahren arbeitet und sich bereits Vertrauen in der Community erarbeitet hat
  • und obwohl eine im Jahr 2017 durchgeführte, bislang unveröffentlichte qualitative Befragung jüdischer Menschen aus Hessen die Einrichtung einer Meldestelle in Hessen empfiehlt.

Die community-nahe Anlaufstelle ISAK unterstützt Betroffene seit Januar 2016 als Angebot des Sara Nussbaum Zentrums für den Bereich Nordhessen. Die Jüdischen Gemeinden waren in die Arbeit eingebunden.

Die Arbeit der Meldestelle war in den ersten drei Jahren teilfinanziert durch Spenden und erfolgte 2019 ehrenamtlich. Die anfallenden Arbeiten können auf dieser Basis nach Einschätzung der Projektbeteiligten aber nicht zuverlässig erledigt werden. So ist insbesondere die konkrete Unterstützungstätigkeit für Betroffene zeitintensiv und muss zudem häufig während üblicher Arbeits- und Öffnungszeiten erfolgen.

„Wir sind stolz darauf, mit ISAK Menschen konkret geholfen zu haben und es ist wirklich sehr schade, dass wir künftig von Antisemitismus betroffenen Menschen nicht mehr im Rahmen dieses Projekts zur Seite stehen können“, sagte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz. Die Entscheidung sei allen Beteiligten sehr schwer gefallen. „Wir wissen, dass Jüdinnen und Juden in Kassel und Nordhessen die Arbeit von ISAK sehr schätzen – und wir bedanken uns für das langjährige Vertrauen“, sagte Katz.

ISAK nimmt aufgrund der Entscheidung des Landes Hessen ab sofort keine neuen Fälle und Meldungen mehr an. In der Zeit bis zum Jahresende werden bisher gemeldete Vorfälle und laufende Unterstützungen von Betroffenen noch geleistet. Da eine Korrektur der Entscheidung nicht zu erwarten ist, wird die Tätigkeit zum 31. Dezember 2019 vollständig entfallen.

Statements zur Ablehnung der Förderung

„Seit vier Jahren gehört ISAK als Meldestelle für antisemitische Vorfälle und Unterstützungsangebot für Betroffene zum Portfolio des Sara Nussbaum Zentrums und war ein fester Bestandteil unserer aufeinander abgestimmten Angebote. Mit der Schließung der Meldestelle verliert das Zentrum nicht nur eines seiner Standbeine, sondern ist im Kern seiner Tätigkeit, nämlich dem Widerspiegeln des moderne jüdischen Lebens in Kassel und Nordhessen, gefährdet.“
Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums

„Wir stehen in der Verantwortung für die Betroffenen, die sich bei uns melden, und können kein Angebot aufrechterhalten, wenn es nicht mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet ist. Es ist bedauerlich und angesichts der Dringlichkeit des Themas verstörend, dass das Land Hessen so entschieden hat. Es schmerzt uns, dass wir die konkrete Tätigkeit für Betroffene von antisemitischen Vorfällen nun einstellen müssen – wenige Wochen nach dem Terroranschlag in Halle und im Angesicht der Tatsache, dass der mutmaßliche Mörder von Regierungspräsident Walter Lübcke laut LKA auch Daten über die Jüdische Gemeinde gesammelt hat.“
Martin Sehmisch, ISAK-Leiter von Januar 2016 bis Dezember 2019

Jüdische Menschen auf Neonazi-Liste: ISAK kündigt an, für Gemeindemitglieder da zu sein

Unter dem Titel „Weitere potentielle Opfer“ hat die hessenschau heute Abend berichtet, dass auf einer von Ermittlern aufgefundenen, bereits über zehn Jahre alten Liste des mutmaßlichen Mörders von Regierungspräsident Walter Lübcke auch die Jüdische Gemeinde Kassel sowie ein Gemeindemitglied stehen.

Wir können nun bestätigen, dass die jüdische Community in Kassel von dieser Auflistung betroffen ist. „Unsere Kraft wird in den kommenden Wochen verstärkt darauf ausgerichtet sein, für die Mitglieder der Gemeinde ansprechbar zu sein und sie zu unterstützen“, sagte der Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel (ISAK), Martin Sehmisch, am Freitag in Kassel.

Eine nach dem Anschlag in Halle geplante nichtöffentliche Veranstaltung unter dem Titel „Rechtsextremismus und Antisemitismus – Expert*innen stehen Rede und Antwort“ wird Mitgliedern Jüdischer Gemeinden am 5. Dezember in Kassel die Möglichkeit geben, Fragen, Sorgen und Standpunkte zu teilen (siehe: www.sara-nussbaum-zentrum.de/fragen/). Betroffene können sich zudem in deutscher, russischer und englischer Sprache per E-Mail (isak@sara-nussbaum-zentrum.de) sowie telefonisch (0561-93728281) an ISAK wenden.

Audio: Antisemitismus und das Vertrauen in die Polizei

Unsere Reihe „Wir haben Fragen“ ist am 27. November im Sendesaal des Freien Radios in die zweite Runde gegangen. Moderator Martin Sehmisch sprach mit Prof. Rafael Behr, Frank Schweitzer und Benjamin Steinitz über „Antisemitismus und das Vertrauen in die Polizei„. Dabei wurde klar, dass die zivilgesellschaftliche Tätigkeit im Rahmen der Meldestellen für antisemitische Vorfälle eine wichtige Quelle für konstruktive Veränderungsprozesse in der Polizeiarbeit sein kann. Wie schon in der vergangenen Wochen nutzte ein engagiertes Publikum die zweite Stunde, um nachzufragen und Statements abzugeben.

Die Aufzeichnung der ersten Stunde, die live im Freien Radio gesendet wurde, können Sie hier nachhören:

Zeitzeugengespräch mit Heinz Ehrenberg

Am Sonntag, den 24. November 2019 durfte das Sara Nussbaum Zentrum den 1917 geborenen Heinz Ehrenberg, Adoptivsohn der jüdischen Familie Paul und Cläre Ehrenberg, empfangen. Er zählt zu den wichtigsten Zeitzeugen für jüdisches Leben zu Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die Familien Rosenzweig, Baumann, Goldner, Mosbacher, Sichel und Gotthelft gehörten zum engen Freundeskreis der Familie Ehrenberg und prägten das humanistische und liberale jüdische Leben in Kassel damaliger Zeit. Mit Prof. Winfried Jakob verbindet Heinz Ehrenberg eine über 80-jährige Freundschaft. In einem Gespräch haben beide aus ihrem bewegten Leben erzählt. Für die Besucher*innen bot sich hiermit eine seltene Gelegenheit, Einblicke in jüdische Lokalgeschichte zu erhalten und selbst Fragen zu stellen.

Wir danken Heinz Ehrenberg und Winfried Jackob für eine gelungene und bewegende Veranstaltung bei uns im Sara Nussbaum Zentrum.

Wir haben Fragen: Veranstaltungsreihe zu Antisemitismus

Freiheit und Demokratie sind derzeit einem erheblichen Belastungstest ausgesetzt. Mit einer Veranstaltungsreihe beleuchtet das Sara Nussbaum Zentrum deshalb nun Fragen zur politischen und gesellschaftlichen Situation. „Wir möchten einige der Fragen, die sich angesichts der aktuellen Entwicklungen stellen, informativ und multiperspektivisch behandeln“, so Projektleiter Martin Sehmisch. Die Veranstaltungsreihe soll Menschen einbeziehen, ihre Fragen hörbar machen und sie mit Expert*innen ins Gespräch bringen.

Eine Broschüre zur Reihe finden Sie hier.

Audio: Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus heute

Das Projekt „Wir haben Fragen“ des Sara Nussbaum Zentrums behandelt Aspekte, die sich angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen stellen. Die Veranstaltung am 20. November im Sendesaal des Freien Radios Kassel stand unter der Überschrift „Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus heute“. Gesprächsteilnehmer waren die Sozialpädagogin Barbara Bahr, Ilana Katz (Geschäftsführerin Sara Nussbaum Zentrum) sowie Elena Padva (Sara Nussbaum Zentrum). Die Moderation hatte Projektleiter Martin Sehmisch.

Die Aufzeichnung der Live-Sendung steht hier zum Nachhören bereit:

Interview mit David Hirsh über linken Antisemitismus

Das Gespräch wurde am 1. November 2019 aufgezeichnet von Martin Sehmisch. / The interview has been recorded on November 1st 2019 in Kassel by Martin Sehmisch.

Hier das Interview zum Nachhören (in zwei Teilen):