Hervorgehobener Beitrag

Lesung mit Burak Yilmaz am 22. September

Der Pädagoge und Autor Burak Yılmaz setzt sich seit Jahren gegen Hass in der Gesellschaft ein. Als Reaktion auf den Antisemitismus in seinem Jugendzentrum organisiert er Fahrten nach Auschwitz mit muslimischen Teenagern. Am 22. September um 19.30 Uhr liest Yilmaz im Sara Nussbaum Zentrum aus seinem neu erschienenen Buch „Ehrensache: Kämpfen gegen Judenhass“ (Suhrkamp).

Burak Yılmaz lebt und arbeitet in Duisburg und war bereits mehrfach für Kooperationsprojekte mit dem Sara Nussbaum Zentrum zu Gast in Kassel. Für sein vielfältiges Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus sowie für eine inklusive Erinnerungskultur bekam er vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz verliehen. 

Durch die begrenzte Platzzahl ist zu dieser Veranstaltung eine vorherige Anmeldung unter info@sara-nussbaum-zentrum.de oder telefonisch unter 0561-93728281. Bitte achten Sie bei Ihrem Besuch auf die aktuellen Hygienevorschriften.

(Bildnachweis: © Thekla Ehling/Agentur Focus/Suhrkamp Verlag)

Nach Hagen: Wir lassen uns nicht auseinandertreiben

Ein Kommentar

Am Abend von Jom Kippur ist in Hagen in Nordrhein-Westfalen mit gewisser Wahrscheinlichkeit ein Anschlag auf die jüdische Gemeinde verhindert worden. Vorläufig wurde ein 16-jähriger Syrer festgenommen. Derzeit laufen noch die Ermittlungen, vieles ist noch ungewiss.

Erinnerungen an Halle werden wach

Die schrecklichen Nachrichten wecken in uns dennoch und unmittelbar Erinnerungen an den Anschlag vor zwei Jahren in Halle an der Saale. Damals plante ein Täter ein Massaker an der jüdischen Gemeinde und scheiterte nur, weil die Holztür seinen Versuchen, in die Synagoge einzudringen, standhielt. Im Verlauf des Attentats starben zwei Menschen, zwei weitere wurden verletzt, Unzählige sind bis heute nachhaltig traumatisiert.

In unserer Ausstellung „Netz gegen Hetz“ hat ein Bild der mit Schusslöchern gezeichneten Tür einen besonderen, großformatigen Platz eingenommen. Denn dieser Vorfall bedeutete auch für uns, unsere Arbeit, unser Denken und Fühlen eine Zäsur. Die neuen Nachrichten lassen erkennen, dass ein Wendepunkt in der Bekämpfung von Antisemitismus längst nicht erreicht ist.

Antisemitismus – leider alltäglich und deutschlandweit

Im Gegenteil, der mutmaßlich geplante Anschlag ist nur ein weiterer Punkt in einer Reihe von vielen antisemitischen Vorfällen. Dazu zählen etwa verfassungsfeindliche und antisemitische Schmierereien (Eschwege), körperlicher Gewalt gegen Jüdinnen und Juden (Köln), Shoa-Relativierung auf Demos (Kassel) bis zu versuchten Brandanschlägen auf jüdische Einrichtungen (Ulm) und vieles mehr.

Besonders fassungslos und wütend macht es uns, wenn es nach dem Bekanntwerden solcher Vorfälle für viele nicht so sehr um die Opfer, sondern um Spekulationen über diejenigen geht, die die Tat begannen haben (könnten). Schnell ist offenbar ein Einzelner als Vertreter einer Gruppe ausgemacht, bei der Antisemitismus festgeschrieben werden kann. Nicht nur extreme politische Lager üben sich in solchen Zuschreibungen, auch aus der politischen „bürgerlichen“ Mitte sind solche Töne vernehmbar. Warum? Mit solchen Feindbildern, nach dem Motto: „Antisemitismus gibt es immer nur bei den andern!“, fällt eine Abgrenzung schlicht enorm leicht. Das eigene Gewissen ist schnell entlastet, wenn die anderen Schuld sind.

Schuldzuschreibungen sind nicht förderlich

Und es stimmt durchaus: Es gibt rechtsextremistischen Antisemitismus, es gibt linksextremistischen Antisemitismus und es gibt auch muslimischen Antisemitismus. Davon bekommen wir in unserer Arbeit jede Woche mit. Wir aber sind davon überzeugt, dass solche Schuldzuschreibungen für eine demokratische, pluralistische Gesellschaft insgesamt einfach nicht förderlich sind. Im Gegenteil: Sie treiben uns alle keilartig auseinander.

Selbstverständlich müssen Täter*innen gefunden, ihre Taten aufgeklärt und die Schuldigen juristisch zur Rechenschaft gezogen werden. Aber Antisemitismus, Hass gegen Jüdinnen und Juden, ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Und um ihn zu bekämpfen, sollten wir uns auf unsere integrativen Werte als Gesellschaft – auf Bildung, auf Austausch und Dialog – besinnen, wir sollten aktiv werden und aufeinander zugehen, anstatt wieder und wieder auszugrenzen und so das eigene Gewissen wohlfeil zu entlasten.

„… und der Regen rinnt“ – Aufführung am 19. September

Die Produktion „… und der Regen rinnt“ ist eine literarisch-musikalische Erzählung über das Ghetto Theresienstadt. Erzählt werden die Geschichten von vier Frauen, deren Schicksalswege sich kreuzten. Am 19. September wird die vielfach hochgelobte Produktion mit dem Jugendchor Cantamus des Staatstheaters Kassel (Künstlerische Leitung: Maria Radzikhovskiy) um 18 Uhr in der Jüdischen Gemeinde Kassel (Bremer Str. 3) aufgeführt.

Wir bitte um Anmeldung unter info@sara-nussbaum-zentrum.de oder telefonisch unter 0561-9372281 (AB). Es gilt die aktuelle 3G-Regel (genesen, geimpft oder getestet). Der Eintritt ist frei, Spenden erbeten.

7. Kasseler Trialogtag am 23. September

In Schule und Jugendarbeit begegnen sich junge Menschen verschiedener Kulturen und Religionen. Nicht immer sind die Begegnungen von Toleranz und Interesse begleitet. Vorurteile, Ausgrenzung und mangelnde Kenntnisse verursachen Misstrauen und Konflikte.

Beitrag zu interreligiösem Dialog

Mit dem 7. Kasseler Trialogtag, der in diesem Jahr am 23. September 2021 von 8.30-15.30 Uhr im Evangelischen Fröbelseminar Kassel (Sternbergstraße 29) stattfindet, möchten Akteur*innen aus der Kasseler Zivilgesellschaft wir erneut einen Beitrag leisten zum interreligiösen bzw. interkulturellen Dialog in Schule und Jugendarbeit. Das Sara Nussbaum Zentrum ist Kooperationspartner des Trialogtags.

Der Trialogtag richtet sich an Lehrer*innen aller Schulformen, Studierende sowie Hauptberufliche in der Kinder- und Jugendarbeit, die Interesse am Thema haben und den Trialog der drei großen Weltreligionen und Kulturen in ihren Einrichtungen fördern möchten. Den Teilnehmenden entstehen keine Kosten.

Musik, Vorträge, Diskussionen und Workshops

Das Programm umfasst musikalische Beiträge und Impulsvorträge ebenso wie Workshops. Als Referent*innen konnten in diesem Jahr Burak Yilmaz, Julian Timm und Anna Vishnevska gewonnen werden. Sie arbeiten mit den Teilnehmer*innen zu den Themenbereichen Rassismus, Verschwörungsmythen und interkulturellem Engagement.

Flyer zum 7. Kasseler Trialogtag mit Möglichkeit zur Anmeldung (PDF)

KW 35 – Kasseler Woche der Museen – Wir sind dabei!

Wie schon in den vergangenen Jahren beteiligt sich das Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben an der traditionsreichen Kasseler Museumsnacht. Bedingt durch die Auswirkungungen der Corona-Pandemie findet die Veranstaltung, bei der das Zentrum wie viele andere Institutionen in Kassel seine Türen für das interessierte Publikum öffnet, in diesem Jahr über mehrere Tage verteilt statt.

Vom 2. September bis zum 5. September gibt es täglich die Möglichkeit, unser Zentrum kennenzulernen. Im Fokus steht unsere erst kürzlich eröffnete Ausstellung „Netz gegen Hetz“. Sie wirft einen Blick zurück auf 5+1 Jahre politisch-kulturelle Arbeit des SNZ und stellt dabei stets die Besucher*innen und ihre Fragen in den Mittelpunkt. Zu Themen wie jüdischer Kultur, dem Umgang mit der Shoah, aktuellen Entwicklungen des Antisemitismus sowie der Bildungsarbeit für jüdische Perspektiven sollen Denkanstöße vermittelt werden.

Parallel zur neuen Ausstellung ist auch wieder unsere Dauerausstellung „700 Jahre Juden in Kassel“ geöffnet. Sie setzt sich mit der langen Geschichte jüdischen Lebens in der Region auseinander. Hier erfahren Besucher*innen unter anderem etwas über Sara Nussbaum, die Namensgeberin des Zentrums, und viele weitere jüdische Kasseler Persönlichkeiten.

Öffnungszeiten während der „KW 35“:

  • Donnerstag: 15–20 Uhr
  • Freitag: 15–22 Uhr
  • Samstag: 15–22 Uhr
  • Sonntag: 11–15 Uhr

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass es wegen der begrenzten Besucherzahl unter Umständen zu Wartezeiten beim Einlass kommen kann. Es gelten die aktuell gültigen Hygienevorschriften.

Mehr Infos zu den Tickets hier: https://www.kw35-kassel.de

Neue Ausstellung „Netz gegen Hetz“: Öffnungszeiten im August

Die Ausstellung „Netz gegen Hetz“ (neu ab Juli 2021) zeigt Perspektiven aus sechs Jahren politisch-kultureller Arbeit des Sara Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben.

Im Mittelpunkt stehen unsere Besucher*innen, ihre Fragen und Aussagen. Zudem werfen wir Schlaglichter auf unsere Ausstellungen, Bildungsprojekte und Kooperationen. Es geht um viele schöne Momente, aber auch den immer deutlicher zutage tretenden Antisemitismus in der Gesellschaft. Keine Retrospektive, sondern ein Impuls zum Nach- und Weiterdenken.

An den Sonntagen im August geöffnet

Im August ist die Ausstellung an folgenden Tagen geöffnet:

  • Sonntag, 1. August, 13-18 Uhr
  • Sonntag, 8. August, 13-18 Uhr
  • Sonntag, 15. August, 13-18 Uhr
  • Sonntag 22. August, 13-18 Uhr
  • Sonntag, 29. August, 13-18 Uhr

Der Eintritt ist kostenlos. Bitte achten Sie bei Ihrem Besuch auf die geltenden Hygienemaßnahmen.

Weitere Infos zur Ausstellung und dem Rahmenprogramm

„Mazel tov! – Ein Fest für alle!“ am 25. Juli im Sara Nussbaum Zentrum

Unter der Überschrift „Mazel tov! – Ein Fest für alle!“ lädt das Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben am Sonntag, 25. Juli 2021 alle Interessierten zu einem großen Fest ein. Die Veranstaltung ist unser Beitrag im Rahmen des Programms #1700JLID – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

An diesem Tag wird unsere neue Ausstellung „Netz gegen Hetz“ in unseren Räumlichkeiten offiziell eröffnet. Um 17 Uhr und 17.30 Uhr werden Führungen angeboten. Musikalischer Höhepunkt ist um 19 Uhr der Auftritt des bekannten Sängers Karsten Troyke aus Berlin, der mit dem Trio SCHO jiddische Lieder, Chansons und Instrumentalstücke auf der Bühne präsentieren wird.

Programm des Festtages

  • 15 Uhr: Ausstellung geöffnet
  • 17.00 Uhr / 17.30 Uhr: Führungen durch die Ausstellung
  • 18.30 Uhr: Offizielle Eröffnung (im Garten)
  • 19 Uhr: Konzert mit Karsten Troyke & Trio SCHO (im Garten)

Weitere Informationen zur Ausstellung und Veranstaltung finden Sie ab sofort und laufend aktualisiert unter www.sara-nussbaum-zentrum.de/netzgegenhetz.

„Israel trinkt das Blut unserer Kinder!“ – Juden als Archetypus des Bösen

Online-Vortrag mit anschließender Diskussion am 2. Juni 2021

Das Kindermördermotiv ist auf den propalästinensischen Demonstrationen zurzeit wieder allgegenwärtig. Dabei reicht die Palette der Motive von blutbeschmierten Kinderpuppen in Leichentüchern bis zu Portraits Benjamin Netanjahus mit Vampirzähnen und blutbeschmiertem Mund.

Ein Online-Vortrag mit dem Bildungs- und Antisemitismus-Experten Julian Timm (Studienseminar für Gymnasien Kassel, Gustav-Stresemann-Gymnasium Bad Wildungen, Christian-Rauch-Schule Bad Arolsen) beleuchtet die Hintergründe dieses Motivs auf der Grundlage der aktuellen Entwicklungen.

Der Vortrag will die kulturgeschichtliche Kontinuität judenfeindlicher Darstellungen aufzeigen, um dafür zu sensibilisieren, wo Kritik am Staat Israel aufhört und manifester Antisemitismus anfängt – und wo sich beides vermischt.

Datum: 2. Juni 2021
Uhrzeit: 18.00-19.30 Uhr

Wir bitten um eine Anmeldung per E-Mail unter bildungsprogramm@sara-nussbaum-zentrum.de bis zum 1. Juni 2021.

Der Vortrag findet als Videokonferenz per Zoom statt. Die Zugangsdaten werden den Teilnehmer*innen vor Beginn der Veranstaltung per E-Mail zugesendet.

Online-Fortbildung zu Antisemitismus und Verschwörungsideologien

Unter dem Thema „Antisemitismus und Verschwörungsideologien als Themen in der Pädagogik“ findet am 27. Mai 2021 ab 17.00 Uhr eine Online-Fortbildung statt. Sie richtet sich an Pädagoginnen und Pädagogen der Sekundarstufen I und II sowie an alle Interessenten.

Welche Formen nimmt moderner Antisemitismus an? Wie entstehen Verschwörungsmythen und welche Funktionen erfüllen sie? Wie wirken Verschwörungsideologien und Antisemitismus zusammen? Ziel des fachdidaktischen Studientages ist, die Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit Antisemitismus und Verschwörungsmythen zu stärken und Handlungsoptionen für die praktische Arbeit an die Hand zu geben.

Mit der Veranstaltung setzen wir unser sehr nachgefragtes Angebot der vergangenen Monate fort. Die Fortbildung findet in Kooperation mit dem Religionspädagogischen Institut der EKKW und der EKHN und der Gedenkstätte Breitenau statt.

Anmeldung unter info@sara-nussbaum-zentrum.de
Der Zugangslink wird nach Anmeldung zur Veranstaltung zeitnah zugeschickt.

„Selam & Shalom“ zu Gast im Berliner Podcast

Elena Padva und Attila Günaydin setzen sich für die Verbindung zwischen jüdischer und muslimischer Kultur ein. In ihrem Projekt „Selam & Shalom“ verbinden die Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben und der Musikpädagoge bereits seit mehreren Jahren erfolgreich die Melodien, Rhythmen und Traditionen aus beiden Kulturen zu einem immer wieder erhellenden Ganzen.

Von ihrer Arbeit mit Jugendlichen erzählen sie jetzt in der in der aktuellen Episode des Podcasts „KREUZ & QUER“ der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V.) aus Berlin.

Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben , und Attila Günaydin stellten ihr Projekt Selam & Shalom im Podcast vor. (Foto: SNZ/fw)

Im knapp einstündigen Gespräch mit Moderator Fadl Speck berichten Padva und Günaydin über ihre Projekte mit Schulklassen und die verbindende, Brücken schlagende Kraft der Musik. Das Ziel: mit den Vorurteilen im Verhältnis zwischen Juden und Muslimen aufräumen, die sich auf das gegenseitige Verhältnis beziehen. Beide Musiker*innen haben die Erfahrung gemacht, dass Musik in diesem Zusammenhang ganz besonders dazu einladen kann, sich mit Themen wie der Herkunft, Heimat oder Kultur auseinanderzusetzen. Und das gilt sowohl, was Wissen und Erfahrung angeht, vor allem aber auch emotional.

Das Gespräch wurde Anfang April digital und dezentral sowohl in Kassel als auch in Berlin gemeinsam aufgezeichnet. Elena Padva und Attila Günaydin nutzten dafür die Studios des Freien Radios Kassel. Die Schlussproduktion erfolgte in Berlin. Mit dem Podcastformat „KREUZ & QUER“ präsentiert die KIgA aktuelle Themen der politischen Bildung mit Gesprächsgästen aus Berlin und ganz Deutschland.

Die Folge mit Elena Padva und Attila Günyadin ist überall zu hören, wo es Podcasts gibt, unter anderem auf dem YouTube-Kanal der KIgA.