Tolle Ausstellungseröffnung: „Spirit of Israel“

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In Anwesenheit des Künstlers Gregory Vachlis haben wir gestern unsere neue Sonderausstellung „Spirit of Israel“ eröffnet. Bis zum 28. März 2019 sind im Sara Nussbaum Zentrum rund 40 Zeichnungen und Gemälde des israelischen Künstlers zu sehen. In den ausgestellten Werken spiegelt sich die einzigartige Atmosphäre Jerusalems wieder.
Wir danken allen Gästen, die mit uns gefeiert haben, sowie den Musikern Anna Vishnevska (Gesang, Gitarre), Julia Reingardt (Klavier) und Katharina und Björn Schmidt-Hurtienne (Violinen). Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Jewish Agency for Israel und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Kassel.

Für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich ist die Ausstellung wieder am Sonntag, 18. November, von 13 bis 17 Uhr. Um 15 Uhr führt an diesem Tag zudem die Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben, Elena Padva, durch alle Ausstellungen des Hauses. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Neues Workshop-Angebot: „Selam & Shalom“

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Ab sofort bietet das Sara Nussbaum Zentrum den interkulturellen musikalischen Workshop „Selam & Shalom“ an. Er richtet sich an Kinder- und Jugendgruppen und ist für alle Schulformen und Altersstufen geeignet.

Kulturelle Vielfalt bereichert den Schulalltag, sorgt aber auch für Missverständnisse und Schwierigkeiten im täglichen Umgang. Durch das gemeinsame Musizieren entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre, die eine gute Voraussetzung für ein offenes Gespräch ist. Auf Grundlage der allgemein gültigen Menschenrechte wird ein Raum geschaffen, um über die unterschiedlichen Formen von Menschenfeindlichkeit und Vorurteile frei zu sprechen, Fragen zu stellen und sich mit Inhalten kritisch auseinanderzusetzen.

Das Ziel des Workshops ist die Erweiterung des Verständnisses von unbekannten oder als fremd empfundenen Identitäten sowie die Bewusstmachung von Gemeinsamkeiten über religiöse und weltanschauliche Überzeugungen, Prägungen und Zugehörigkeiten hinweg.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen Musikinstrumente und wirken beim Musizieren aktiv mit. Gemeinsam werden Lieder auf Türkisch, Hebräisch, Jiddisch und Deutsch gesungen. In Absprache mit begleitenden Lehrkräften können die Inhalte des Workshops an die teilnehmenden Kinder bzw. Jugendlichen angepasst und bei Bedarf durch weitere Angebote aus unserem Programm ergänzt werden.

Referenten: Elena Padva (Gesang, Gitarre), Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, und Attila Günaydin (Gesang, Baglama), Musiklehrer für das Fach Saz/Baglama
Dauer: ca. 90 Minuten
Teilnehmerzahl: max. 30 Teilnehmer inkl. Lehrpersonal
Ort: nach Wunsch im Sara Nussbaum Zentrum oder in Ihrer Schule
Buchung über: info@sara-nussbaum-zentrum.de

Hier finden Sie das Faltblatt zum Workshop-Angebot: „Selam & Shalom“

Obelisk: Wir müssen herausfinden, was uns verbindet

obeliskZum unangekündigte Abbau des Obelisken in den frühen Morgenstunden am Tag der Deutschen Einheit sagt Martin Sehmisch, Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel am Sara Nussbaum Zentrum:

„In einer Demokratie gelten Parlamentsbeschlüsse. Deshalb ist es richtig, dass der Obelisk abgebaut wurde. In einer Demokratie geht es aber auch darum, verschiedene Meinungen nebeneinander gelten zu lassen. Deshalb wäre es wichtig gewesen, ein Kunstwerk, das Gegenstand einer breiten öffentlichen Debatte war, nicht heimlich nachts abzubauen, sondern allen, die daran Interesse haben, einen letzten Blick und einen Abschied zu ermöglichen. Dies wäre ein Zeichen des Respekts gewesen gegenüber dem Künstler, gegenüber der documenta als wichtiger Institution der Stadt und gegenüber den Teilen der Zivilgesellschaft, die sich für den Verbleib ausgesprochen haben. Denn Demokratie ist nicht nur eine geregelte Verfahrensweise, sie lebt auch vom demokratischen Geist der Beteiligten. Diesen vermisse ich bei diesem Vorgehen schmerzlich.

Zugleich ist es wichtig, dass die mit dem Obelisken eng verknüpfte Debatte über die Asyl-Zuwanderung ehrlich geführt wird. Probleme, die mit dieser Zuwanderung einhergehen, müssen offen und lösungsorientiert benannt und bearbeitet werden – nur so können wir Demokratie praktizieren, nur so können wir die Rechtspopulisten zurückdrängen. Autoritarismus, Antisemitismus, Rassismus, Islamismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie greifen die Grundlagen unserer freiheitlichen Demokratie an – unabhängig davon, ob sie als Überzeugung bei oder als Handlung durch deutsche oder ausländische Personen wirksam werden. Wir sollten diese zerstörerischen Einstellungen deshalb ungesehen der Herkunft der Träger mit einer klaren Haltung beantworten.

Der Diskurs darüber, was das konkret bedeutet, gehört in die Mitte der Gesellschaft. Seine Aufgabe ist, herauszufinden und zu definieren, was uns verbindet. Für dieses notwendige Gespräch hat die nicht angekündigte Aktion der Stadt Kassel nichts getan – im Gegenteil, sie hat diesem Gespräch neue Steine in den Weg gelegt. In einer Zeit, in der sich europaweit autoritäre Demokratieverächter anschicken, Pluralismus durch kulturelle Dominanz und das Prinzip der Freiheit gegen autokratische Symbolik zu ersetzen ist es aber unerlässlich, dieses Gespräch möglich zu machen und zu führen.“

(Foto: Tim König)

Interview: „AfD ist die falsche Partei für Juden“

MichelFriedmanMichel Friedman gehört zwar nicht mehr dem Zentralrat der Juden an, aber er ist einer der prominentesten Sprecher des deutschen Judentums, der sich immer gegen den Antisemitismus wandte.

Ist die AfD ein Ort für Juden?

Die AfD ist eine Partei, in der Judenhass und die Relativierung des Holocaust in Teilen der Führung ein Zuhause hat. Sie ist autoritär und antidemokratisch. Deswegen ist diese Partei nicht nur für Juden, sondern für jeden Demokraten der falsche Ort.

Worauf stützen Sie Ihre Behauptung?

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland nannte Hitler und die Nazis einen Vogelschiss in (…)

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Positive Bilanz des Pilotprojekts „Together“

Die Kinder- und Jugendhilfe Haus „Carl Sonnenschein in Fritzlar, deren Träger der Caritasverband-Fulda ist und das Sara Nussbaum Zentrum haben eine positive Bilanz des Pilotprojekts „Together“ gezogen. Im Rahmen des neu entwickelten Formats hatten sich 15 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren ein halbes Jahr lang regelmäßig getroffen, um Themen rund um Migration zu bearbeiten.

Die Teilnehmer aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Albanien und Eritrea besuchten die Ausstellungsräume des Sara Nussbaum Zentrums in Kassel und die Gedenkstätte Breitenau. „Im Vordergrund standen zudem Begegnung, Gespräche und eigene Migrationsgeschichten der Teilnehmer“, sagte die Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, Elena Padva. Bei den monatlichen Treffen gab es zudem immer einen musikalischen Teil mit den Musikern des Duos „Selam & Shalom“ mit jüdischen und alevitischen Liedern sowie ein gemeinsames Essen. „Wir haben dieses Pilotprojekt gemeinsam mit dem Sara Nussbaum Zentrum entwickelt, weil wir einen Wissensbedarf bezüglich der kulturellen und geschichtlichen Kontexte im Judentum bei den von uns zu betreuenden Kindern und Jugendlichen entdeckt haben“, sagte die Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe Haus „Carl Sonnenschein“, Ulla Mex. Bei den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sei „Together“ sehr gut angekommen.

Padva und Mex dankten dem hessischen Landesverband der Deutschen Jugend in Europa für einen finanziellen Beitrag, der das Angebot mit ermöglicht hat. „Die Erfahrungen sind so gut, dass wir nun gemeinsam überlegen werden, ob wir das Projekt im Herbst fortsetzen“, sagte Elena Padva.

ISAK wird auch im Jahr 2018 gefördert

Die Arbeit der Informationsstelle Antisemitismus Kassel für die Erfassung und Veröffentlichung antisemitischer Vorfälle in Hessen wird auch im Jahr 2018 von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert. Das Team des Sara Nussbaum Zentrums freut sich und dankt den Kolleginnen und Kollegen für die Unterstützung!

#Antisemitismus #Empowerment

Antisemitische Vorfälle melden!
Telefon 0561 93728281

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Neue Broschüre: Zwischen Anfeindung und Solidarität

CoverUnsere neue Broschüre zur Situation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland kann ab sofort bestellt werden. Sie enthält zahlreiche Stimmen und Einschätzungen aus der jüdischen Community, dokumentiert die Ausstellung „Kein Sommermärchen“ über israelbezogenen Antisemitismus und bietet zudem wichtige Fachartikel.

„Zwischen Anfeindung und Solidarität“ ist für Multiplikatoren aus Bildungsarbeit, Schule, Politik und Verwaltung ebenso geeignet wie für Schülerinnen und Schüler, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit.

Mit Beiträgen von Ilana Katz​, Martin Sehmisch​, Elena Padva Katz​, Sergey Lagodinsky​, Junges Forum DIG Kassel

Die Herausgabe der Publikation wurde gefördert im Rahmen des Landesprogramms „Hessen aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“. Hinweise zur Bestellung finden Sie hier: http://sara-nussbaum-zentrum.de/anfeindungsolidaritaet/

„Leben nach dem Überleben“ im Bundessozialgericht

Das Sara Nussbaum Zentrum zeigt ab dem 1. März 2018 die Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ im Bundessozialgericht in Kassel. Die Rauminstallation besteht aus Fotografien von Holocaust-Überlebenden und ihren Familien in Israel sowie Videosequenzen und Texttafeln. Aufgegriffen werden die Themenbereiche Holocaust, Trauma sowie das Leben nach dem Überleben der nationalsozialistischen Verbrechen. Zur Eröffnung am 28. Februar erwartet das Sara Nussbaum Zentrum neben dem Präsidenten des Bundessozialgerichts, Dr. Rainer Schlegel, auch die Überlebende Pnina Katsir aus Israel.

Im Fokus: Die Folgen der Schoah – auch für nachfolgende Generationen

Im Mittelpunkt der Schau stehen die Berichte, Gefühle und Gedanken von Überlebenden des Holocaust, die heute in Israel leben. Sie wurden vor mehr als siebzig Jahren zwar befreit, ihr Leben ist aber bis heute von schweren Traumata geprägt. „Die Verbrechen sind vorbei, aber die Folgen sind bis in die dritte Generation der Nachfahren von Überlebenden zu spüren“, sagte die Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, Ilana Katz, am Dienstag bei der Vorstellung des Projekts in Kassel. Zum Verständnis sowohl der Schoah als auch der heutigen Situation der jüdischen Gemeinschaft sei es wichtig, diesen in der deutschen Öffentlichkeit selten vertieft thematisierten Aspekt zu kennen und zu verstehen, so Katz. Die Ausstellung fragt deshalb, was das Leben nach dem Überleben mit sich bringt für die Überlebenden und ihre Familien. Wie wirken die Schrecken der Verfolgung heute nach? Welchen Einfluss hat der Umgang der Gesellschaft mit der Vergangenheit auf die individuelle Aufarbeitung?

Ilana Katz: Es geht um die Zukunft der Erinnerung

„Es ist von unschätzbarem Wert, dass die Überlebenden der Schoah in der Ausstellung selbst zu Wort kommen und jüngere Generationen so die Möglichkeit der persönlichen Annäherung bekommen“, sagte Katz, die auch Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel ist. Für die Zukunft der Erinnerungskultur in Deutschland sei zudem die Frage wichtig, welche Formen man künftig für die Vermittlung der Schoah finden werde. „Die Ausstellung von Amcha und Helena Schätzle gibt hier eine zeitgemäße Antwort“, sagte die Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, Elena Padva. „Wir möchten besonders junge Menschen erreichen und sind deshalb froh, dass bereits einige Schulklassen für einen Besuch angemeldet sind“, sagte Padva.

Für die engagierte Unterstützung der beteiligten Sponsoren (Liste siehe unten) sei man besonders dankbar, so Padva. Das von dem jüdischen Zentrum in enger Zusammenarbeit mit Bildungs- und Kultureinrichtungen – etwa dem Staatstheater Kassel und verschiedenen Schulen – organisierte Rahmenprogramm soll zudem eine vertiefte thematische Auseinandersetzung ermöglichen.

Eindrucksvolle Fotos sind Grundlage der Installation

Die Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ entstand im Kontext einer intensiven Beschäftigung mit Überlebenden der Schoah und ihren Familien in Israel. Im Auftrag von Amcha Deutschland, einer Hilfsorganisation für die psychologische und psychotherapeutische Unterstützung von Holocaust-Überlebenden, hat die in Kassel ausgebildete und ausgezeichnete Künstlerin Helena Schätzle viele Monate zumeist betagte Überlebende in Israel begleitet und im Kreis ihrer Angehörigen porträtiert. Entstanden sind zusätzlich zu den Fotografien eindrucksvolle Miniaturen, in denen die emotionalen Spuren einer immer noch präsenten Vergangenheit sichtbar werden. Schätzle zeichnet die Protagonisten dabei nicht eindimensional und als Projektionsfläche für die Veranschaulichung der nationalsozialistischen Verbrechen, sondern vielschichtig und nahbar. So werden neben Angst und Trauer auch Freude und Vitalität sichtbar. en porträtiert. Entstanden sind zusätzlich zu den Fotografien eindrucksvolle Miniaturen, in denen die emotionalen Spuren einer immer noch präsenten Vergangenheit sichtbar werden. Schätzle zeichnet die Protagonisten dabei nicht eindimensional und als Projektionsfläche für die Veranschaulichung der nationalsozialistischen Verbrechen, sondern vielschichtig und nahbar. So werden neben Angst und Trauer auch Freude und Vitalität sichtbar.

Tagesseminar „Wer ist „wir“? Gesellschaftliche Heterogenität und Homogenitätsvorstellungen in Geschichte und Gegenwart“

Dienstag, 6. Februar 2018, 10 bis 17 Uhr
Ort: Sara Nussbaum Zentrum Kassel, Ludwig-Mond-Straße 127
Anmeldung & Rückfragen: manuel.glittenberg@degede.de
Die Teilnahme ist kostenlos.

Der Workshop ist als ganztätige Fortbildung konzipiert und kombiniert Elemente der historischen Bildung mit demokratiepädagogischen und menschenrechtsbasierten Methoden. Er richtet sich an Menschen, die haupt- oder ehrenamtlich mit Geflüchteten zu tun haben (z.B. Sozialarbeiter_innen, Verwaltungsangestellte, Unterstützer_innen in Flüchtlingsinitiativen, Pädagog_innen, Lehrer_innen).
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus befanden sich Millionen von Displaced Persons auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches: Überlebende der Konzentrationslager, nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter sowie jüdische Menschen, die dem Holocaust entkommen waren. Ein großer Teil von ihnen kehrte später in die jeweiligen Herkunftsländer zurück. Diejenigen, für die eine Rückkehr wegen der politischen Situation in Osteuropa oder der Angst vor antisemitischen Übergriffen nicht in Frage kam, emigrierten in ein Drittland. Einige verblieben als sogenannte „Heimatlose Ausländer“ in der Bundesrepublik. Die Geschichte der Displaced Persons verweist nicht nur auf den von den Deutschen verübten Völkermord, sondern auch auf die Heterogenität der deutschen Gesellschaft und den Umgang der Alliierten mit „Displacement“ nach 1945.
Die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte kann dazu beitragen, unser Bild von der deutschen Gesellschaft und ihrer (fort)bestehenden heterogenen Verfasstheit zu schärfen und Homogenitätsvorstellungen in Geschichte und Gegenwart kritisch zu betrachten. Für die Auseinandersetzung mit den gegenwärtig geführten Diskussionen zum Thema Flucht und Menschenrechte können so wichtige Impulse gegeben und Erkenntnisse im Hinblick auf die Wahrung der Würde des Menschen und des Rechts auf Selbstbestimmung deutlich gemacht werden.
Mit Hilfe interaktiver Methoden wird den Teilnehmenden im Workshop neben historischen Einblicken Handlungssicherheit im Umgang mit Heterogenität sowie eine Stärkung in der Auseinandersetzung mit Rassismus und Anfeindungen vermittelt. Die Teilnehmenden werden dabei ermutigt, eigene Vorstellungen zum Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft zu entwickeln und einzubringen.
Ein gemeinsames Workshop-Angebot des International Tracing Service (ITS) und des DeGeDe-Projekts „Zusammenleben neu gestalten“. Zum Flyer

Performance der documenta 14 relativiert die Shoah

DocmentaDie Weltkunstausstellung documenta 14 lädt vom 24. bis 26. August täglich zu einer Performance unter dem Titel „Auschwitz on the beach“ in das Museum Fridericianum in Kassel ein. Im Ankündigungstext wird die europäische Migrationspolitik mit Vokabeln belegt, die aus dem Kontext des nationalsozialistischen Massenmords an den europäischen Juden stammen. So heißt es, „die Europäer“ errichteten „Konzentrationslager und bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat“ (1). Als beteiligte Urheber werden Franco Berardi, Stefano Berardi und Dim Sampaio genannt. Der Ankündigungstext stammt in weiten Teilen aus einem Text von Franco Berardi, der in einer im Internet nach wie vor verfügbaren Version (2) auch den Staat Israel in die Reihe der als „Gauleiter“ bezeichneten Staaten stellt.

„Die Ankündigung der Performance ist eine politisch-moralische Bankrotterklärung“

„Die documenta 14 lädt damit zu einer Performance ein, die bereits mit ihrer Ankündigung die nationalsozialistische Judenvernichtung relativiert“, sagte der Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch. Der Text der documenta behaupte eine moralische Äquivalenz zwischen den Verbrechen der Nationalsozialisten und der europäischen Migrationspolitik und ignoriere damit sowohl historische Tatsachen als auch den Stand der Forschung zur NS-Ideologie. Den Tod von Geflüchteten mit der systematischen Ermordung fast aller europäischer Jüdinnen und Juden durch die wahnhaft antisemitischen Nationalsozialisten und ihre Helfer gleichzusetzen werde weder der Shoah noch den Ursachen der Fluchtkrise gerecht. „Die Ankündigung der Performance ist eine politisch-moralische Bankrotterklärung der Verantwortlichen und ein Zeichen von Hybris“, sagte Sehmisch. Eine Debatte derart zu entgrenzen sei auch angesichts der Ausbreitung von demokratieskeptischen, antisemitischen, verschwörungstheoretischen und fremdenfeindlichen Bewegungen unverantwortlich.

Siehe auch:

HNA online: „Heftige Kritik an Auschwitz-Aktion“ (17. August 2017)
„Auschwitz auf dem Strand“ ist der Titel einer documenta-Kunstaktion, die für Empörung sorgt. zum Artikel

Hessenschau.de: „Performance ‚Auschwitz am Strand‘ sorgt für Kritik“ (17. August 2017)
Ein Vergleich der europäischen Flüchtlingspolitik mit der systematischen, industriell betriebenen Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden – Martin Sehmisch, Leiter der „Informationsstelle Antisemitismus Kassel“ ist entsetzt: „Die documenta 14 lädt zu einer Performance ein, die bereits mit ihrer Ankündigung die nationalsozialistische Judenvernichtung relativiert.“ zum Artikel

Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Kassel e. V. (23. August 2017)
„(…) In dem offiziellen Ankündigungstext dieser künstlerischen Aktion jedoch wird der Vergleich zum Holocaust gezogen, ist von Konzentrationslagern, die auf europäischem Territorium gebaut werden, und vom Salzwasser des Mittelmeeres, das das Zyklon B ersetzt die Rede. Dieser Vergleich ist nicht nur geschmacklos und verletzend, er stimmt weder historisch noch entspricht er den Tatsachen. Verletzend ist er für die, die das Inferno überlebt haben und für die, die ermordet wurden und deren Nachkommen, die heute noch unter den Folgen leiden. Was die Fakten betrifft, der Holocaust war ein industriell geplanter Völkermord an einer bestimmten Bevölkerung ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Überzeugung wegen. Er war eine geplante Vernichtungsaktion. (…)“