Jüdische Kultur online

Unsere aktuellen CD-Empfehlungen

In den vergangenen Wochen hat das Sara Nussbaum Zentrum auf dem Social Media Kanal bei Facebook eine kulturelle Reihe veröffentlicht. Immer zum Schabat ging es um aktuelle oder schon etwas länger bekannte Musik, die einen interessanten Bezug zu jüdischem Leben und jüdischer Kultur hat und unserem Team besonders am Herzen liegt.

Die Auswahl war bewusst breit getroffen. Sei es, dass die Musiker*innen selbst jüdisch sind, dass die Komponistinnen aus jüdischen Familien stammten oder dass es sich um Musik mit Bezug zum Judentum handelte. Eine breite Palette an Melodien, Klängen und Stilistiken war uns gleichermaßen wichtig: vom Klezmer bis zur Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy, von Popmusik über Film-Scores bis zu Brückenschlägen zwischen verschiedenen Genres.

Hier finden Sie noch einmal eine Übersicht der von uns ausgewählten Titel:

  • Sistanagila: Urub. (Spinnup)
  • Jan Lisiecki, Orpheus Chamber Orchestra: Mendelssohn. (DGG)
  • Omer Adam: OMER | עומר. (P.A.I.)
  • Benny Goodman: The Complete Legendary 1938 Carnegie Hall Concert. (American Jazz Classics)
  • Sveta Kundish/Daniel Kahn: Mentshn-Fresser. (YouTube)
  • Erich Wolfgang Korngold: The Sea Hawk / Deception. (Naxos)
  • Jewdyssee: 5773. (Panshot Records)
  • Escher String Quartet: Zemlinsky – String Quartets Vol. 1. (Naxos)
  • Asaf Avidan: Gold Shadow. (Polydor)
  • Klezmerata fiorentina: Fifteen Variations on the Theme of Life. (NBB Records)

Kurze Vorstellungen der einzelnen Alben bzw. Titel finden Sie in unserer Facebook-Timeline. Wir freuen uns, wenn Sie uns dort folgen, und wünschen viel Spaß beim Stöbern, Entdecken und Genießen!

Zu Gast in der Video-Reihe „Draußen auf der Bank“

Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, im Videointerview mit Rüdiger Jungbluth (Evangelisches Forum Kassel). (Bild: Evangelisches Forum Kassel)

Die Leiterin des Sara-Nussbaum-Zentrums, Elena Padva, war im Juli Video-Reihe „Draußen auf der Bank“ des Evangelischen Forums Kassel zu Gast. Die aktuelle Folge ist gerade unter anderem auf YouTube veröffentlicht worden.

Das Gespräch mit Dr. Rüdiger Jungbluth drehte sich insbesondere um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeit im Kultur- und Bildungssektor. Klar wurde zudem, dass die aktuellen Umstände wie ein Brennglas für gesellschaftliche Entwicklungen wirken.

„Krisenzeiten sind Verschwörungszeiten“, so Elena Padva. Als Beispiel nannte sie das verstärkte Aufkommen von Verschwörungstheorien. „Wenn man ein Blick in die Geschichte blickt, kann man sehen, wie gerade Juden immer wieder zur Projektionsfläche für Vorurteile wurden“, so Elena Padva. Der Wunsch nach einfachen Erklärungen auch heute sei verständlich. Doch gerade Vorfälle wie so genannte Judensterne auf Corona-Demos machten große Sorgen.

Gleichzeitig, betonte Elena Padva, gebe es aber auch bemerkenswerte positive Effekte der Pandemie: „Die Menschen solidarisieren sich und kommen sich entgegen.“ Das haben insbesondere die älteren Mitglieder jüdischen Gemeinde erfahren, bei denen sich viele Menschen persönlich oder telefonisch gemeldet und Hilfe angeboten hätten.

Wir danken dem Evangelischen Forum herzlich für das Interview.

„Eli, Eli“ zum Gedenktag Jom HaSchoa

Jom HaSchoa ist die Kurzform des Namens eines wichtigen israelischen Nationalfeiertags. Nach gregorianischem Kalender fällt er in diesem Jahr auf den 21. April, wobei er nach jüdischer Tradition bereits mit dem Sonnenuntergang des Vortages begonnen hat. Sein voller Name lautet „Tag des Gedenkens an Holocaust und Heldentum“.

Menschen auf der ganzen Welt gedenken an diesem Tag der rund sechs Millionen Opfer ihres Glaubens, welche der Holocaust gefordert hat. Symbolische Handlungen, die mit diesem Tag verbunden werden, sind sowohl leise als auch laut. So werden lodernde Fackeln entzündet, aber auch die Sirenen heulen während einiger Gedenkminuten am Morgen in ganz Israel. Gleichzeitig steht der Verkehr dort still – das öffentliche Leben hält ein. Dies sind nur einige Beispiele für viele Gedenkhandlungen und -aktionen auf der ganzen Welt.

Erinnerung an Hannah Szenes

HaSchoa ist dazu auch ein Tag, an welchem dem jüdischen Widerstand gedacht wird. Eine Widerstandskämpferin mit großem Mut und tragischem Schicksal war die ungarische Jüdin Hannah Szenes. Sie wurde 1921 in Budapest geboren und war die Tochter eines Journalisten. Schon früh entwickelte sie großes Interesse an Literatur und Poesie; sie soll eine ausgezeichnete Schülerin gewesen sein und durfte eine Eliteschule besuchen.

Als junge Frau entwickelte Hannah Szenes dann starke politische Ambitionen. Mit dem Willen zum Widerstand meldete sie sich im Jahr 1943 bei der britischen Armee und wurde zur Kämpferin ausgebildet. In einer spektakulären Aktion sprang sie mit rund dreißig anderen Personen im März 1944 mit einem Fallschirm hinter den feindlichen Linien in Jugoslawien ab. Die Mission lautete, Piloten der Alliierten zu befreien und dann aus dem Untergrund heraus jüdischen Menschen zu helfen.

Nachdem sie die ungarische Grenze überquert hatte, wurde Hannah Szenes verhaftet, in Budapest verhört und sowohl körperlich als auch psychisch brutal gefoltert. Schließlich verurteilte man sie zum Tode. Am 7. November 1744 wurde sie in ihrer Geburtsstadt Budapest erschossen. Ihre Gebeine wurden Jahre später nach Israel überführt.

Eli, Eli

Das Gedicht „Ein Spaziergang nach Caesarea“, das wir zum diesjährigen Gedenktag HaSchoa ausgewählt haben, gehört zu den bekanntesten Werken der Lyrikerin Hannah Szenes. Sie hat es 1942 geschrieben, und bereits 1945 wurde es vom israelischen Komponisten David Zehavi (1910-1977) vertont. Als „Eli, Eli“ („Mein Gott, mein Gott“, die erste Zeile des Gedichts) ist es sehr berühmt geworden, ja es gilt manchen sogar als inoffizielle israelische Hymne.

Der hebräische Originaltext lautet in deutscher Übersetzung:

Mein Gott, mein Gott,
lass niemals enden:
den Sand und das Meer,
das Rauschen des Wassers,
die Blitze des Himmels
und das Gebet des Menschen.

Mitglieder des Cantamus Jugendchors haben das Lied im Februar 2019 als Teil einer selbst-entwickelten literarisch-musikalischen Komposition über das Ghetto Theresienstadt zum Klingen gebracht. Ort dieser Aufführung war die CROSS Jugendkulturkirche in Kassel. Die Leitung hatten Maria Radzikhovskiy und Elena Padva.

„Es ist einerseits ein sehr ruhiges Lied, in dem es nicht um Kampf oder Krieg geht, sondern um die Wertschätzung der Welt“, so Elena Padva. „Andererseits schwingt in der melancholischen Melodie immer auch das tragische Schicksal der Autorin mit.“

„An Pessach betrachten wir die geistige Seite des Lebens“

Am 8. April beginnt Pessach, eines der wichtigsten jüdischen Feste. Jüdinnen und Juden erinnern an die Befreiung aus der Sklaverei, mit dem Auszug aus Ägypten frei geworden zu sein. Wir haben mit dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde Kassel, Shaul Nekrich, über die Bedeutung des Fests gerade in Krisenzeiten wie diesen gesprochen.

Schmuckstück für das Fest: Ein besonders aufwändig verzierter Sederteller. (Bild: privat)

Warum ist Pessach so wichtig für die jüdische Community?

Der Auszug aus Ägypten ist tief verwurzelt im jüdischen Glauben und unserer Kultur. Alle jüdischen Feiertage, die in der Tora erwähnt werden, sind damit eng verbunden. Nicht nur an diesen Tagen, sondern jeden Tag beim Gebet „Shma Israel“ („Höre Israel“) wird ein Bezug auf den Auszug aus dem Ägypten genommen. Als mehrtägiges Fest hat Pessach aber eine besondere Bedeutung.

Mit dem Auszug aus Ägypten ist das jüdische Volk frei geworden. Geht es ausschließlich um diese physische Befreiung?

Nicht allein – besonders auch die innere, geistige Freiheit ist damit gemeint. Pessach lehrt uns: Jeder Mensch trägt die Fähigkeit, sich von allem Materiellen zu distanzieren und die geistige Seite des Lebens zu betrachten.

Wie kann das gelingen? Etwa, indem man bestimmte Dinge unterlässt, etwa bestimmtes Essen oder bestimmte Lieder?

Es geht nicht darum, was man an diesem Feiertag unternimmt oder eben sein lässt. Es geht um die geistige Komponente. Um das zu verstehen, muss man diese innere Freiheit in sich selbst finden. Jede Handlung, die man an diesen Tag unternimmt, hat eine geistige Wurzel und ist der Schlüssel zu diesem Feiertag. So ähnlich wie die Gebete. So findet man den Sinn der alltäglichen Existenz in sich.

Am ersten Abend des Fests, dem Sederabend, wird im Kreis der Familie und Freunde die Pessah-Hagada, die Geschichte des Auszugs erzählt. Durch die derzeitige Pandemie müssen wir aber eher voneinander Abstand nehmen. Wie sollte man mit diesem Widerspruch umgehen?

Seder Pessach ist ein Familienfest. Es zusammen mit der ganzen Community zu feiern, ist eher ein Brauch in Deutschland. In Israel dagegen feiert man es nur im engen Familienkreis, wobei man auch Großeltern einlädt. Das wird in diesem Jahr schwierig sein. Man wird darauf verzichten können.

Steht die Vorschrift, sich nicht zu versammeln, über dem religiösen Brauch?

Sich um die eigene Gesundheit und die Gesundheit der anderen zu kümmern, steht über dem Erfüllen von Traditionen. Ich sehe es so: Pessach gibt uns in diesem Jahr eine große Chance, die eben beschriebene geistige Freiheit zu finden. Gerade in dieser Ausnahmesituation, in der wir physisch und sozial so eingeschränkt sind, erhalten wir die Möglichkeit, mehr über die geistige Freiheit nachzudenken. Das sollten wir tun.

Vielen Dank für das Gespräch!

Pessach 2020: Wie wird das Fest in diesem Jahr gefeiert?

Ab dieser Woche feiern Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt das Pessach-Fest. Doch wie funktioniert das eigentlich in dieser besonderen Zeit? Gabi Katz hat sich für uns in der jungen Community umgehört.

Jüdisches Leben in Zeiten von Corona

Die Corona-Krise belastet das Leben vieler Menschen weltweit. Trotzdem hört das Kulturleben nicht auf. Wir haben auf dieser Seite drei aktuelle Kulturtipps mit Bezug zum jüdischen Leben für Sie zusammengestellt.

1. „Fühlen Sie Ihre Verbindung zu anderen“ – Natan Scharanski gibt 5 Tipps für die Zeit in Quarantäne

Natan Scharanski, Israelischer Politiker, Autor und langjähriger Leiter der Jewish Agency, gibt in einem unterhaltsamen Video fünf Tipps für die Zeit in Isolation. Der heute 72-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, wie man mit bedrückenden Situationen umgeht. Seit seiner Verhaftung durch sowjetische Behörden im Jahr 1977 verbrachte er neun Jahre in einem Gulag, die Hälfte dieser Zeit in Einzelhaft. Nach seiner Befreiung ging er nach Israel, wurde zum einflussreichen gesellschaftlichen Akteur.

Eine seiner charmant vorgetragenen Botschaften lautet: „Führen Sie Ihre Verbindung zu anderen und erinnern Sie sich daran: Sie sind nicht allein. Wir Juden waren für Tausende von Jahren über die ganze Welt verstreut, aber immer hatten wir diesen Gefühl, ein Teil eines großen, großartigen Volks zu sein.“

2. „Mozart for Quarantine“ mit dem Jerusalem Street Orchestra

Viele Musikerinnen und Musiker sind von den Auswirkungen der Pandemie derzeit direkt betroffen – durch geschlossene Konzerthäuser, abgesagte Proben und fehlende Unterrichtsmöglichkeiten. Das junge Jerusalem Street Orchestra, das sich aus Absolventen der Jerusalem Music Academy zusammensetzt, hat sich auf digitalem Weg zusammengetan. Per Videokonferenz ist eine beeindruckende Version einer berühmten Komposition entstanden: der „Kleinen Nachtmusik“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Die Musikerinnen und Musiker sind auf einem bis zu 16-fach geteilten Bildschirm zu bewundern. Als Zuschauer kommt man ihnen dabei so nah, wie es wohl in kaum einem Konzert möglich ist.

Eine geschickte Nachbearbeitung sorgt dafür, dass man das musikalische Meisterwerk trotz Einbußen der Tonqualität sehr gut genießen kann. Schon jetzt hat das Video über 6800 Klicks in den sozialen Medien. Offenbar ein großartiger Mutmacher …

3. Hannah Arendt wird in Online-Hörcollagen lebendig

Totalitarismus, Antisemitismus, die Lage von Flüchtlingen, der Eichmann-Prozess, der Zionismus, das politische System und die Rassentrennung in den USA, Studentenproteste und Feminismus. Zu all diesen Themen bezog die Philosophin Hannah Arendt Stellung. Ihre Urteile und Meinungen sind noch heute voller Sprengkraft.

Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums zu Arendts Leben und Werk – „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“, in dem sich immer auch die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts spiegelt, konnte wegen der aktuellen Krise nicht eröffnet werden.

Das Berliner Museum hat sich daher entschlossen, die Ausstellung in Teilen online zugänglich zu machen. Eine Bildergalerie gibt Einblicke in die Räumlichkeiten, besonders spannend aber ist die Sammlung von Hörcollagen, die in Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender rbbKultur entstanden sind. Zugegeben: Das Angebot setzt etwas Vorwissen und Konzentration voraus. Doch allein die mutige Philosophin wortstark und unerlässlich rauchend im Hörspiel zu erleben, lohnt den Besuch der Online-Ausstellung.

Hier geht es zum Angebot: Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert – Follow online

„Lachen und Weinen gehen immer zusammen!“

Interview mit Ilana Katz, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, zu den aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise auf das jüdische Leben in Kassel

Ilana, du bist die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Kassel. Wie betroffen ist die Gemeinde jetzt, Ende März, von der Corona-Virus-Pandemie?

Unsere Gemeinde ist sehr betroffen, vor allem wegen des meist hohen Alters unserer Mitglieder. Etwa Dreiviertel unter ihnen sind älter als 65 Jahre. Sie zählen also zu einer besonders gefährdeten Gruppe.

Ilana Katz ist die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Kassel.

Wie eingeschränkt ist das jüdische Leben derzeit?

Das Purimfest ist ausgefallen, und nun wird auch Pessach ausfallen. Die Sabbat-Gottesdienste finden nicht statt, die Tora wird nicht gelesen. Unser Rabbiner befindet sich in Quarantäne in Israel. Es betrifft auch den entfallenden Religionsunterricht an den Schulen, die Schi’urim, die fehlenden Lehrstunden für Erwachsene usw. Eigentlich alle Aktivitäten, die in einer Gemeinde sonst für Leben sorgen.

Wie tauschen sich die Gemeindemitglieder trotzdem aus?

Das geht vor allem per Telefon und Handy. Außerdem ist in der Synagoge an jedem Werktag jemand präsent. Jeder kann also in der Synagoge anrufen und es wird versucht, zu helfen. Wir möchten dadurch die Kommunikation unterstützen, so gut es geht.

Das Sara Nussbaum Zentrum steht für die Vermittlung von jüdischem Leben und jüdischer Kultur. Wie wichtig ist Kultur jetzt?

Egal in welcher Zeit, Kultur ist immer sehr wichtig! (lacht) Wir teilen unsere Geschichten und Erinnerungen. Auch moderne Medien werden immer häufiger genutzt. Zum Beispiel versenden unsere Rabbiner kurze Statements per Handy. Diese Nachrichten verbreiten sich gut. Sie werden mir teilweise sogar von meinen christlichen Bekannten weitergeleitet. Das ist toll.

Und wie ist es mit denjenigen, die kein Smartphone benutzen?

Kraft gibt uns auch immer wieder die Musik, unsere Lieder und Melodien. Viele Lieder, gerade die jüdischen, kommen aus Israel und sind Gebete. Und auch Witze gehören stark zur jüdischen Kultur. In unserer Tradition gehen Lachen und Weinen bekanntlich immer zusammen.

Wie geht die Arbeit für die jüdische Kultur weiter?

Sehr wichtig ist, dass wir in der Kulturszene weiterhin arbeiten, auch von zuhause aus. Wir bringen unzählige Ideen zu neuen Projekten ein. Dabei sind ganz viele Menschen miteinander verbunden. Wir tauschen uns über Skizzen und Entwürfe aus und arbeiten gemeinsam daran, dass es weiter geht.

Du bist selbst als Unternehmerin im Pflege-Sektor tätig. Was bedeutet die Krise für deinen Betrieb?

Es gibt vielfältige Probleme. In der Regel haben wir genug Handschuhe, Desinfektionsmittel, Mundschutze, Einwegkleidung usw. für ein halbes Jahr auf Vorrat. Auch wenn wir gut vorbereitet sind, befinden wir uns im Moment aber doch spürbar an der Grenze. Leider passieren auch immer wieder schreckliche Vorfälle. Besonders, dass wichtige Ausrüstung wie Desinfektionsmittel gestohlen wird, ist für mich eine inakzeptable Straftat.

Welche Gedanken bewegen dich als Unternehmerin?

Ich hoffe, wir verlieren keine Menschen und überstehen die Pandemie. Ich mache mir Sorgen um alle meine Bekannte, Freunde und meine Mitarbeiter. Dieser große Kreis ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Und ich hoffe, alle überstehen dieses Virus – nicht nur physisch, sondern auch psychisch.

Viele, auch Angehörige von Älteren, haben Sorgen und Unsicherheiten. Was sagst du ihnen?

Wir haben unseren Betrieb so organisiert, dass wir Patienten zuhause betreuen. Wir achten auf Schutz und Desinfektion. Ich kann natürlich gar nichts versprechen, aber alle geben sich die größte Mühe und arbeiten sehr professionell: Wir kaufen ein, wir bringen Essen und liefern es an die Tür. Spaziergänge werden zu zweit und an der frischen Luft gemacht. Für Menschen, die nicht allein zuhause sein können und dürfen, haben wir Notgruppen organisiert. So achten wir auch auf diese Personen.

Trotz der aktuellen Probleme geht man davon aus, dass die Situation bald vorübergeht. Welche Erlebnisse, welche Gedanken machen dir im Moment am meisten Hoffnung?

Mein Geburtstag! (Lacht.) Auch wenn er in diesem Jahr wohl in ganz kleinem Kreis gefeiert wird. Ich bin so begeistert von der Arbeit des Sara Nussbaum Zentrums, von den neuen Projekten, die wir bald beginnen. Ich genieße schon jetzt diese kreative Phase und ich weiß, das wird großartig.

Vielen Dank für das Gespräch!