Pessach 2021 – Chag sameach!

An Pessach feiern Jüdinnen und Juden in der ganzen Welt ein Fest, dass an den Auszug des jüdischen Volks aus Ägypten erinnert. Der Gedanke der Freiheit spielt dabei eine große Rolle: Was ist sie? Wo endet sie? Wie leben wir (in) Freiheit? Das sind Gedanken, die in der Corona-Pandemie eine ganz besondere Aktualität haben, und die auch unser Team besonders beschäftigen.

Wir beobachten mit Sorge, wie der Freiheitsbegriff in diesen Tagen und direkt bei uns in Kassel missbraucht werden kann. Unsere eigene Freiheit ist durch Auflagen und Distanzgebote tagtäglich eingeschränkt. Gleichzeitig sind wir dankbar für die Freiheiten, die wir in unserem Denken und Tun genießen können. Lebendige, optimistische Freiheit ist für uns nach wie vor ein hohes, schützenswertes Gut.

Ein Padlet ist eine digitale Pinnwand. Wir haben es genutzt, um Gedanken zum Thema Freiheit zusammenzutragen.

Um uns diesen Gedanken zu nähern, haben wir eine digitale Sammlung auf dem Portal Padlet eingerichtet. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll Einblicke und Anstöße vermitteln, selbst über das Thema Freiheit nachzudenken.

Hier gelangen Sie zu unserem Padlet (externer Link).

Wir wünschen allen Chag sameach, ein frohes Fest!

(Titelbild: Ilana Katz)

„Corona-Demos“ und Antisemitismus

In der Vergangenheit haben Veranstalter*innen und Teilnehmende von „Corona-Demos“ unter einem in unseren Augen falschen Verständnis von Meinungsfreiheit immer wieder gebilligt, dass antisemitische und die Shoa oder den Widerstand gegen den Nationalsozialismus relativierende Symbole und Reden Teil ihrer „Bewegung“ sind. Das ist nun auch wieder in Kassel zu befürchten, nachdem das Demo-Verbot kürzlich gekippt wurde.

In der Ausstellung des Sara Nussbaum Zentrums sind historische Abbildungen des gelben Sterns zu sehen. (Bild: ep/SNZ)

Bereits im Sommer 2020 haben wir darauf aufmerksam gemacht, welche Auswirkungen es konkret auf Jüdinnen und Juden haben kann, wenn Symbole wie der Gelbe Stern im Zusammenhang mit Opferstilisierung in Zeiten der Pandemie instrumentalisiert werden.

Antisemitismus und relativierende Bezüge zum Nationalsozialismus können niemals einen freiheitsliebenden, demokratischen Zweck haben, sondern sie schüren Hass, dienen der Spaltung und verbreiten Hetze. Das muss allen, insbesondere denen, die an der Veranstaltung am Wochenende beteiligt sind, bewusst sein.

Siehe dazu auch die aktuelle Berichterstattung (externe Links):

Zum Hintergrund (externe Links):

Spannende Einblicke ins Atelier

Zwischen Lacken, Farben, Pinseln und Leinwänden gibt Ilana Katz, Geschäftsführerin des Sara Nussbaum Zentrums, einen Einblick in ihr Atelier. Die Kunstwerke werden Bestandteil der neuen Ausstellung „Netz gegen Hetz“ im Sara Nussbaum Zentrum.

„Jede und jeder muss mit anpacken!“

Interview mit Alexander Katz über Judentum und Antisemitismus

Alexander Katz, Sie sind stellvertretender Geschäftsführer des Sara Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben und engagieren sich ehrenamtlich in der jüdischen Gemeinde in Kassel. Wie sieht Ihr persönlicher jüdischer „Background“ aus?

Alexander Katz: Meine Familie kam Anfang der 1990er Jahre aus der Sowjetunion, wie die meisten Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Kassel. Viel früher, um das Jahr 1800, kamen unsere familiären Vorfahren aber wohl aus dem Bereich Nordösterreichs oder Süddeutschlands. Wenn man so will, sind wir als Familie also nach Deutschland „zurückgekommen“.

Ist die Erfahrung von Antisemitismus für Sie persönlich ein Thema?

Katz: Das ist unterschiedlich. Zu sagen, dass es keine Belastung wäre, ist falsch. Man erfährt sie. Zum Beispiel wird man hier in Kassel nicht ständig und ununterbrochen diskriminiert. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich keine Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht hätte.

Denken Sie dabei an einen konkreten Vorfall?

Katz: Es ist ja nicht so, dass jeder sagt: „Du bist Jude und bist jetzt eine Person zweiter Sorte.“ Aber wenn auf einer Party eingeladen bin und jemand spät nachts feststellt, dass ich Jude bin, ist es schon vorgekommen, dass ich mich nach einem Kasten Bier plötzlich für den Nah-Ost-Konflikt rechtfertigen muss. Das ist sehr unangenehm.

Was wäre ihr Wunsch, was sollte sich ändern?

Katz: Ich lebe seit zwanzig Jahren in Kassel, mittlerweile mehr, und ich bin ein ganz normaler Kasselaner, ich bin hier zur Schule gegangen, ich habe mein Leben als Erwachsener hier in Kassel verbracht. Ich möchte mich einfach so behandelt fühlen wie jeder andere vor Ort.

Kann es eine grundsätzliche Lösung gegen Antisemitismus geben?

Katz: Das ist eine Frage, die sehr weitreichend ist, zumal auch Antisemitismus selbst sehr viele Formen hat. Was die Prävention angeht, bin ich der Meinung: Jeder muss sich da erst einmal an die eigene Nase fassen. Man kann nicht sagen, ich setzte mich hin und warte, bis die Politik etwas löst, sondern jede und jeder muss da mit anpacken.

Sie selbst geben unter anderem ehrenamtlich Führungen durch die Synagoge in Kassel. Welche Rolle spielt Bildung im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Antisemitismus?

Katz: Eine ganz große Rolle, denke ich. Wichtig sind neben Erziehern und Lehrern vor allem die Eltern: Sie sollten ihre Kinder ohne Hass erziehen. Und das würde mich freuen, denn dann würden die Leute ins Sara Nussbaum Zentrum oder zur Führung in die Synagoge kommen und wir würden nur über das Judentum reden. Weil das eine interessante Religion ist und jüdisch zu sein viele Perspektiven hat.

Vielen Dank an Mark Chemkovskii für das Interview.

Jüdische Bildungsarbeit: Herausforderungen sind Chancen!

Die Bildungsarbeit zählt zu den Kernangeboten des Sara Nussbaum Zentrums für jüdisches Leben in Kassel. Auch in diesem Bereich hat die Corona-Pandemie vieles verändert. Elena Padva und Torsten Gleichmann aus dem Team berichten, welche Herausforderungen, aber auch Chancen sich derzeit ergeben.

Die politische Bildungsarbeit ist für das Sara Nussbaum Zentrum ein wichtiger Teil der Arbeit. Welche Angebote werden derzeit gemacht oder erarbeitet?

Elena Padva: Wir bieten Workshops zu einer ganzen Reihe unterschiedlicher Themen an, die alle mit jüdischem Leben und jüdischer Kultur verbunden sind. Die Geschichte des Judentums, gerade hier vor Ort in Kassel und Nordhessen, spielt dabei immer eine wichtige Rolle. Es geht uns aber gerade auch um Themen, die für Jüdinnen und Juden in der Gegenwart zentral sind.

Welche Rolle spielt dabei aktuell das Thema Antisemitismus?

Torsten Gleichmann: Die Auseinandersetzung mit Hass gegen Jüdinnen und Juden hat in unserer Arbeit natürlich immer eine maßgebliche Rolle gespielt. In der aktuellen Corona-Krise, vor allem durch die Ereignisse auf so genannten Hygiene-Demos und durch Entwicklungen im Netz, hat sich die Lage nach unserer Wahrnehmung deutlich verschärft. Die Beschäftigung mit antisemitischen Stereotypen wie beispielsweise Verschwörungstheorien und wie man mit Antisemitismus umgeht, hat an Wichtigkeit gewonnen – gerade übrigens im Bildungskontext, an Schulen und im Alltag.

Das Sara Nussbaum Zentrum bietet Bildungsangebote zum Thema jüdisches Leben und jüdische Kultur, wie hier in einer Schule im Raum Kassel.

Was macht die Bildungsarbeit des Sara Nussbaum Zentrums in diesem Zusammenhang aus? Warum kommen Menschen zu Ihnen, wenn Sie Rat und Beratung suchen?

Elena Padva: Themen wie Antisemitismus sind nie einfach zu behandeln. Sicherlich können wir keine standardisierten Antworten oder Lösungen aufzeigen. Was wir als Mitarbeiter eines Zentrums für jüdisches Leben leisten können, ist, ein authentisches Bild davon zu vermitteln, wie Jüdinnen und Juden hier in Kassel leben, was sie bewegt, welche Perspektiven sie haben.

Wir können ein authentisches Bild davon vermitteln, wie Jüdinnen und Juden hier in Kassel leben.

Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben

Dafür können wir am Unterricht teilnehmen, wenn auch zurzeit nur noch digital. Bei unseren Fortbildungen für Lehrer*innen besteht die Möglichkeit für einen Austausch, was sehr hilfreich sein kann. Es werden dann Situationen modelliert bzw. aus dem Schulalltag besprochen sowie nach Ursachen und Lösungen gesucht.

Wie kann dieses Angebot derzeit angenommen werden?

Torsten Gleichmann: Interessierte können jederzeit gern persönlich mit uns Kontakt aufnehmen. Das geht zum Beispiel über eine Anfrage per E-Mail oder telefonisch. Die Corona-Pandemie bietet in dieser Hinsicht viele Herausforderungen, aber auch viele Chancen, etwa wenn es um digitale Angebote und Möglichkeiten des Austauschs geht. Diese Chancen gemeinsam zu ergreifen und wahrzunehmen, liegt uns sehr am Herzen.

Jüdische Perspektiven im Podcast

Wie gehen Jüdinnen und Juden in Kassel mit Anfeindungen, besonders Antisemitismus, um? Welche Angebote bietet in diesem Kontext das Sara Nussbaum Zentrum als Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdisches Leben?

Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums.

Über diese Fragen berichtet Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, in der aktuellen Folge de Podcasts „Über die Rechten hören“. Dabei handelt es sich um ein junges Medienformat des Kasseler Festivals „Nach dem Rechten sehen“, an dem wir uns im vergangenen Jahr mit Workshops und Führungen beteiligt haben.

Podcasts sind häufig kostenfrei angebotene Audio-Angebote zum Mitnehmen, die dezentral und meist kostenfrei über das Internet verfügbar sind und recht einfach für viele Menschen zugänglich sind – zum Beispiel unterwegs auf dem Smartphone. Im Kontext politischer Bildung ergeben sich teils spannende Möglichkeiten. Deshalb haben wir das Interview sehr gern möglich gemacht!

Die aktuelle Folge mit Elena Padva kann hier angehört werden.

Neue Ausgabe der Zeitschrift „haskala“ erschienen

Pünktlich zum Start des Jahres 2021 veröffentlicht das Sara Nussbaum Zentrum eine neue Ausgabe der Zeitschrift haskala. Auf zwanzig Seiten geben wir Einblicke in unsere eigene Arbeit und berichten über jüdisches Leben und Kultur.

Schwerpunkte des neuen Hefts sind die geplante neue Ausstellung zum fünfjährigen Jubiläum des Sara Nussbaum Zentrums unter dem Titel „Netz gegen Hetz“, die vielfältigen Bildungsangebote unseres Zentrums und Einblicke in jüdische Kultur. Natürlich spielen auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unsere Arbeit und das jüdische Leben eine wichtige Rolle.

Ganz besonders freuen wir uns über die zahlreichen Statements von vielen unserer Unterstützter*innen und Kooperationspartner*innen sowie über die großartigen Gastbeiträge von Eva Schulz-Jander und Sergej Lagondinsky.

Allen, die zum Gelingen dieser Ausgabe in dieser nicht immer einfachen Corona-Zeit beigetragen haben, gilt unser herzlicher Dank!

Die Zeitschrift haskala ist als Print-Ausgabe ab sofort kostenlos zu beziehen. Bei Interesse freuen wir uns über Ihre Bestellung per E-Mail an info@sara-nussbaum-zentrum.de. Bitte geben Sie dabei die genaue Anschrift sowie die Zahl der gewünschten Exemplare an.

Hier können Sie die neue Ausgabe online herunterladen:

„Wir sind als Überlebende sehr laut gewesen“ – Interview mit Anastassia Pletoukhina

Anastassia Pletoukhina ist Sozialwissenschaftlerin ist unter anderem Direktorin des Nevatim-Programms des Jewish Agency for Israel. Sie hat 2019 den Anschlag auf die Synagoge in Halle überlebt. Wir freuen uns und sind sehr dankbar, dass sie sich die Zeit für unser Video-Gespräch genommen hat. Das Interview wurde im November 2020 von uns online geführt und aufgezeichnet.

Im ersten Teil des Gesprächs mit Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben, geht es um die Vielfalt des modernen jüdischen Lebens in Deutschland am Beispiel von Berlin.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Pletoukhina ihre persönliche Perspektive auf diesen Tag im Oktober 2019 und seine Folgen.

„Wir haben jetzt die Kapazität, darauf hinzuweisen, wie wir unser Narrativ selbst prägen wollen.“

Anastassia Pletoukhina

Wir sind als Überlebende sehr laut gewesen. Ich glaube es ist nicht immer der Fall, dass Menschen, die das auch erlebt haben, von sich aus sofort so viel darüber reden können, es wollen und auch die eigene Berufung darin sehen, es zu tun.“ Während es für die Community am Anfang stark zu spüren gewesen sei, als Opfer dargestellt zu werden, habe sich dieser Fokus inzwischen verschoben.

„Wir waren auch vorher nicht unsichtbar, wir waren auch vorher starke Personen – und das zeigen wir jetzt. Wir haben jetzt die Kapazität, darauf hinzuweisen, wie wir unser Narrativ selbst prägen wollen.“

Im dritten und letzten Teil unseres Gesprächs mit Anastassia Pletoukhina geht es um ihre eigene Arbeit, die Rolle von Netzwerken am Beispiel von Nevatim und die wichtige Frage, wie selbstbestimmtes jüdisches Leben in Deutschland gelingen kann.

Chanukka 2020 – Auswahl an Angeboten zum Lichterfest

In diesem Jahr findet das jüdische Chanukka, das auch als Lichterfest bekannt ist, vom 10. bis zum 17. Dezember statt. Auch Chanukka ist in diesem Jahr ein besonderes. Bedingt durch die Beschränkungen der Corona-Pandemie ist es nicht möglich, sich in größerem Kreis zuhause zu treffen.

Doch auch unter besonderen Bedingungen gibt es Möglichkeiten, das Fest zu erleben. Wir haben auf hier ein paar Angebote zusammengestellt, die uns beim Stöbern im Netz besonders ins Auge gefallen sind.

Chanukah oh Chanukah!, ein Lied auf Jiddisch zum Lichterfest, veröffentlicht von der Seite bimbam.com

1983 schrieb die bosnisch-amerikanische Songwriterin Flory Jagoda das Lied Ocho Kandelikas. Während der Rhythmus des Lieds sehr an lateinamerikanische Vorbilder erinnert, ist der Text in so genanntem Ladino verfasst. Dabei handelt es sich um die romanische Sprache sephardischer Jüdinnen und Juden. Hier erklingt das Lied in der Interpretation der amerikanischen Interpretin Alisa Fineman. Ein absoluter Ohrwurm, oder?

Latkes sind kleine Kartoffelpuffer, die traditionell zu Chanukka gebacken und serviert werden. Sie können von jeder und jedem zubereitet werden, auch von Menschen mit eher, nunja, eher zwielichtigem Ruf …

Weitere Linksammlungen gibt es hier:

Kitschiges, Skurriles und Cooles zum jüdischen Lichterfest im Blog des Jüdischen Museums Frankfurt

Lichterzünden und mehr“ auf der Website der Jüdischen Allgemeinen

#OrangeDaysKS – Sara Nussbaum Zentrum erstrahlt in Orange

Das Sara Nussbaum Zentrum wird vom 3. bis zum 10. Dezember mehrere Stunden täglich illuminiert – in strahlendem Orange.

Foto: md/SNZ

Hintergrund sind die „Orange Days“. Die Aktionstage setzen ein Zeichen gegen die Gewalt gegen Frauen. In Kassel handelt es sich um eine Aktion der Soroptimist International Clubs Kassel, des Frauenbündnis Kassel und des Mädchenhauses Kassel.

Am 25. November wurde bereits das Kasseler Wahrzeichen, der Herkules, eindrucksvoll illuminiert. Zusätzlich zu den Beleuchtungen wurden und werden weitere Aktionen organisiert, darunter eine Mahnwache und eine Postkartenaktion, bei der in der ganzen Stadt 16000 Postkarten ausgelegt werden.

Foto: md/SNZ

Die Aktionstage enden am 10. Dezember, der Tag der Menschenrechte. Das von den Vereinten Nationen bestimmte Motto lautet in diesem Jahr: „Steh für Frauen auf“.