Zum Nachhören: Finissage „Kein Sommermärchen“

Nach den israelfeindlichen und antisemitischen Demonstrationen im Sommer 2014 klärte im Sara Nussbaum Zentrum die Ausstellung »Kein Sommermärchen« über aktuellen Antisemitismus auf. Auch die Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA) erstellte eine Ausstellung, »Exodus – Europa ohne Juden?«. Am 14. Mai wurde »Kein Sommermärchen – Israelbezogener Antisemitismus im Sommer 2014« nach zwei Jahren dauerhaft geschlossen. Dazu gab es ein Werkstattgespräch mit Valeriya Golodyayevska (EJKA), Ilana Katz (Jüdische Gemeinde Kassel) und Elena Padva (Sara Nussbaum Zentrum) unter der Moderation von Martin Sehmisch (Informationsstelle Antisemitismus Kassel).

Aufnahme der Veranstaltung zum Nachhören

Kontingentflüchtling war gestern – 25 Jahre jüdisch-russischer Einwanderung nach Kassel

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Seit 1991 kommen jüdische Bürger als Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Von den neuen Kasselern und Kasselanern, ihren Sorgen, Hoffnungen und Erfolgen erzählt unsere Ausstellung.
Mitwirkende Künstler: Rita Sara-Ruth Ostrovskaya, Andrei Kroukov, Viktor Zvarun.
Mit Unterstützung von The Jewish Agency for Israel und Genesis Philantrophy Group.

Öffnungszeiten: Sonntags, 13-18 Uhr, Führungen um 15 Uhr und n. V.

Die ersten Bilder von der Ausstellung

Wegen antisemitischer Hetze verurteilt

Wegen eines Facebook-Postings muss der Organisator der Kasseler Pegida-Gruppe „Kagida“ 4.500 Euro Strafe zahlen. Das hat das Amtsgericht Kassel laut verschiedener Medienberichte heute entschieden. Der Angeklagte hatte den Begriff „Judenpack“ verwendet und geschrieben: „Wer stoppt Juden bei ihrem Massenmord, wir Deutschen werden die Juden wieder hassen.“ Laut Bericht von hessenschau.de hatte die Anklage festgestellt, der auf den Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern bezogene Kommentar des Rechtsextremisten bediene das auch von den Nationalsozialisten verwendete Klischee von „kindermordenden Juden“. Der Angeklagte wurde wegen Volksverhetzung verurteilt.

Informationsstelle Antisemitismus: Urteil ermutigt Betroffene und Zeugen

„Die Verurteilung zeigt, dass israelbezogener Antisemitismus sehr wohl strafbar sein kann“, sagt der Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel, Martin Sehmisch. Das Urteil sei eine Ermutigung für Betroffene und Zeugen, sich in vergleichbaren Fällen auch mit Strafanzeigen gegen Online-Hetze zu wehren. Gleichwohl kämen zu wenig Fälle tatsächlich zur Anklage. Die Informationsstelle Antisemitismus Kassel nimmt Hinweise auf antisemitische Vorfälle entgegen und unterstützt Betroffene und Zeugen. Zum Meldeformular

„Informationsstelle Antisemitismus Kassel“ nimmt Arbeit auf

Das Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben dokumentiert ab sofort antisemitische Übergriffe, Straftaten und Vorfälle im Raum Kassel. „Wir haben uns dafür entschieden, nachdem es im Herbst 2015 innerhalb eines Monats zwei eindeutig antisemitische Übergriffe in Kassel gegeben hat“, sagte die Gründerin des Sara informationsstelleFBNussbaum Zentrums, Ilana Katz. „Nach unserer Erfahrung werden diese Angriffe auf Juden und Unterstützer Israels häufig nicht bei der Polizei angezeigt“, sagte Katz, die auch Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel ist. „Umso wichtiger ist es, dass wir als jüdische Einrichtung und Teil der Zivilgesellschaft diese Informationen zusammentragen und öffentlich zugänglich machen.“ Die neue Anlaufstelle wird unter dem Namen Informationsstelle Antisemitismus Kassel arbeiten. Die Jüdische Gemeinde Kassel und die Liberale Jüdische Gemeinde Nordhessen sind als Kooperationspartner an dem Projekt beteiligt. Die Informationsstelle wird zudem durch den DGB Nordhessen und den Pflegedienstleister PSH unterstützt. Sie ist durch eine Kooperationsvereinbarung mit der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) bundesweit vernetzt. Die Leitung der Informationsstelle übernimmt der Soziologe und Journalist Martin Sehmisch (37).

Problem wird beschrieben, „die Lösung muss von vielen kommen“

Man beteilige sich mit der Schaffung der Informationsstelle in Kassel an der Beschreibung der Problemlage, sagte Sehmisch. „Die Lösung kann nur von vielen gesellschaftlichen Akteuren gemeinsam geleistet werden“, sagte er. Hier seien neben Polizei und Justiz auch zivilgesellschaftliche Akteure, Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber, Gewerkschaften und jeder einzelne Mensch gefordert. „Gemeinsam sollten wir daran arbeiten, den Antisemiten die roten Karte zu zeigen und die freie Gesellschaft zu verteidigen“, sagte er.

Übergriffe gelangen bislang nur selten an die Öffentlichkeit

Bei der Veröffentlichung unterscheidet die Informationsstelle Antisemitismus zwischen Meldungen, die direkt von Betroffenen eingereicht wurden, und solchen, die aus öffentlich verfügbaren Quellen stammen. Ob ein Vorfall als antisemitisch einzustufen ist werde man anhand nachvollziehbarer und wissenschaftlich fundierter Kriterien entscheiden. Klar sei, dass die Chronik nie vollständig sein werde. „Bisher gelangen die Übergriffe nach unserem Eindruck aber nur sehr selten an die allgemeine Öffentlichkeit – das wollen wir ändern“, sagte Sehmisch.

Betroffene können in mehreren Sprachen Kontakt aufnehmen

Betroffene und Zeugen könnten sich per E-Mail (informationsstelle@sara-nussbaum-zentrum.de) in mehreren Sprachen an das Zentrum wenden und ihre Erlebnisse schildern. Nach Vereinbarung sind auch persönliche Gespräche möglich. Derzeit wird die Bearbeitung deutscher, englischer und russischer Einsendungen gewährleistet. Als goldene Regel gilt dabei für die Informationsstelle Antisemitismus: „Wir veröffentlichen Information nur, wenn die Übermittler sie freigeben.“ Eine weitergehende Beratung von Betroffenen kann derzeit noch nicht geleistet werden. So kann etwa keine psychologische und keine Rechtsberatung angeboten werden. „Diese für die Betroffenen sicherlich wichtigen Aspekte können wir im Moment leider nicht abdecken“, sagte Martin Sehmisch. Die dafür notwendigen Strukturen fehlten ebenso wie die Finanzierung. „Die von uns vorgesehene Erfassung von Vorfällen ist dabei durchaus auch als Bedarfserhebung für den Aufbau solcher Strukturen in unserer Region zu sehen“, sagte er. Trotz dieser Einschränkung werde aber auch die reine Erhebung und Veröffentlichung der Fälle den Betroffenen den Rücken stärken. „Das ist ein wichtiger erster Schritt“, sagte Sehmisch.

Betroffen sind auch Nichtjuden und Unterstützer Israels

Der Leiter der Informationsstelle betonte, dass Opfer von antisemitischen Übergriffen nicht zwangsläufig Juden seien. „Es genügt häufig, in irgendeiner Weise positiv auf Israel Bezug zu nehmen“, sagte er. Zudem würden die Adressaten der Übergriffe teilweise auch irrtümlich für Juden gehalten. Hinweise für Betroffene, etwa zu benötigten Angaben, gibt es in den oben genannten Sprachen auf dieser Internetseite. Auf Facebook ist die Informationsstelle ebenfalls vertreten: facebook.com/informationsstelleantisemitismus

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Aufzeichnung: Diskussion „Stolpersteine kontrovers“

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Stolperstein im Philosophenweg in Kassel

Bundesweit erinnern zehntausende Stolpersteine an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Die Stolpersteine sind sowohl Kunstprojekt als auch Gedenkform und Anlass für Erinnerung und Versöhnung. Zugleich sind sie umstritten. Kritiker halten die Stolpersteine nicht für eine adäquate Form der Erinnerung an die Judenvernichtung. Nicht zuletzt werfen auch antiisraelische Aktivitäten von Mitgliedern des Vereins „Stolpersteine in Kassel“ die Frage auf, wie die Haltung der Aktivisten zum jüdischen Staat Israel ist.

Wir haben unter dem Titel „Stolpersteine kontrovers“ am 26. November 2015 im Sara Nussbaum Zentrum diskutiert. Gesprächspartner waren Jonas Dörge (Bündnis gegen Antisemitismus Kassel) und Christopher Willing (Jüdische Liberale Gemeinde Nordhessen).

Die Veranstaltung wurde von der Jüdischen Gemeinde Kassel, der Jüdischen Liberalen Gemeinde Nordhessen und dem Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben gemeinsam organisiert. Der Verein „Stolpersteine in Kassel“ war im Vorfeld ebenfalls eingeladen worden, einen Vertreter zu schicken, zeigte sich aber nicht kooperativ und war deshalb an diesem Abend  nicht vertreten.

Audio: Stolpersteine kontrovers (26. November 2015)

Erstveröffentlichung: Kurzgutachten der Amadeu-Antonio-Stiftung zu der Frage, ob die Rede von Ulrich Restat in am 15. August 2014 in Kassel antisemitisch war. Restat hatte als Redner bei einer anti-israelischen Demonstration gesprochen und war dort in seiner Funktion als Gründungsmitglied des Vereins Stolpersteine in Kassel angekündigt worden.

Weiteres Material:
Als antisemitisch kritisierte Rede von Ulrich Restat
Jüdische Rundschau (Oktober 2014) über die Vorgänge in Kassel
Radio-Sendung über Stolpersteine in Kassel