Jüdische Bildungsarbeit: Herausforderungen sind Chancen!

Die Bildungsarbeit zählt zu den Kernangeboten des Sara Nussbaum Zentrums für jüdisches Leben in Kassel. Auch in diesem Bereich hat die Corona-Pandemie vieles verändert. Elena Padva und Torsten Gleichmann aus dem Team berichten, welche Herausforderungen, aber auch Chancen sich derzeit ergeben.

Die politische Bildungsarbeit ist für das Sara Nussbaum Zentrum ein wichtiger Teil der Arbeit. Welche Angebote werden derzeit gemacht oder erarbeitet?

Elena Padva: Wir bieten Workshops zu einer ganzen Reihe unterschiedlicher Themen an, die alle mit jüdischem Leben und jüdischer Kultur verbunden sind. Die Geschichte des Judentums, gerade hier vor Ort in Kassel und Nordhessen, spielt dabei immer eine wichtige Rolle. Es geht uns aber gerade auch um Themen, die für Jüdinnen und Juden in der Gegenwart zentral sind.

Welche Rolle spielt dabei aktuell das Thema Antisemitismus?

Torsten Gleichmann: Die Auseinandersetzung mit Hass gegen Jüdinnen und Juden hat in unserer Arbeit natürlich immer eine maßgebliche Rolle gespielt. In der aktuellen Corona-Krise, vor allem durch die Ereignisse auf so genannten Hygiene-Demos und durch Entwicklungen im Netz, hat sich die Lage nach unserer Wahrnehmung deutlich verschärft. Die Beschäftigung mit antisemitischen Stereotypen wie beispielsweise Verschwörungstheorien und wie man mit Antisemitismus umgeht, hat an Wichtigkeit gewonnen – gerade übrigens im Bildungskontext, an Schulen und im Alltag.

Das Sara Nussbaum Zentrum bietet Bildungsangebote zum Thema jüdisches Leben und jüdische Kultur, wie hier in einer Schule im Raum Kassel.

Was macht die Bildungsarbeit des Sara Nussbaum Zentrums in diesem Zusammenhang aus? Warum kommen Menschen zu Ihnen, wenn Sie Rat und Beratung suchen?

Elena Padva: Themen wie Antisemitismus sind nie einfach zu behandeln. Sicherlich können wir keine standardisierten Antworten oder Lösungen aufzeigen. Was wir als Mitarbeiter eines Zentrums für jüdisches Leben leisten können, ist, ein authentisches Bild davon zu vermitteln, wie Jüdinnen und Juden hier in Kassel leben, was sie bewegt, welche Perspektiven sie haben.

Wir können ein authentisches Bild davon vermitteln, wie Jüdinnen und Juden hier in Kassel leben.

Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums für Jüdisches Leben

Dafür können wir am Unterricht teilnehmen, wenn auch zurzeit nur noch digital. Bei unseren Fortbildungen für Lehrer*innen besteht die Möglichkeit für einen Austausch, was sehr hilfreich sein kann. Es werden dann Situationen modelliert bzw. aus dem Schulalltag besprochen sowie nach Ursachen und Lösungen gesucht.

Wie kann dieses Angebot derzeit angenommen werden?

Torsten Gleichmann: Interessierte können jederzeit gern persönlich mit uns Kontakt aufnehmen. Das geht zum Beispiel über eine Anfrage per E-Mail oder telefonisch. Die Corona-Pandemie bietet in dieser Hinsicht viele Herausforderungen, aber auch viele Chancen, etwa wenn es um digitale Angebote und Möglichkeiten des Austauschs geht. Diese Chancen gemeinsam zu ergreifen und wahrzunehmen, liegt uns sehr am Herzen.